Liselotte Welskopf-Henrich war eine der erfolgreichsten und beliebtesten Autorinnen der DDR, besonders dank ihrer Indianerbücher Die Söhne der großen Bärin" und Das Blut des Adlers". Während es etliche Bücher über Karl May gibt, gar einen eigenen Karl-May-Verlag und an verschiedenen Orten Deutschlands Karl-May-Spiele, gab es über die ostdeutsche Schriftstellerin, deren Bücher sich im Unterschied zu May durch historische und völkerkundliche Korrektheit auszeichnen, nicht einmal eine einfache Biographie. Mit Liselotte Welskopf-Henrich und die Indianer" ändert sich das - ein Buch, auf das ich lange gewartet habe. Für mich bot es viele interessante Informationen zu den Hintergründen von Welskopf-Henrichs Büchern, dazu, warum sie die Bücher schrieb, die sie geschrieben hat. Nach der Lektüre des Buches bewundere ich die Autorin nur noch mehr, und nun habe ich wieder Lust bekommen, die alten Bücher endlich mal wieder hervorzukramen. Es ist schon faszinierend, wie sehr diese Frau sich für Indianer und andere Unterdrückte eingesetzt hat und wie sie ihre persönlichen Erfahrungen literarisch verarbeitet hat.
Zu erwähnen ist, dass es sich trotz des Untertitels Eine Biographie" nicht um eine klassische Biographie in der Hinsicht handelt, dass es eine umfassende, chronologische Widergabe des Lebenslaufes wäre. Im Gegenteil, der Lebenslauf wird im ersten Kapitel innerhalb weniger Seiten abgehandelt - danach geht es vor allem um einige bestimmte, ausgewählte Aspekte bzgl. des schriftstellerischen Schaffens Welskopf-Henrichs. Das mag den ein oder anderen stören; mir hat es so gerade gefallen, da der Autor sich im Wesentlichen auf wirklich interessante Themen beschränkt hat, z.B. darauf, wie Welskopf-Henrich die Verfilmung von Die Söhne der großen Bärin" bewertet hat oder was ihre Quellen für Die Söhne der großen Bärin" waren. Auch wenn der biographische Teil recht kurz geraten ist, hat man am Ende des Buches aufgrund der vielen Anekdoten und Zitate doch das Gefühl, einschätzen zu können, was für eine interessante, bewundernswerte Frau Welskopf-Henrich eigentlich war. Abgerundet wird das Ganze durch ein Vorwort des Sohnes der Autorin, ein Nachwort einer Kollegin sowie verschiedene Texte von Welskopf-Henrich selbst. Auch wenn sich eine kleine Anzahl an Rechtschreibfehlern eingeschlichen hat, ist dieses Buch, für alle zu empfehlen, die Welskopf-Henrichs Bücher gern gelesen haben und sich für deren Hintergründe interessieren.