Ich bin eher zwiegspalten, was das Buch betrifft. Christian Rickens hat in seinem Buch einige wichtige Punkte gut herausgestellt, die momentan gesellschaftliche Probleme aufwerfen. Von den Folgen der Globalisierung über die demografische Veränderung bis hin zur Zuwanderung zeigt er die Probleme konservativer oder neoliaberler Politik auf und entwirft moderne, linke Antworten. Das liest sich sehr gut und ist meistens auch schlüssig begründet, schließlich ist der Autor Wirtschaftshournalist und somit durchaus vom Fach.
Die Schwächen des Buchs liegen aber im Detail. Wenn er etwa die staatliche Rente der finanzmarktbasierten Rente gegenüberstellt und zum Schluss kommt, dass die Rendite der staatlichen Variante schlechter sei (S. 156): 'Stimmt, doch die Rendite der gesetzlichen Rentenversicherung liegt weit unter dem, was sich mit den Beiträgen am Kapitalmarkt erzielen ließe(')'. Das ist nicht nur arg verkürzt, sondern auch sachlich falsch. Die gesetzliche Rentenversicherung leistet nämlich erheblich mehr als nur Geld für das Alter einzusammenln. Sie belohnt zum Beispiel Erziehungszeiten von Frauen dadurch, dass bis zu drei Jahre ' auch wenn sie zuhause verbracht werden ' als vollwertige Erwerbsjahre gezählt werden. Ich möchte die private Rentenversicherung sehen, die drei Jahre ohne Beitragszahlung mal eben anrechnet für die spätere Auszahlung. Des Weiteren kommt die Rentenversicherung zum Beispiel auch für Leistungen der Wiedereingliederung in den Beruf auf, wenn man beispielsweinse nach einem Krankenhausaufenthalt wieder in den Beruf zurückkehrt. Das sollte man schon wissen, wenn man pauschal die private Rente für besser erklärt.
Am ärgerlichsten ist aber die Tatsache, dass Rickens letztlich alle Argumente nur benutzt, um am Schluss zu seinem Lieblingsthema zu kommen: dem bedingungslosen Grundeinkommen. Er beschränkt die Betrachtung auf eine wirtschaftstheoretische und lässt andere Aspekte wie die dadurch zerstörte Solidarität außen vor.
Insgesamt finde ich das Buch trotz guter Ansätze sehr ärgerlich.