Ein neues Buch von Candace Bushnell - warum nicht lesen? Hört sich ja interessant an, und außerdem hat sie Sex and the City geschrieben; ein bekannter Name also, der einen bestimmt für die leichte Lektüre nicht enttäuscht. Weit gefehlt.
Eigentlich lese ich solche Romane ab und an ganz gern, weil sie wahre Pageturner sind. Da ist der Inhalt egal, auch wenn er flach ist, solange wirklicher Lesespaß vorhanden ist. Und keiner dieser Romane hat mich eigentlich je enttäuscht, ob von Cathy Kelly oder Marian Keyes. Ihren Zweck haben sie immer erfüllt - nämlich dieses "Ich muss sofort weiterlesen und möchte gar nicht mehr aufhören"-Gefühl.
Was bei diesem Buch, obwohl es sich flüssig liest, in keiner Sekunde entstanden ist. Der vorhergehenden Kritik kann ich mich weitgehend anschließen - auch mir ging es so, dass ich die Protagonistinnen ziemlich lange so gar nicht auseinander halten konnte.
Für ein Buch ist es auch hilfreich, die Protagonisten entweder sympathisch zu finden oder sich mit ihnen identifizieren zu können. Oder sie sind auf sonst eine Art faszinierend. Auch hier - nichts von alledem. Die drei Protagonistinnen sind über die komplette Handlung hinweg höchst unsympathisch - karrieregeile Weiber, die, obwohl sie das Gegenteil verkörpern sollen - die Karrierefrau und Mutter in den Dreck ziehen, weil sie selbst so schlechte Exemplare davon darstellen. Man fühlt einfach nicht mit mit ihnen - die eine, Wendy, denkt nur an ihre Filmkarriere während sich ihr Mann (verständlicherweise, und hier liegt das Problem, denn eigentlich sollte man auf ihrer Seite sein) scheiden lässt und sie keine wirkliche Bindung zu ihren Kindern hat. Victory Ford, Modedesignerin, beginnt eine Liasion mit einem alten, herrschsüchtigen Knacker und die dritte, Nico, auch Mutter und Ehefrau, beginnt eine Affäre mit einem Model namens Kirby (gelungene Namenswahl übrigens - Kirby ist der wahre Sexappeal!).
Letztlich wartet man am Ende darauf, dass diese drei bemitleidenswerten Frauen von ihrem hohen Thron stürzen, aber auch da wartet man vergeblich.
Dieser Roman zeigt die leere, unaufrichtige Welt und vermittelt Charakterlosigkeit und Ehrgeiz in der Karriere, der alle anderen Dinge unwichtig macht. Gefühle von anderen? Vollkommen unwichtig. Wenn über diese absolut egomanen Protagonistinnen wenigstens der Pageturner-Effekt gelungen wäre, könnte man noch über die fade Handlung hinwegsehen, aber selbst das ist nicht gelungen.
Fazit: Es gibt sehr viel bessere Romane in dieser Sparte, um dieses hier würde ich einen Bogen machen, auch wenn es eigentlich ansprechend aussieht.