Jetzt schreibe ich eine Rezension für ein Buch, das zur Zeit nur gebraucht erhältlich ist. Und mit einem guten Grund: Sie sollten es lesen!
Lise Meitner wird landläufig als Mitarbeiterin von Otto Hahn bezeichnet. Soviel vorab: Das war sie nicht! Während Otto Hahn am Kaiser-Wilhelm-Institut (KWI) in Berlin-Dahlem die Abteilung für Chemie leitete, leitete Lise Meitner die physikalische Abteilung. Sie waren Kollegen. Allerdings hatte Sie als Frau bis in die zwanziger Jahre hinein keine Chance auf eine ähnliche Posision wie ein Mann. Und im 3. Reich verlor sie Ihre Lehrerlaubnis wieder wegen ihrer jüdischen Vorfahren. Um seine eigenen Forschungen nicht dem Vorwurf des "Undeutschen" auszusetzen, erwähnte Hahn Meitner nicht in seinen Veröffentlichungen, und vor allem in seinen Vorträgen während des 2. Weltkrieges. So erhielt auch nur er den Nobel-Preis. Nicht Meitner, und auch nicht Fritz Straßmann, obwohl es ein Dreier-Team war, das die wichtigen Entdeckungen gemacht hatte, für die nur Hahn den Preis bekam.
Warum ist dieses Buch lesenswert?
Es enthält einerseits den Lebensbericht einer beachtlichen Frau. Die Autorin hat sehr angenehm eine Balance zwischen Zitaten, Briefzeugnissen, historischen und wissenschaftlichen Details gefunden. Wir können hier einen tiefen Einblick in ein Leben erhalten, das von der Liebe zur Wissenschaft, zu den Studenten und Kollegen erfüllt war.
Ich habe dieses Buch im Anschluß an zwei Bücher von Hannah Arendt gelesen, und es ist eine sehr gute Ergänzung. Lise Meitner war 30 Jahre älter als Hannah Arendt. Und damit gehörte sie einer Generation an, die es noch viel schwerer im wissenschaftlich-akademischen Betrieb hatte. Ihre Einsichten nach dem zweiten Weltkrieg (im Schlußkapitel der Biographie geschrieben), und auch ihr Brief an Otto Hahn nach dem zweiten Weltkrieg hätten H. Arendts Zustimmung erhalten.