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Lipödem & Cellulitis. Problemzonen Symptome neueste Therapien
 
 
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Lipödem & Cellulitis. Problemzonen Symptome neueste Therapien [Taschenbuch]

Thomas Weiss
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Dr. med. Thomas Weiss, Fernseharzt in "Praxis Dr. Weiss", SWR, zeigt in seinem Ratgeber "Lipödem & Cellulite", wie Sie durch Selbsthilfe und wirksame Therapien zu gesunden Beinen kommen." (Neue Gesundheit )

Kurzbeschreibung

Wirksame Hilfe vom Fernseharzt

Millionen Frauen in Deutschland leiden darunter: unter dem so genannten Lipödem, Fettansammlungen im Unterhautgewebe. Der bekannte Arzt und Autor Dr. Thomas. Weiss trifft in seiner Praxis seit einiger Zeit verstärkt auf dieses Phänomen: Frauen mit stark geschwollenem Gliedmaßen kommen vermehrt zu ihm, weil er als einer der ersten Ärzte wirkungsvolle Methoden gegen Lipödeme entwickelt hat. Lipödeme führen zu Schwellungen, Schmerzen, Unregelmäßigkeiten und/oder Verdickungen der Haut, vor allem an den Oberschenkeln. Dort kommt es oft auch zu dem so genannten „Orangenhautphänomen", der „Zellulitis“, einem eher ästhetischem Problem. Bereits kleine Stöße im Alltag führen zu Blutergüssen und besonders im Bereich der Oberschenkel-Innenseiten kommt es leicht zu Entzündungen, da sich die Haut wund scheuert. Dr. Weiss erklärt in diesem Buch diese noch kaum bekannte, aber weit verbreitete und unangenehme Krankheit und beschreibt geeignete Behandlungsmethoden: Entstauung durch Vakuummassagen, spezielle Massagetechniken sowie Kompressionsbehandlungen. Dazu empfiehlt er eine Ernährungsumstellung und medikamentöse Maßnahmen. Endlich finden Betroffene hier einen kompetenten Ratgeber für ihr Problem.

Über den Autor

Dr. med. Thomas Weiss, geb. 1952, ist Facharzt für Allgemeinmedizin, Psychiatrie und Psychotherapie, Naturheilverfahren, Psychoanalyse und Umweltmedizin in Mannheim. Seit 2002 strahlt der SWR wöchentlich seine halbstündige Fernsehsendung „Praxis Doktor Weiss“ aus.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Stellt man die welligen oder knotigen Hautveränderungen als rein kosmetisches oder als reines Gewichtsproblem dar, wird man dem Leiden der betroffenen Frauen nicht gerecht.

Erkrankung oder rein kosmetisches Problem?
Die meisten Frauen trifft es irgendwann. War die Haut früher glatt und straff, wird sie nach einer Gewichtszunahme, nach einer Schwangerschaft, nach den Wechseljahren oder einfach »nur so« unregelmäßig, wellig und knotig. Die so genannte Orangenhaut taucht zuerst an Oberschenkeln und Hüften, dann an immer mehr Stellen des Körpers auf. Da helfen weder Salben und Cremes noch andere Wundermittel – sie verpuffen ohne Wirkung. Ob die Cellulite eine Erkrankung darstellt, ist umstritten. Der Streit beginnt schon beim Namen. Die einen nennen das Phänomen Cellulite oder Cellulitis, andere sprechen von Orangenhaut. Ärzte bezeichnen die Beschwerden als Dermatopanniculosis deformans. Gemeint ist immer das Gleiche. In vielen Fällen, jedoch nicht immer, geht die Cellulite mit einem zweiten Krankheitsbild einher, das in der Medizin als Lipödem bezeichnet wird und Schwellung des Fettgewebes bedeutet. Es beginnt in der Regel bereits in jungen Jahren mit »dicken Beinen«. Kommt es zu einer Gewichtszunahme, bleibt der Oberkörper zwar schlank, dafür nehmen aber vor allem die Beine weiter an Umfang zu. Schreitet der Prozess fort, werden auch Oberarme und Oberkörper allmählich stärker. Abends leiden die Betroffenen unter Spannungen in der Haut, die Beine werden müde, schwer und stoßempfindlich. Selbst kleinste Verletzungen hinterlassen deutlich sichtbare blaue Flecken.

Rätselhaftes Beschwerdebild
Zum großen Leidwesen der Frauen nehmen sie im Laufe der Jahre an den jeweiligen Körperpartien immer mehr zu. Meist beträgt der Unterschied zwischen oben und unten zwei oder mehr Konfektionsgrößen. Die zahlreichen Versuche abzunehmen scheitern oder sind an den falschen Stellen erfolgreich. Schlank wird man dort, wo es eigentlich nicht nötig ist. Weder Sport noch Diäten noch Medikamente bringen sichtbare Ergebnisse. Daneben leiden die betroffenen Frauen unter Wassereinlagerungen in Gesicht, Händen oder Unterschenkeln. Der Ring geht morgens nicht über den Finger, die Brust spannt vor der Periode, oft passen sogar abends die Schuhe nicht mehr, die sie morgens leicht anziehen konnten. Vor der Periode kann das Gewicht um mehrere Kilo nach oben gehen. Gleichzeitig fühlen sie sich elend, abgeschlagen und reizbar. Lassen sie sich auf Herz und Nieren untersuchen, ist das Ergebnis oft unbefriedigend. Ein krankhafter Befund kann nicht erhoben werden.

Warum Behandlungsversuche nicht wirken
Um die Lüftung dieses und anderer Geheimnisse geht es in diesem Buch. Das, was auf den ersten Blick so schwer erklärbar erscheint, sind einige klar umschriebene, jedoch wenig bekannte Erkrankungen. Am Ende der Lektüre werden Sie verstehen können, wie sie entstehen und warum sie so hartnäckig sind. Im Buch werden drei Krankheitsbilder beschrieben: Cellulite, Lipödem und diffuse Wassereinlagerung bei ansonsten gesunden Frauen. Die Beschwerden hängen inhaltlich zusammen. Ihnen gemeinsam sind Durchblutungsstörungen der Kapillaren, d.h. der kleinsten Gefäße des Körpers, und eine Störung des Lymphabflusses, weshalb die Beschwerden auch oft nacheinander oder gemeinsam auftreten. Um die Krankheitsbilder zu verstehen, sind einige Grundlagen notwendig, vor allem Wissen über die Funktion des Lymphsystems. Danach werden die verschiedenen Krankheiten und ihre Entstehung dargestellt. Und schließlich erfahren Sie, wie man sie erfolgreich behandeln kann. Da sich die therapeutischen Verfahren nicht grundsätzlich voneinander unterscheiden, werden sie im letzten Kapitel des Buches gemeinsam erläutert.
Vor allem möchte Ihnen dieses Buch einen Weg aufzeigen, wie Sie durch Selbsthilfe und wirksame Therapieverfahren wieder zu größerem Wohlbefinden, schönerer Haut und schlankeren Beinen kommen.
Jeder weiß, wozu der Blutkreislauf gut ist. Vom Lymphsystem aber haben die meisten gerade einmal gehört – wozu es dient, ist weitgehend unbekannt. Meist wird es uns nur bewusst, wenn z. B. die Lymphknoten am Hals aufgrund einer Erkältung schmerzhaft geschwollen sind. Doch über Aufbau und Funktion des Lymphsystems als Ganzem wissen selbst medizinisch Versierte oft nur ungenügend Bescheid.
Die große »Kläranlage« des Körpers
Nicht alle Lebewesen verfügen über ein Lymphsystem – Fische z.B. kommen glänzend ohne ein solches aus. Wir Menschen benötigen es jedoch, genau wie alle anderen Säugetiere und wie die Vögel. Das Lymphsystem ist eine Einbahnstraße, die in den Randzonen in fast allen Geweben des Körpers ihren Anfang nimmt. Dort wird der »Sondermüll« eingesammelt und in die obere Hohlvene kurz vor dem Herz entleert. Damit schließt sich der Kreislauf wieder. Alle höheren Lebewesen verfügen über ein System, nämlich die Arterien, das vom Herz wegführt, sowie über ein doppeltes Gefäßsystem, nämlich Venen und Lymphgefäße, die Blut und Lymphflüssigkeit (Lymphe) wieder zum Herz zurücktransportieren. In dieser Drainage- oder Entwässerungsfunktion besteht eine der Hauptaufgaben der Lymphgefäße. Lagert sich Flüssigkeit zwischen den Zellen ein, beispielsweise bei Verletzungen oder Entzündungen, tritt das Lymphsystem vermehrt in Aktion und sorgt dafür, dass die Flüssigkeit aufgenommen und sicher beseitigt wird. Welche Auswirkungen der Ausfall des Lymphsystems hat, wurde in einem Tierexperiment sichtbar: Unterbindet man die Lymphbahnen an nur einem Bein komplett, tritt unweigerlich der Tod ein – und zwar innerhalb von 24 Stunden.

Aufrechter Gang und fehlende Haare
Im Vergleich zu anderen Lebewesen kommt dem Lymphsystem beim Menschen eine besondere Bedeutung zu. Dies liegt zum einen im aufrechten Gang begründet, mit dem sich der Mensch von seinen Verwandten, den Affen, unterscheidet. So günstig diese Aufrichtung für die Entwicklung war – sie wurde mit einer erhöhten Druckbelastung der Blutgefäße in den Beinen erkauft. Unsere Beine stehen unter Dauerdruck und lassen so mehr Flüssigkeit in das Gewebe der Unterschenkel und Füße sickern. Würden wir uns wie unsere animalischen Vorfahren auf allen Vieren fortbewegen, wäre dieses Buch völlig überflüssig. Der zweite Grund für die besondere Bedeutung des menschlichen Lymphsystems hat ebenfalls mit unserer Entwicklungsgeschichte zu tun. Nach und nach verlor der Mensch den größten Teil seiner Behaarung und zog als »nackter Affe« durch Savannen und Wälder. Ein Fell ist jedoch nicht nur kleidsam, es schützt vor allem auch gegen Kälte. Um nicht zu erfrieren, entwickelte sich beim Menschen eine dicke Fettschicht in der Unterhaut, die uns anstelle des Fells vor Unterkühlung schützte.

Lebenswichtige Fettschicht
Als Kälteschutz durfte das Unterhautfett des Menschen nicht zu dünn sein. Um ein Fell von einem Zentimeter Höhe zu ersetzen, benötigte er ein vier Zentimeter dickes Fettpolster! Kein anderes Lebewesen, nicht einmal Schweine, verfügt über einen derart ausgeprägten Fettmantel, selbst im Bereich von Armen und Beinen. Damit ist der Mensch ausgezeichnet gegen kalte Nächte im Freien geschützt. Doch der Kälteschutz hat auch seine Nachteile – womit das Thema »Lymphsystem« ins Spiel kommt. Die dicke Unterhaut besteht aus sehr lockerem Fettgewebe. Dort lagert sich leider auch leicht Flüssigkeit ein. Es besteht die Gefahr, dass sich so viel Flüssigkeit ansammelt, dass es zur Schwellung, einem Ödem, kommt. Um dem vorzubeugen, benötigte der Mensch ein leistungsfähiges zusätzliches Entwässerungssystem – das Lymphsystem. Es dient dazu, alle Stoffe abzutransportieren, die zwischen den Zellen im Bindegewebe entstehen. Das sind neben der Flüssigkeit vor allem Eiweiße, Zellen, aber auch Fremd- und Schadstoffe. Darüber hinaus spielt das Lymphsystem eine entscheidende Rolle bei der körpereigenen Abwehr.

Aufbau des Lymphsystems
Das Lymphsystem transportiert Flüssigkeit, die Lymphe, aus...

Auszug aus Lipödem & Cellulite. Problemzonen Symptome neueste Therapien von Thomas Weiss. Copyright © 2007. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Stellt man die welligen oder knotigen Hautveränderungen als rein kosmetisches oder als reines Gewichtsproblem dar, wird man dem Leiden der betroffenen Frauen nicht gerecht.

Erkrankung oder rein kosmetisches Problem?
Die meisten Frauen trifft es irgendwann. War die Haut früher glatt und straff, wird sie nach einer Gewichtszunahme, nach einer Schwangerschaft, nach den Wechseljahren oder einfach »nur so« unregelmäßig, wellig und knotig. Die so genannte Orangenhaut taucht zuerst an Oberschenkeln und Hüften, dann an immer mehr Stellen des Körpers auf. Da helfen weder Salben und Cremes noch andere Wundermittel - sie verpuffen ohne Wirkung. Ob die Cellulite eine Erkrankung darstellt, ist umstritten. Der Streit beginnt schon beim Namen. Die einen nennen das Phänomen Cellulite oder Cellulitis, andere sprechen von Orangenhaut. Ärzte bezeichnen die Beschwerden als Dermatopanniculosis deformans. Gemeint ist immer das Gleiche. In vielen Fällen, jedoch nicht immer, geht die Cellulite mit einem zweiten Krankheitsbild einher, das in der Medizin als Lipödem bezeichnet wird und Schwellung des Fettgewebes bedeutet. Es beginnt in der Regel bereits in jungen Jahren mit »dicken Beinen«. Kommt es zu einer Gewichtszunahme, bleibt der Oberkörper zwar schlank, dafür nehmen aber vor allem die Beine weiter an Umfang zu. Schreitet der Prozess fort, werden auch Oberarme und Oberkörper allmählich stärker. Abends leiden die Betroffenen unter Spannungen in der Haut, die Beine werden müde, schwer und stoßempfindlich. Selbst kleinste Verletzungen hinterlassen deutlich sichtbare blaue Flecken.

Rätselhaftes Beschwerdebild
Zum großen Leidwesen der Frauen nehmen sie im Laufe der Jahre an den jeweiligen Körperpartien immer mehr zu. Meist beträgt der Unterschied zwischen oben und unten zwei oder mehr Konfektionsgrößen. Die zahlreichen Versuche abzunehmen scheitern oder sind an den falschen Stellen erfolgreich. Schlank wird man dort, wo es eigentlich nicht nötig ist. Weder Sport noch Diäten noch Medikamente bringen sichtbare Ergebnisse. Daneben leiden die betroffenen Frauen unter Wassereinlagerungen in Gesicht, Händen oder Unterschenkeln. Der Ring geht morgens nicht über den Finger, die Brust spannt vor der Periode, oft passen sogar abends die Schuhe nicht mehr, die sie morgens leicht anziehen konnten. Vor der Periode kann das Gewicht um mehrere Kilo nach oben gehen. Gleichzeitig fühlen sie sich elend, abgeschlagen und reizbar. Lassen sie sich auf Herz und Nieren untersuchen, ist das Ergebnis oft unbefriedigend. Ein krankhafter Befund kann nicht erhoben werden.

Warum Behandlungsversuche nicht wirken
Um die Lüftung dieses und anderer Geheimnisse geht es in diesem Buch. Das, was auf den ersten Blick so schwer erklärbar erscheint, sind einige klar umschriebene, jedoch wenig bekannte Erkrankungen. Am Ende der Lektüre werden Sie verstehen können, wie sie entstehen und warum sie so hartnäckig sind. Im Buch werden drei Krankheitsbilder beschrieben: Cellulite, Lipödem und diffuse Wassereinlagerung bei ansonsten gesunden Frauen. Die Beschwerden hängen inhaltlich zusammen. Ihnen gemeinsam sind Durchblutungsstörungen der Kapillaren, d.h. der kleinsten Gefäße des Körpers, und eine Störung des Lymphabflusses, weshalb die Beschwerden auch oft nacheinander oder gemeinsam auftreten. Um die Krankheitsbilder zu verstehen, sind einige Grundlagen notwendig, vor allem Wissen über die Funktion des Lymphsystems. Danach werden die verschiedenen Krankheiten und ihre Entstehung dargestellt. Und schließlich erfahren Sie, wie man sie erfolgreich behandeln kann. Da sich die therapeutischen Verfahren nicht grundsätzlich voneinander unterscheiden, werden sie im letzten Kapitel des Buches gemeinsam erläutert.
Vor allem möchte Ihnen dieses Buch einen Weg aufzeigen, wie Sie durch Selbsthilfe und wirksame Therapieverfahren wieder zu größerem Wohlbefinden, schönerer Haut und schlankeren Beinen kommen.
Jeder weiß, wozu der Blutkreislauf gut ist. Vom Lymphsystem aber haben die meisten gerade einmal gehört - wozu es dient, ist weitgehend unbekannt. Meist wird es uns nur bewusst, wenn z. B. die Lymphknoten am Hals aufgrund einer Erkältung schmerzhaft geschwollen sind. Doch über Aufbau und Funktion des Lymphsystems als Ganzem wissen selbst medizinisch Versierte oft nur ungenügend Bescheid.
Die große »Kläranlage« des Körpers
Nicht alle Lebewesen verfügen über ein Lymphsystem - Fische z.B. kommen glänzend ohne ein solches aus. Wir Menschen benötigen es jedoch, genau wie alle anderen Säugetiere und wie die Vögel. Das Lymphsystem ist eine Einbahnstraße, die in den Randzonen in fast allen Geweben des Körpers ihren Anfang nimmt. Dort wird der »Sondermüll« eingesammelt und in die obere Hohlvene kurz vor dem Herz entleert. Damit schließt sich der Kreislauf wieder. Alle höheren Lebewesen verfügen über ein System, nämlich die Arterien, das vom Herz wegführt, sowie über ein doppeltes Gefäßsystem, nämlich Venen und Lymphgefäße, die Blut und Lymphflüssigkeit (Lymphe) wieder zum Herz zurücktransportieren. In dieser Drainage- oder Entwässerungsfunktion besteht eine der Hauptaufgaben der Lymphgefäße. Lagert sich Flüssigkeit zwischen den Zellen ein, beispielsweise bei Verletzungen oder Entzündungen, tritt das Lymphsystem vermehrt in Aktion und sorgt dafür, dass die Flüssigkeit aufgenommen und sicher beseitigt wird. Welche Auswirkungen der Ausfall des Lymphsystems hat, wurde in einem Tierexperiment sichtbar: Unterbindet man die Lymphbahnen an nur einem Bein komplett, tritt unweigerlich der Tod ein - und zwar innerhalb von 24 Stunden.

Aufrechter Gang und fehlende Haare
Im Vergleich zu anderen Lebewesen kommt dem Lymphsystem beim Menschen eine besondere Bedeutung zu. Dies liegt zum einen im aufrechten Gang begründet, mit dem sich der Mensch von seinen Verwandten, den Affen, unterscheidet. So günstig diese Aufrichtung für die Entwicklung war - sie wurde mit einer erhöhten Druckbelastung der Blutgefäße in den Beinen erkauft. Unsere Beine stehen unter Dauerdruck und lassen so mehr Flüssigkeit in das Gewebe der Unterschenkel und Füße sickern. Würden wir uns wie unsere animalischen Vorfahren auf allen Vieren fortbewegen, wäre dieses Buch völlig überflüssig. Der zweite Grund für die besondere Bedeutung des menschlichen Lymphsystems hat ebenfalls mit unserer Entwicklungsgeschichte zu tun. Nach und nach verlor der Mensch den größten Teil seiner Behaarung und zog als »nackter Affe« durch Savannen und Wälder. Ein Fell ist jedoch nicht nur kleidsam, es schützt vor allem auch gegen Kälte. Um nicht zu erfrieren, entwickelte sich beim Menschen eine dicke Fettschicht in der Unterhaut, die uns anstelle des Fells vor Unterkühlung schützte.

Lebenswichtige Fettschicht
Als Kälteschutz durfte das Unterhautfett des Menschen nicht zu dünn sein. Um ein Fell von einem Zentimeter Höhe zu ersetzen, benötigte er ein vier Zentimeter dickes Fettpolster! Kein anderes Lebewesen, nicht einmal Schweine, verfügt über einen derart ausgeprägten Fettmantel, selbst im Bereich von Armen und Beinen. Damit ist der Mensch ausgezeichnet gegen kalte Nächte im Freien geschützt. Doch der Kälteschutz hat auch seine Nachteile - womit das Thema »Lymphsystem« ins Spiel kommt. Die dicke Unterhaut besteht aus sehr lockerem Fettgewebe. Dort lagert sich leider auch leicht Flüssigkeit ein. Es besteht die Gefahr, dass sich so viel Flüssigkeit ansammelt, dass es zur Schwellung, einem Ödem, kommt. Um dem vorzubeugen, benötigte der Mensch ein leistungsfähiges zusätzliches Entwässerungssystem - das Lymphsystem. Es dient dazu, alle Stoffe abzutransportieren, die zwischen den Zellen im Bindegewebe entstehen. Das sind neben der Flüssigkeit vor allem Eiweiße, Zellen, aber auch Fremd- und Schadstoffe. Darüber hinaus spielt das Lymphsystem eine entscheidende Rolle bei der körpereigenen Abwehr.

Aufbau des Lymphsystems
Das Lymphsystem transportiert Flüssigkeit, die Lymphe, aus dem Raum zwischen den Zellen, dem Bindegewebe. Dort nehmen kleinste Lymphkapillaren die Flüssigkeit auf und führen sie zu den größeren Sammelgefäßen, den so genannten Kollektoren. Diese wiederum münden in Lymphstämme, die dann schließlich kurz vor dem Herz in der oberen Hohlvene enden. Eingestreut in die Lymphbahnen sind die Lymphknoten, die man manchmal in den Armbeugen und in der Leiste tasten kann. Jeder Mensch verfügt über etwa 500 bis 600 dieser Lymphknoten. In ihnen wird die Lymphe konzentriert, wobei der größte Teil der Flüssigkeit bereits an dieser Stelle an das Blut abgegeben wird. Die Lymphknoten arbeiten sehr effektiv. Aus 1000 Litern Primärlymphe erzeugen sie täglich ein Konzentrat von etwa zwei Litern, das über die großen Lymphstämme in die obere Hohlvene entleert wird.
Zarte Lymphbahnen
Das Lymphsystem ist trotz seiner enormen Bedeutung ein sehr zartes Gewebe, das mit dem bloßen Auge fast nicht zu erkennen ist. Der Durchmesser der kleinen Lymphkapillaren beträgt gerade einmal ein Tausendstel Millimeter. Dieser Durchmesser nimmt von den Kapillaren über die Sammelgefäße bis zu den großen Lymphstämmen langsam zu; Letztere sind zwischen einem und fünf Millimetern dick, erreichen also höchstens Bleistiftdicke. Etwas größer sind die Lymphknoten; ihr Durchmesser beträgt zwischen wenigen Millimetern und drei Zentimetern. Einige von ihnen kann man mit der Hand tasten. Am besten gelingt das in der Leiste, wo sie des Öfteren als leicht verschiebbare, linsenförmige Knötchen zu fühlen sind.

Entzündungen der Lymphbahnen
Das Lymphgefäßsystem ist im Gegensatz zu den Blutgefäßen nicht nur wegen seiner zarten Gestalt, sondern auch aufgrund seiner Farbe schlecht erkennbar. Lymphe ist durchsichtig bis milchig-weiß. Von außen sichtbar wird das Lymphsystem nur, wenn es von einer schweren Entzündung befallen ist. Verletzt man sich beispielsweise bei der Gartenarbeit am Arm, können Keime in das Gewebe gelangen. Diese werden von den Lymphgefäßen aufgenommen und in Richtung Lymphknoten transportiert. Unterwegs werden sie von weißen Blutkörperchen attackiert und unschädlich gemacht. Falls dies ausnahmsweise nicht gelingt, kann es zu einer Entzündung der Lymphbahn kommen, die nun als feiner roter Strich an der Innenseite des Armes sichtbar wird. Die Lymphknoten schwellen erst in der Ellenbeuge und später auch in der Achselhöhle an. Der Volksmund spricht in diesem Fall von Blutvergiftung - doch das trifft nicht zu. Nur das Lymphgewebe ist sichtbar entzündet. Gelingt es auch den Achsellymphknoten nicht, die Keime auszuschalten, können sie in die Blutbahn gelangen. Hohes Fieber und Schüttelfrost sind die Folge. Nun hat sich auch das Blut entzündet, der Mediziner spricht von einer Sepsis. Auch heute noch stellt eine Sepsis eine außerordentlich gefährliche Erkrankung dar, die trotz intensivmedizinischer Behandlung nicht selten einen tödlichen Ausgang nimmt.

Oberflächliches und tiefes Lymphsystem
Lymphgefäße verrichten fast überall im Körper unmerklich ihren Dienst. Nur in wenigen Regionen, wie dem Gehirn und dem Knochenmark, gibt es vermutlich keine Lymphbahnen. Man unterscheidet dabei zwischen dem oberflächlichen und dem tiefen Lymphsystem. Das oberflächliche Lymphsystem versorgt die Haut und das Unterhautgewebe. Es sorgt auch dafür, dass im Fettgewebe kein Stau entsteht. Diese Funktion darf man nicht unterschätzen. Mindestens 20 Prozent des Körpers bestehen aus Fettgewebe, das uns nicht nur als Reserve für schlechte Zeiten, sondern auch als Wärmeschutz und Polster dient. Unterhalb dieser Schicht befindet sich eine äußerst stabile Hülle, die man medizinisch Faszie nennt. Sie umschließt Muskeln, Sehnen, Gelenke und Nerven. Dort befindet sich ein zweites, das tiefe Lymphsystem, das auch diese Organe entwässert. Das oberflächliche ist mit dem tiefen Lymphsystem über so genannte Perforansgefäße verbunden, die im Bedarfsfall Flüssigkeit aus der Tiefe in das oberflächliche System überführen können, was bei verschiedenen Erkrankungen und bei der Therapie des Lymphödems von Bedeutung ist.
Eine Entzündung der Lymphbahnen ist ein Alarmzeichen, das umgehend ärztlich behandelt werden muss!
Die Hauptaufgabe der Mikrozirkulation ist es, Nährstoffe und Sauerstoff möglichst dicht an die Zellen heran zu transportieren und Kohlendioxid und Abfallstoffe sicher zu entsorgen. Dies gelingt durch das enge Zusammenspiel von Kapillaren und Lymphgefäßen.

Wunderwerk Kapillaren
Unser Körper steht vor dem grundsätzlichen Problem, die einzelnen Zellen möglichst direkt mit Blut und Nährstoffen zu umspülen, damit diese alle Nährstoffe unmittelbar entnehmen können. Je dichter der Kontakt mit den Zellen ist, desto besser. Auf der anderen Seite muss das Blut auch wieder vollständig zurückfließen, kein einziger Tropfen darf verloren gehen. Diese Schwierigkeit wird gelöst, indem Arterien und Venen so dicht wie Plastikrohre sind. Die Kapillaren dagegen sind mit Sieben vergleichbar, die Wasser und kleine Moleküle wie z. B. Nährstoffe ungehindert passieren lassen. Man spricht dann von Mikrozirkulation. Die Zellen »baden« praktisch im Strom der Nährstoffe und können problemlos alle lebensnotwendigen Substanzen aufnehmen und Abfallprodukte abgeben. Die Zellen, z.B. die der Muskeln oder Organe, werden wie die Kiesel in einem Bachbett von Nährstoffen umströmt, was optimale Bedingungen für die Ernährung bedeutet. Dabei verlassen riesige Mengen an Flüssigkeit das Kapillarbett und strömen durch das Bindegewebe. Doch was geschieht dann mit den Nähr- und Abfallstoffen, mit dem Wasser und den Salzen? All das muss wieder aufgesammelt und vollständig zurücktransportiert werden. Kein Tropfen darf zurückbleiben. Die Frage ist nur, wie unser Körper das schafft: mit Hilfe des Lymphsystems!

Ausgeklügeltes Transportsystem
In unserem Körper zirkulieren etwa fünf Liter Blut; dieses setzt sich aus vielen Bestandteilen zusammen. In einem winzigen Würfel mit einer Kantenlänge von einem Millimeter finden sich rund fünf Millionen rote und 5000 weiße Blutkörperchen, die zusammen knapp die Hälfte des Würfels ausfüllen. Der Rest besteht aus Plasma - einer Mischung aus Wasser, Eiweiß, Elektrolyten und Zucker - und unzähligen weiteren Stoffen in geringerer Menge. Wesentlich für den osmotischen Effekt, den »Schwammeffekt«, ist das Eiweiß: Es hält Wasser im Blut gebunden. Vom Herz kommend, strömt der besondere Saft durch die Arterien in alle Organe. Nach einer Weile werden die Gefäße immer dünner, bis sie schließlich in den extrem dünnen Kapillaren enden, die nur zwischen sieben und zehn Tausendstel Millimeter dick sind. Zum Vergleich: Ein Haar ist rund zehnmal so dick!
Wie gelangt das Blut durch die Kapillaren?
Als Forscher den Durchmesser der Kapillaren genau ausmaßen, waren sie reichlich erstaunt: Sie sind kleiner als der Durchmesser eines roten Blutkörperchens! Wie also kann die Durchblutung funktionieren, wenn Billionen von Sauerstoffträgern durch Röhren müssen, durch die sie eigentlich gar nicht passen? Warum hat der Körper sich nicht für dicke Kapillaren entschieden, die Durchblutung wäre doch dann viel unproblematischer? Die Antwort auf diese Frage findet sich in einer physikalischen Gesetzmäßigkeit. Je kleiner ein Körper (z.B. eine Kugel oder eine Röhre) ist, desto größer wird seine Oberfläche im Verhältnis zum Volumen. Bezüglich der Kapillaren bedeutet ein möglichst kleiner Durchmesser eine große Oberfläche und damit eine gute Durchblutung. Im Laufe der Entwicklungsgeschichte wurden die Kapillaren so klein, dass der Durchmesser der roten Blutkörperchen schließlich eine natürliche untere Grenze darstellte. Um selbst durch feinste Haargefäße zu passen, trennten sich die roten Blutkörperchen im Laufe ihrer Reifung von ihrem Zellkern - dadurch wurden sie schlanker und biegsamer. Nun konnten sie sich so klein machen, dass sie mühelos selbst die dünnsten Kapillaren passieren konnten. Dabei rutschen die Sauerstoffträger dicht an der Wand entlang und geben so ihre wertvolle Last leichter in das Gewebe ab.

Stoffaustausch in den Gefäßen
Jeder Mensch verfügt über Kapillaren im Überfluss. Dort findet der eigentliche Stoffwechsel statt. Zwar ist jede einzelne Kapillare mikroskopisch klein, alle zusammen weisen bei einem mittelgroßen Menschen jedoch eine geschätzte Gesamtlänge von 100 000 Kilometern auf - damit käme man zweieinhalb Mal um den Äquator! Nicht alle diese Kapillaren sind gleichzeitig durchblutet. Das vegetative Nervensystem steuert den Blutfluss äußerst feinfühlig genau dorthin, wo er gerade benötigt wird. Das sauerstoffreiche Blut in den Kapillaren ist hellrot, was man beim Stich mit der Nähnadel leicht sehen kann. Auf ihrem Weg durch die Kapillaren geben die roten Blutkörperchen ihren Sauerstoff ab und nehmen gleichzeitig Kohlendioxid auf. Bei diesem Wechsel der Gasfracht verfärbt sich das Blut dunkel. Anschließend sammelt sich das Blut aus unzähligen Kapillaren in den Venen und strömt langsam wieder zum Herz zurück.

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