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Liquidation ist der Titel nicht nur seines Romans, sondern auch der eines Theaterstücks, das die Hauptfigur, der Verlagslektor Keseriü, aus dem Nachlass seines Freundes B. herausgefischt hat. Das Konzentrationslager Auschwitz hatte B. nicht töten können, sondern war im Gegenteil Stätte seiner Geburt; 1990 aber hatte der Freund unter rätselhaften Umständen Selbstmord ("philosophischen Selbstmord"?) begangen.
In irritierender Art und Weise nun reflektiert das Theaterstück jenes Drama, das sich nach dem Tod seines Verfassers abgespielt hat. Woher hatte B. seine prophetische Gabe? In der Folge macht sich Koseriü auf die Suche nach B.s großem Lebenswerk, das er bei einer jener Frauen vermutet, die im Leben des Autors eine Rolle spielten: "Deshalb musste ich nach dem verschwundenen Roman forschen. Weil er vermutlich all das enthalten hat, was es überhaupt noch zu wissen gibt."
Geschickt spielt Kertész in Liquidation mit den diversen Ebenen seines Plots und lässt gekonnt Roman- und Dramenhandlung ineinander fließen. Gekonnter hat wohl bisher niemand die fiktive Probe auf Wildes Exempel gemacht. --Stefan Kellerer
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Was bleibt nach der psychischen Zerstörung?,
Rezension bezieht sich auf: Liquidation (Gebundene Ausgabe)
Der Lektor eines ungarischen Verlags sucht den verschollenen Roman des Selbstmörders B. Die Suche nach dem Roman entspringt nicht literarischer Begeisterung, sondern soll eine Frage beantworten: Was kann von einer Persönlichkeit übrig bleiben, wenn sie in den Fängen einer totalitären Diktatur war? Bereits in seinen früheren Romanen stellte Kertesz fest, dass in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern nicht nur eine physische Vernichtung stattfand. Auch ein psychische. Immer wieder scheint sich Kertesz die Frage zu stellen: Kann man mit einer zerstörten Persönlichkeit weiterleben und wenn ja, wie? In Liquidation scheint er darauf eine Antwort zu suchen. Weiterleben, nur weil die biologische Existenz ein Fakt ist? Selbstmord wäre die logische Konsequenz. An anderer Stelle des Buches scheint er die Feststellung zu treffen, dass man sein Leben nicht einfach wegwerfen darf, auch wenn die Menschen Mörder und schlecht sind. Es zeigt sich, dass die persönlichen Handlungsspielräume von Menschen mit Erfahrungen wie Auschwitz und totalitären Diktaturen geringer sind, sofern sie versuchen zu begreifen was geschehen ist. Natürlich trägt „Liquidation" autobiographische Züge von Kertesz. Genau wie der Selbstmörder B., lebte der Nobelpreisträger jahrelang zurückgezogen in einer kleinen Plattenbau-Wohnung und versagte sich die Teilnahme am öffentlichen Leben. Teils aus innerlichem Protest gegen die ungarische Diktatur, teils als Konsequenz aus seiner Erfahrung als früherer KZ-Häftling. Weiterleben, oder die biologische Existenz beenden weil die Seele längst gestorben ist? In einem furiosen Finale bleibt die Beantwortung dieser Frage offen und gibt Stoff für tagelange, eigene Gedankenarbeit. Inhaltlich hochinteressant, strukturell genial und sprachlich ausgezeichnet. Der Nobelpreisträger zeigt sich in Bestform. Manchmal allerdings kann man als Nicht-Betroffener den emotionalen Höhepunkten im Buch nicht ganz folgen und wird misstrauisch. Ein Beispiel: B. wurde im Konzentrationslager geboren. Für ihn resultiert daraus, dass er nie Kinder haben darf. Als seine Frau aber einen solchen Wunsch äußert, kann man die beschriebene Reaktion von B. nur als vollkommen „theatralisch" bezeichnen. Die gesamte Argumentation des Buches leidet darunter erheblich, weil viele Positionen von B. in meinen Augen kindisch wirken. Manchmal hat man sogar das Gefühl, B. ist so etwas wie der ungarische Schlingensief. Das ist schade, denn es reduziert die Glaubwürdigkeit der Thematik, weil alle Register der Emotionalisierung gezogen werden und sich die Frage stellt, ob man nicht auch bei der Bewältigung von Konzentrationslager und kommunistischer Diktatur überziehen kann? Besser ausgedrückt: Auch als Nicht-Betroffener muss man letztlich verstehen können, welche Verhaltensweisen aus den Erfahrungen resultieren. Sonst kommt man zu dem Urteil, dass die Betroffenen nicht mehr nachvollziehbar „abdrehen". Dies wäre zwar auch eine Erkenntnis, aber Kertesz will ja wohlbegründet argumentieren und überzeugen. Trotzdem ein außerordentlich interessantes und lesenswertes Buch.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Verarbeitung der Realität,
Rezension bezieht sich auf: Liquidation (Taschenbuch)
Imre Kertész schildert in "Liquidation" die Suche nach Antworten auf wichtige Lebensfragen des desillusionierten Verlagslektors Kesserü, die er in einem vermeintlich existierenden und verschollenen Roman seines Bekannten Bé, der Suizid begangen hat, zu finden hofft. Bé wurde in Auschwitz geboren und lebt zurückgezogen innerhalb des diktatorisch regierten Ungarns. Er kam sozusagen von einem Lager ins nächste. Psychisch ist er vollends zerstört, versucht das Unbegreifbare zu begreifen und zu entschlüsseln. Das Leben ist für ihn eine einzige Qual, deren Erduldung des Menschen einziger Sinn ist. Die Frage die sich auch Kesserü stellt ist die Frage nach dem Selbstmord: Ist dieser der einzige Weg aus der Misere? Sollte man dem Leben, um der unwirklichen Wirklichkeit, dem was nicht begriffen werden kann, zu entfliehen, ein Ende setzen? Zudem kommt er immer mehr mit der Wirklichkeit in Konflikt und fragt sich was ist wirklich und was real? Die Wirklichkeit erscheint als ungreifbares Chaos, das nur durch die Literatur erfasst und zusammengehalten werden kann. Auf Grund der Beschäftigung mit einem Stück, dass er in Bés Nachlass gefunden hat werden verschiedene Stationen aus seinem Leben wieder aufgerollt, es beginnen Erinnerung und auch Bewältigung der Vergangenheit. Zu viel soll an der Stelle aber nicht verraten werden. Eine toller Roman über die Verarbeitung der Realität, das Erfassen der Wirklichkeit und das Begreifen der eigenen Vergangenheit und Geschichte. Es geht um die Folgen die man aus solch einem Verstehen in einer "Welt voller Mörder" ziehen kann oder muss und die Folgen die die Grauen der Vergangenheit auf den einzelnen haben können. Definitiv ein Buch, dass oft während dem Lesen aus der Hand gelegt werden kann, aber niemals aus Langeweile sondern um selbst nachzudenken und zu hinterfragen. Kertesz hat den Nobelpreis definitiv verdient!
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Gibt es ein Wort gegen den Schrecken? Einen Autor, der dem Abgrund standhält? - Ich ähnele Gott, diesem Schurken ...",
Von
Rezension bezieht sich auf: Liquidation (Taschenbuch)
Imre Kertész' Werk ist wie kein anderes mit den Schrecken von Holocaust, mit dem Erschrecken über den Kommunismus in Ungarn und anderswo und den ganzen Unmenschlichkeiten einer Zeit verbunden. Kertész entfaltet in diesem Buch über der Figur B, die in Auschwitz geboren wurde, die Geschichte eines Autors, sein ganzes Gelingen und Misslingen am eigenen Dasein, dieses ganze Problem mit dem Schreiben, des Autorseins im Angesicht eines Schreckens, das Menschen über sich und andere zu bringen vermögen. Das Buch Liquidation gehört zu den ganz großen Literaturen, mit denen der Autor versucht, die eigene Biographie im eigenen Wort zu erfassen, auszumessen, zu begreifen. Aber es gelingt ihm nur im ganzen Schrecken am Selbstbild, an einem Selbstmord B's, der ebenso verständlich wie unbegreiflich ist. Kertész einfühlsames Buch Liquidation begeistert in seiner erschütternden Wirkung, die es auf den Leser ausübt, die fesselnd und abstoßend zugleich ist und das Begreifen, das Sagen nur noch verstummen, stumm bleiben kann.Meine Bewertung generell lautet: 5 Sterne = absolut herausragend; 4 Sterne = sehr gut, sehr zu empfehlen; 3 Sterne = wirklich gut, zu empfehlen; 2 Sterne = lesenswert, aber nicht ganz überzeugend; 1 Stern = abzuraten. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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