London 1956, Beginn der Suezkrise. Der junge Mick Hopper (erste Hauptrolle für Ewan McGregor) sitzt seine letzten Wochen bei der Army in einem mit 5 älteren Vorgesetzten besetzten Büro des Kriegsministeriums ab, in dem die monotone Tätigkeit der Übersetzung von potentiell verdächtigten russischen Briefen etc. ins Englische ausgeführt wird, verbringt dort aber die meiste Zeit mit Tagträumen von Elvis und Rock 'n' Roll. Ein linkischer Neuling namens Francis Francis (!), frisch aus Wales eingetroffen, kommt ins Team und die beiden freunden sich ein wenig an, obwohl Hopper eher der dynamische Lebemann und Francis der traumverlorene, Literatur- und vor allem Puschkin-besessene Naivling ist. Beide verlieben sich zunächst in die falschen Frauen. Francis in die "tart" Sylvia, die direkt über ihm zusammen mit dem latent gewalttätigen Pete (der zu allem Überfluß auch noch im selben Büro arbeitet) wohnt und, als weiteren Mitkonkurrenten, von einem älteren, gesetzten Wurlitzer-Organisten zunehmend stalkerartig angehimmelt wird, Hopper in die belesene Lisa, Tochter des Colonels, der als einziger Amerikaner im selben Büro sitzt.
Als Handlung hört sich das erstmal eher unspektakulär an. Clou des Ganzen sind die diversen Songs der 50er (der Soundtrack:
Lipstick on Your Collar), die hier Musical-ähnlich eingebaut und, ohne je bemüht zu wirken, in Szene gesetzt werden. Stattdessen wird das von allen gerade zufällig anwesenden Herrschaften, ob im Anzug oder als wiederauferstandene Leiche, intoniert, was manchmal sehr frappierend ist und mit sehr viel typisch britischen Humor der süffisanteren Art garniert wird. Zweites Plus sind sämtliche Darsteller, vor allem die Büro-Offiziere. Einer meiner Favoriten, der Major Wallace Hedges spielt, verlangt immer pünktlich um Elf mit einer Stimme, die nach einer Mischung aus dezent aufbrausender Empörung und ehrlicher Verletztheit klingt, nach dem "(what about the) barely bloody drinkable ???", sprich: Tee/Kaffee.
Dazu gibt es auch einige belustigende Nebenhandlungs-Stränge und sich im Tempo aber nicht hektisch überschlagenden Verwicklungen, wie die moralinsauren und obsessiven Monologe des Onkels Fred (dargestellt von Bernard Hill), bei dem Francis untergekommen ist, und den seine Tante Vickie augenrollend als "bleeding maniac" verdammt.
Das Ganze ist als Sechsteiler von je einer Stunde angelegt, ist nur in Englisch ohne whatsoever Untertitel zu bekommen, von 1993, hat wenig Extras (Filmographie der Schauspieler, dürftige Biographie von Dennis Potter, und, als Schmankerl, die "Lipstick Jukebox": alle Songs der Serie nochmal in den Film-Versionen der Protagonisten, wenn man sie nicht im sechsstündigen Serienhandlungsdickicht suchen will) und ist letzter Teil der Trilogie von Dennis Potter, der auch schon "Pennies From Heaven"(1978) und "The Singing Detective" (1986) nach demselben virtuosen Inszenierungs-Prinzip präsentiert hatte (die eine Mini-Serie mit 30er-Jahre-Songs, die andere mit 40-er) und die beide mindestens genauso lohnenswert sind.