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Zum Anfang ein guter Witz aus der Zusammenfassung: "The addition of several new options to the iptables firewall command and new commands related to DNSSEC and ssh show the book's value as a security tool." Jeder, der glaubt, dass man Sicherheit dadurch erreichen kann, indem man ein paar Mini-Tips in einem Teilkapitel eines Buches liest, das als Zusammenfassung gilt ("in a nutshell"), sollte sofort den Stecker an seinem Rechner ziehen. Damit wäre er /sie besser beraten.
Insgesamt ist der Ansatz des Buches verfehlt.
1.) Der Titel ist falsch:
Hier geht's kaum um Linux, sondern hauptsächlich um die GNU Tools, und andere Werkzeuge, die auf jedem UNIX-System kompilieren und laufen. Es wäre fair gewesen, dieses Buch wenigstens "GNU/Linux in a nutshell" zu nennen.
2.) Die Themenauswahl ist zu gross:
Mässigung war gewiss nicht eine Stärke der Autoren. Zuviele Themen sorgen sogar in diesem monumentalen Wälzer für zuwenig Platz.
3.) Zuwenig Information / schlechter Stil:
Tatsache ist, dass jede Person, die vor einem Linuxrechner sitzt (" - A Desktop Reference"), genausogut die Programme man und info aufrufen kann, oder die umfangreichen HTML-Hilfen abrufen kann. Die in diesem Buch dargebotene Information ist oft kürzer und weniger detailliert als die mitgelieferte Onlinedokumentation von Linux, und diese Sparsamkeit macht es eher unbrauchbar als nützlich.
4.) Zuviel "Ballast":
Es werden zuviele Themen behandelt, die bereits "gegessen" sind. bash-Shell oder csh/tcsh? Aufgrund der Verfügbarkeit der bash (überall) und versch. Schwächen der C-Shells eigentlich kein Thema mehr. Im Endeffekt ist also hier Füllmaterial eingebracht worden (= +1 Kapitel).
Der Editor "ex"? vi / Emacs / sed wurden behandelt. Darüber hinaus gibt es keine "Standardeditoren", das Kapitel ist ein Füller.
RCS und CVS: Auch hier: ein halbes Kapitel Füllmaterial. Niemand muss RCS kennen, um CVS zu verstehen. Niemand verwendet RCS! CVS-Alternativen existieren und wären diskussionswürdig gewesen...
Insgesamt beweist das Buch: Linux ist auch nur ein Wort bzw. ein Schlagwort. "Linux in a nutshell" ist eine recht unverschämte Titelbehauptung, weil so eine Zusammenfassung gar nicht gut (in einem Buch) machbar ist. Eine Aufspaltung in mehrere Bücher wäre sinnvoll, und das Einbringen von Informationen über graf. Umgebungen in ein Buch, das sich hauptsätzlich mit Shellbefehlen beschäftigt, ist endgültig Themaverfehlung.
Wer wirklich was in diesem Kontext machen will, sollte zu Büchern wie Peter H. Gantens "Debian GNU/Linux" greifen. Dort sind sowohl die Einführungen besser geschrieben, als auch die Ratschläge nützlicher und direkter anwendbar, und das Buch ergänzt die Onlinedokumentation anstatt sie zu ersetzen.
Heutzutage liefern die grossen Distributoren wie SuSE und Red Hat ihren Kunden beim Kauf eines ihrer Linuxpakete für gewöhnlich bessere Handbücher als dieses Buch (manchmal sogar mehrere!).
Meine Empfehlung: Weitersuchen! Nur die deutsche Fassung macht Sinn, denn nicht jeder ist firm in der engl. Sprache (Darum gibt's auch einen Stern). Auch hier gilt: Die Distributoren liefern auch in Deutsch..
[Nachtrag:]
Ich empfehle jedem, der sich ernsthaft mit den Unix Tools (von GNU) auseinandersetzen will, das Buch "UNIX Power Tools" von O'Reilly. Das Buch versucht nicht, die man-Pages zu ersetzen, sondern erklärt, wie man das meiste aus den Tools rausholt, und wie man viele Probleme mit Standard-Rezepten lösen kann. "UNIX Power Tools" ist das Buch, das "Linux in a nutshell" hätte sein können, aber nicht ist. Jedem, der sich wirklich in die Tiefen der Kommandozeile und der Shellprogrammierung begeben will, ist daher "UNIX Power Tools" nur wärmstens ans Herz zu legen, während ich auch weiterhin nur von "Linux in a nutshell" abraten kann.
Während "Linux in a nutshell" nur ein paar Kommandozeilenparameter wiedergibt, gibt "UNIX Power Tools" Tips, wie man nicht nur die einzelnen Tools einsetzt, sondern auch wie man sie kombiniert und welche Tools sich auf welche Weise für welche Aufgaben einsetzen/kombinieren lassen. Die Macht der Tools erwächst nun mal nicht aus sich selbst, sondern dadurch, dass sie sich zu viel mächtigeren Werkzeugen kombinieren lassen.
Also: "UNIX Power Tools" gut, "Linux in a nutshell" Geld- und Zeitverschwendung.
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