Aus der Amazon.de-Redaktion
Don Alphonso nennt sich der Wirtschaftsjournalist, der für die Website Dotcomtod.de "aus der Häppchenperspektive" berichtet. Auf dem Höhepunkt der New Economy hat der Informant mit seinen Insidermeldungen über Pleiten, Pech und Pannen in der Szene den Chief Executive Officers den kalten Schweiß in den Nacken geschrieben. Aus seinem Insiderwissen hat Don Alphonso nun den Enthüllungsroman
Liquide gemacht.
Auf 400 Seiten erfährt der Leser, wie geldgeil, verhurt und drogenselig die deutsche New Economy das neue Jahrtausend einleitete. Claudia, Peter und David sind die Hauptfiguren, die als Team das Risikokapital ihres Auftraggebers wieder liquide machen. Sie sind schnell, gnadenlos und beherrschen die Sprache der New Economy aus dem Effeff. Die "Core Assets des Buffets" durch die "innovative Beschleunigung der Vortragsabläufe" zu gewinnen, heißt auf gut Deutsch einfach: dem Redner der Häppchenparty übers Maul fahren.
Dreist zwingt die "Sengen & Brennen KG" unterschiedlichste Dotcoms der "Munich Area" in die Knie. Das läuft eine Weile ganz gut. Die als Helden bezeichneten Liquidatoren genehmigen sich ein Konto in der Schweiz, einen Audi TT und die nötigen Spesen für den Spaß nebenher. Nach getaner Arbeit verschwimmt ohnehin alles im Drogen- oder Sexrausch. Einmal verdrischt Teamleader David, der seine aggressionsfördernden Pillen von der israelischen Armee bezieht, den CEO einer Ballerspiel-Firma und entschuldigt sich: "Ich habe vergessen, dass das alles nur ein Spiel ist. Das hier ist zum Glück auch nur Literatur."
Erzählung und Kommentar, Realität und Fiktion als untrennbares Doppel -- darin erkennt man Liquide als Schelmenroman, in dessen Tradition der Autor sein Buch stellt (und vielleicht auch deswegen so heißen will wie eine Figur aus A.R. Lesages Schelmenroman Gil Blas). Liquide erzählt von der wechselseitigen Zweckbeziehung von Medien und Wirtschaft, von der Gier nach Erfolg und Aufstieg, Substanz und Substanzen, von den Risiken des Lebens auf der Überholspur. Der etwas einfallslose Plot, der sich in der Wiederholung der Abwicklungsfälle und einer Reihe unschöner Unfälle erschöpft, wird aufgewogen durch die lapidare Beobachtungskunst Don Alphonsos und die knackige Sprache. Und was die Zukunft angeht, so muss man dieses "traurige Machwerk" (sic!) hoffnungsvoll nennen. Am Ende heißt es in einem Aufruf an die Wirtschaft: "Verbessern Sie die Buffets, und die Berichte werden besser." --Nikolaus Stemmer
Kurzbeschreibung
Sommer 2001 in München: Für Sex, Drogen & Luxus, für eine Handvoll Venture Capital, ballern sich drei Helden durch die Startups der Stadt. Sie haben nur ein Ziel: Sie wollen das Geld zurück. Im Auftrag eines Investors verbreiten sie Tod und Verderben in der schicken New Economy Szene. Sie sind die konsequent zu Ende gedachte, reine Marktwirtschaft: Brutal. Zynisch. Psychisch krank. Und deshalb etwas netter und menschlicher als die glatt gestylten Personalities ihrer Opfer.
Sie sind Liquidatoren. Heute Literatur, morgen vielleicht schon in Ihrem Unternehmen.
LIQUIDE ist ein Sittengemälde der Szene, mit ihren Netzwerken, Medien, Politikern, Investoren, Gründern und Praktikanten. Es ist keine Success Story. Es ist ein Trip in einen rabenschwarzen Abgrund. Genau so, wie das Goldene Zeitalter der New Economy jenseits der PR und Hochglanzprospekte war.