Das Buch hinterlässt bei mir einen zwiespältigen Eindruck.
Wenn man es gelesen hat, beschleicht einen unweigerlich das Gefühl, die Autoren hätten das Buch schnell zu Ende bringen und zügig abhaken wollen.
Das wird gleich zu Beginn am knapp bemessenen Umfang des Buches relativ deutlich: nicht einmal 400 Seiten reichen für die vielen Themen, die darin besprochen werden, einfach nicht aus; so hatten die Autoren auch nicht viel Platz für weitreichende Erkläungen, wodurch "Linux-Server für Intranet und Internet" zu einem Praxis-Buch geworden ist, dass man nur
gern lesen wird, wenn man die Beispiele sofort umsetzen kann. Leider kommen syntaktische Fehler in den diversen Listings relativ häufig vor und manchmal sind selbst zum Betrieb einer bestimmten Funktion notwendige Konfigurationseinträge einfach nicht erläutert.
So wird z.B. im Kapitel "WWW-Server mit Apache" zwar der Aufbau der .htaccess-Datei grundlegend erläutert (leider sehr kurz und zudem mit einem syntaktischen Fehler: es heißt "valid-user" und nicht "valid user") und es werden auch ein paar Beispiele angebracht, allerdings steht nirgends geschrieben, dass man in der "/etc/httpd/httpd.conf" die Option "AllowOverride" zumindest auf "AuthConfig Limit" zu setzen hat, damit der htaccess-Schutz eines Verzeichnisses funktioniert. Nur im Abschnitt über ssh ist ein kurzer Vermerk zu "AllowOverride All" vermerkt -- was ist aber, wenn sich der Leser nur für den .htaccess-Abschnitt interessiert hat?! Sich daraus ergebend muss man erst wieder Online-Documentations bemühen, welche ein Buch ja eigentlich ersetzen sollte. Auch zieht sich ein roter Faden durch viele Kapitel des Buches: (zu) kurze theoretische Einführung, Installation eines Services, leider meist ebenfalls zu kurze Konfigurationsbeschreibung (ein paar Optionen zu erläutern und dann darauf hinzuweisen, dass weiterführende Beschreibungen den Rahmen des Buches sprengen würden, reicht eben nicht aus!) und anschließend meist das Nennen von Beispielen. Dabei greifen die Autoren relativ erfolgreich auf ihre praktische Erfahrung zurück,
man hat jedoch oftmals das Gefühl, dass sie selber zu wenig theoretische Zusatzlektüre gelesen haben. Und was soll dieses Auflisten von Scripts? Ein Leser wird sicher kaum ein vierseitiges Listing aus
dem Buch abschreiben, nur um die ein oder andere Zusatzfunktion aktiviert zu bekommen - zudem sind die Scripts auf der (sehr guten) Homepage verfügbar, sie nehmen dem Buch also nur noch mehr Platz für sinnvolle Erläuterungen! Eine Zusatzdiskette oder -CD-ROM wären da besser gekommen.
Das Buch hätte mit ca. dem doppelten Umfang sicher zu überzeugen gewusst, dieser wäre den exzellent ausgewählten und vielfältigen Themen auch gerecht geworden. So, wie diese Lektüre vor mir liegt, kann ich sie allerdings nicht in höchsten Tönen loben, zumal man bei frei verfügbaren Online-Dokumentationen oftmals mehr Know-How -garniert mit theoretischem Hintergrundwissen- findet. So Leid es mir tut, das zu schreiben: ich hätte mehr erwartet!