LISA UND DER TEUFEL (in Deutschland ursprünglich DER TEUFLISCHE betitelt) wurde 1972 in der Regie von Mario Bava gedreht und ist das vielleicht bezauberndste und verspielteste Werk des italienischen Horrormaestros. Nach dem großen Erfolg des zuvor entstandenem BARON BLOOD gab Produzent Alfredo Leone dem Regisseur hier die Gelegenheit, endlich einmal ein Projekt ganz nach eigenen Vorstellungen zu realisieren. Bava nutzte diese Chance kompromißlos und so bietet der Film einen verträumten Querschnitt durch dessen filmische Obsessionen und ist zugleich ein immens persönliches Werk des Regisseurs, in dem sich autobiographische Elemente ebenso finden wie zahlreiche Anleihen bei seinen Lieblingsautoren, -malern und -komponisten. Der Film besticht mit einer adäquat berauschenden Kameraarbeit, die mit einer Vielzahl verspielter Bildarrangements und Beleuchtungseffekte, raffinierter Spiegelungen und ausgeklügelt verwinkelter Voyeursperspektiven aufwartet.
Aus all diesen Elementen erschuf Bava ein komplexes, surreales Märchen um Liebe, Tod, Wahnsinn, Geisterspuk und Nekrophilie. Hauptfiguren darin sind die von rätselhaften Träumen und Déjà-vus geplagte Lisa (Elke Sommer, einfach wunderschön in Szene gesetzt) und der Butler Leandro (brillant verkörpert vom späteren 'Kojak' Telly Savalas, der hier das Lollilutschen kultivierte), ein Zeitgenosse voll bissigem Witz und ätzendem Sarkasmus, der sich recht bald als titelgebender, im Hintergrund die Fäden ziehender Teufel entpuppt. Die anderen Protagonisten erscheinen, wie im Kontext des Films auch deutlich wird, als hin- und hergeschobene Schachfiguren in einem von übermenschlicher Hand inszenierten Spiel. Zuschauern, die leicht verdauliche Mainstream-Horrorkost bevorzugen, sei von LISA abgeraten. Denen jedoch, die der Materie noch immer offen gegenüberstehen, kann dieser verrückt-poetische Zelluloidtraum als eines der schönsten Beispiele phantastischer Filmkunst nur dringend ans Herz gelegt werden.
Für das damalige Massenpublikum erschien LISA übrigens schlichtweg zu künstlerisch, zu 'abgehoben'. Als sich ein rundes Jahr nach der Fertigstellung immer noch kein Verleih für den Film gefunden hatte, beschloß Alfredo Leone den Film 'publikumsorientiert' zu einem EXORCIST-Rip Off umzugestalten, d. h. diverse Szenen wurden entfernt, einige nachträglich gedrehte Passagen und eine neue Rahmenhandlung kamen hinzu und schließlich gelangte das Ganze unter dem Titel HOUSE OF EXORCISM in die Kinos. Bei der vorliegenden DVD handelt es sich jedoch um Mario Bavas ursprüngliche, unverfälschte Fassung.
Zur DVD: Das Bild erfreut mit kräftigen Farben und schönem Kontrastreichtum, der Mario Bavas Farbspielereien bestens zur Geltung bringt. Die Bildschärfe wirkt zwar in manchen Details ein wenig zu weich, ist alles in allem jedoch wesentlich besser ausgefallen, als bei der US-DVD von Image Entertainment. Der Ton variiert qualitativ: Am besten schneidet die italienische Fassung ab, zwar wirken die Stimmen z. T. etwas blechern, jedoch erscheint die Abmischung von Dialog und Musik optimal ausgewogen. Im Vergleich dazu muß man bei der englischen Tonspur einige Abstriche machen, berücksichtigt man das Alter des Films, ist die Qualität aber auch hier noch befriedigend ausgefallen und übertrift abermals die der US-Veröffentlichung. Ein großer Pluspunkt für die englische Fassung ist, daß die Hauptdarsteller sich hier selbst synchronisiert haben. Die deutsche Synchronfassung wirkt im Vergleich dazu furchtbar hölzern und streckenweise unfreiwillig komisch. Die Tonqualität der Dialoge ist zwar sehr sauber und rauschfrei ausgefallen, jedoch klingt die Musik streckenweise viel zu leise. Wer also einen optimalen Filmgenuß haben will, sollte die englische oder italienische Sprachfassung wählen. Die Extras sind im Vergleich zu den vorangegangenen Titeln der Mario Bava-Reihe etwas spärlich ausgefallen. Neben dem Trailer finden sich hier Bio- und Filmographien von Mario Bava und Elke Sommer sowie drei alternative Szenen (insgesamt knappe 6 Minuten), die etwas expliziter mit Sex und Gewalt aufwarten. Wie üblich ist die Aufmachung der DVD wieder sehr schön geraten.