"Quem não viu Lisboa, não viu coisa boa" (Wer Lissabon nicht gesehen hat, der hat nichts Schönes gesehen). So beschrieb der portugiesische Dichter António Nobre die Stadt am Tejo. Sicherlich etwas übertrieben, aber der Charme Lissabons brachte nicht nur ihn zu entzückten Lobrufen. Einige dieser Lobrufe hat nun Ellen Heinemann in ihrem Literarischen Portrait zu Lissabon zusammengestellt. Aufsätze ausländischer Autoren und Autorinnen wechseln sich mit portugiesischen Schriftstellern und Schriftstellerinnen ab. Darunter finden wir Klassiker der Weltliteratur wie Jorge Amado, Eça de Queiroz, Fernando Pessoa, José Saramago oder António Lobo Antunes sowie deutsche Autoren, die für ihre Artikel zu Portugal berühmt geworden sind, wie Curt Meyer-Clason oder Hans Magnus Enzensberger. Besonderen Wert hat die Herausgeberin jedoch darauf gelegt, vergessene Werke ausfindig zu machen. Ausgeschmückt wird das Buch durch viele alte Kupferstiche und Lithographien sowie einigen neueren Photographien. Leider leidet die Darstellung darunter, daß diese selten mehr als eine drittel Seite einnehmen. Oft ist von den prächtigen Originalen kaum mehr etwas zu erkennen. Am Ende des Buches steht neben dem Nachwort und dem Quellennachweis eine kurze Zeittafel zur Stadtgeschichte. Diese endet aber schon 1988 als ob seither nichts Wichtiges in Lissabon passiert wäre. Lissabon als Kulturhauptstadt Europas 1994 bleibt ebenso unerwähnt wie EXPO 98. Das Inhaltsverzeichnis steht kurioserweise - für deutsche Leser eher ungewohnt - am Ende. Da hat wohl das portugiesische Vorbild Pate gestanden. Absoluter Höhepunkt des Buches sind die Reportagen von José Cardoso Pires zu Nelkenrevolution auf der Praça do Carmo und von Curt Meyer-Clason, damals noch Direktor des Goethe-Institutes in Lissabon, zur Besichtigung des Hauptquartiers der PIDE (port. Stasi) am Tag nach dem Sturz des Caetano-Regimes. Trotz der Mängel kann Ellen Heinemanns Literarisches Portrait auf jeden Fall empfohlen werden, da es durch seine einzelnen Artikel einen guten Blick auf die Vielfalt dieser faszinierenden Stadt Lissabons wirft. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)