Ein Logbuch über Lissabon? Warum denn keines der üblichen Tagebücher oder literarischen Reiseführer? José Cardoso Pires, ehemaliger Direktor der Lissabonner Tageszeitung Diário de Lisboa, segelt mit uns über ein Meer aus Stein. Ja, Sie haben richtig gehört: Er segelt durch Lissabon. Geradezu anmutig führt er uns durch die Lissabonner Gassen. Ausgangspunkt ist die Burg Castelo São Jorge, dort wo man mitten in der Stadt das Gefühl hat, ihr ganz fern zu sein, sie distanziert wie in einem Film beobachten zu können. Immer wieder machen wir halt an einem der unzähligen Aussichtspunkte Lissabons, den Miradouros, um beispielsweise darüber zu rätseln, ob die Stadt nun weiß oder blau sei. Durch eine Metrofahrt lernen wir nicht nur den Chiado - für José Cardoso Pires das eigentliche Lissabon - sondern auch weiter außerhalb liegende Stadtteile wie Benfica oder Carnide kennen. Das Nachwort bleibt dem italienische Literaturprofessor und Schriftsteller Antonio Tabucchi vorbehalten. Tabucchi beantragt in seinem Nachwort, als Matrose auf der Lisboa mitfahren zu dürfen. Allerdings weiß er nicht, wie er die Stadt angesichts der immensen Anredeformen, welche das Portugiesische zu Verfügung stellt, anreden soll. Die Übersetzerin Maralde Meyer-Minnemann hat am Schluß noch ein kleines Glossar hinzugefügt, in dem für die interessierten LeserInnen die SchriftstellerInnen und KünstlerInnen, welche das Buch in großer Anzahl bevölkern, kurz mit ihren wichtigsten biographischen Daten vorgestellt werden. Ihre Übersetzung ist bis auf ein paar kleine Fehler gut gelungen. Manchmal verliert das Portugiesisch José Cardoso Pires` im Deutschen jedoch an Spritzigkeit und wirkt etwas antiquiert. Wer sein Herz an Lissabon verloren hat oder verstehen will, warum diese Stadt für viele so faszinierend ist, dem sei dieses Buch nahegelegt. Nur wenige andere Autoren wie Antonio Tabucchi oder Hans Magnus Enzensberger haben bisher den Reiz dieser Stadt dermaßen gekonnt eingefangen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)