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LTI ( Lingua Tertii Imperii). Notizbuch eines Philologen
 
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LTI ( Lingua Tertii Imperii). Notizbuch eines Philologen [Taschenbuch]

Victor Klemperer
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 363 Seiten
  • Verlag: Reclam Leipzig; Auflage: N.-A. (2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3379001252
  • ISBN-13: 978-3379001250
  • Größe und/oder Gewicht: 18,4 x 11,6 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
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Victor Klemperer
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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

LTI. Notizbuch eines Philologen
OA 1947 Form philologische UntersuchungBereich Linguistik
Auf persönliche und dadurch sehr anschauliche Weise setzt sich Victor Klemperer in seinem Notizbuch eines Philologen mit der »Sprache des Dritten Reichs« (LTI = Lingua Tertii Imperii) auseinander und offenbart gesellschaftliche und politische Wurzeln sprachlicher Gebilde.
Entstehung: Klemperer suchte nach dem »Geistigen« im »Sprachkörper«, nach dem Ganzen im Einzelnen, wie er 1927 in der von ihm mitherausgegebenen Zeitschrift Idealistische Philologie erläuterte. LTI hat eben diese Suche zum Ausgangspunkt. Es geht zurück auf die Tage- buchaufzeichnungen, die Klemperer während der Zeit des Nationalsozialismus unter ständiger Lebensgefahr verfasst hatte. Seine »Geheimformel: LTI, LTI!« habe ihn stets gemahnt, aufzuschreiben und festzuhalten, was er las und hörte.
1945 als Professor an der Technischen Universität Dresden wiedereingesetzt, verband Klemperer den intellektuellen Neuanfang nach zwölf Jahren Unterdrückung mit einer genauen Analyse des Geschehenen über den Weg der Sprache. In zahlreichen Vorträgen machte er seine philologischen Untersuchungen publik und veröffentlichte sie 1947 unter dem Titel LTI. Notizbuch eines Philologen.
Inhalt: Die »Lingua Tertii Imperii« ist laut Klemperer eine Sprache des Glaubens. Denn sie gründet sich auf Fanatismus. Abkürzungen (HJ, BDM etc.) tragen verschwörerische Züge – der Name LTI ist als Parodie hierauf gedacht. Das »Geistige« im »Sprachkörper« des Nationalsozialismus hat für Klemperer seinen Ursprung in der deutschen Romantik: Hier finde sich bereits der Grundgedanke der Grenzen- oder Maßlosigkeit und die Absage an die Vernunft.
Inhaltlich und in ihrer Ausdrucksform ist die LTI eine arme Sprache. Sie kennt vor allem Superlative (alles ist »total«) und will Bewegung ausdrücken (es wird »entjudet« und »aufgenordet«). Die LTI zielt auf die Mechanisierung der Wörter (Aktionen werden groß »aufgezogen«, Organisationen »gleichgeschaltet«, Menschen »laufen zu vollen Touren auf« ) und entpersönlicht dadurch den Einzelnen. Der Mensch wird zum Automaten.
Klemperer hat Töne des Alltags aufgezeich-net – Gespräche auf der Straße, mit Freunden, im Judenhaus – und aus ihnen die Konturen der LTI herausgearbeitet. Gleichzeitig analysiert er auch zeitgenössische Veröffentlichungen, Zeitungsartikel und Reden der Nazigrößen. Dabei demaskiert Klemperer die LTI als eine Sprache, die letztlich das Denken durch das Fühlen und dieses wiederum durch die stumpfe Willenlosigkeit zu ersetzen und damit die »Gefolgschaft« der »Automaten« zu verstärken sucht.
Wirkung: LTI ist eine Arbeit der »ersten Sunde«, wie Klemperer es ausdrückte. Um der Untersuchung ein wissenschaftliches Fundament zu geben – so sah es der Autor voraus –, würde es mehr als ein Menschenleben bedürfen. In der Tat analysiert die Forschung bis heute, ausgehend von Klemperers Studie, die Sprache im Nationalsozialismus.
Die Wegbereitung der philologischen Forschung ist jedoch nur ein Grund für die durchweg positive Rezeption des Notizbuchs eines Philologen seit 1947. Zu einem Standardwerk der Literatur zum Nationalsozialismus macht es darüber hinaus sein Zeugnischarakter – die persönliche, lebensnahe Schilderung eigener Erfahrungen mit der LTI. B. Br.

Pressestimmen

"'LTI' - Lingua Tertii Imperii - nannte der Philologe Victor Klemperer (1881-1960) sein schwierigstes Buch. Es hat den Autor über die Grenzen Europas hinaus bekannt gemacht. Nicht nur, weil es die erste profunde Kritik der 'Sprache des Dritten Reiches' ist, sondern weil es Klemperers glückliche Gabe offenbart, schwierige Gegenstände interessant, ja spannend darzustellen." -- FAZIT - Wirtschaft und mehr -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

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59 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Über die Macht der Sprache, 15. September 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: LTI ( Lingua Tertii Imperii). Notizbuch eines Philologen (Taschenbuch)
Viktor Klemperer, jüdischer und deutscher Philologe und Alltagsbeobachter, hat dieses Buch 1946 veröffentlicht, zu einer Zeit, als seine Erinnerungen an die hinter ihm liegende Zeit noch sehr frisch waren. Die Zeit Hitlerdeutschlands hat er genutzt, um seine Wissenschaft um die spezifische Deutung der "Lingua Tertii Imperii", der "Sprache des dritten Reiches", zu bereichern. Er hat in brillanter und auch dem philologischen Laien verständlicher Art und Weise die Nutzung der Schriftsprache und Rhetorik im Dritten Reich aufgezeichnet und gedeutet in all ihrer Perversität und Hintergründigkeit. Als Jude nur durch die Ehe mit einer "arischen" Ehefrau dem Holocaust entronnen, hat er sich oft unter Lebensgefahr Material für diese Arbeit beschafft, denn für Juden war es offiziell weder erlaubt, Bücher aus Bibliotheken auszuleihen, noch z.B. Reden Adolf Hitlers zu hören. Trotzdem hat er das getan und ist so in der Lage, eindrücklich das Durchsetzen der nazistischen Floskeln und Gedanken in allen Volksschichten, intellektuellen wie Arbeiterkreisen, zu beschreiben. Für mich ein faszinierendes Buch, nicht zuletzt ein bewegendes und nachdenklich machendes Zeitdokument. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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39 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Philologie als Gewinn, 31. August 2004
Rezension bezieht sich auf: LTI ( Lingua Tertii Imperii). Notizbuch eines Philologen (Taschenbuch)
Ob Philologie im Alltag einen wirklichen Nutzen hat, ist oft bezweifelt worden. Ohne Zweifel haben Leute wie Erasmus zu großen politischen Veränderungen im Europa des 16. Jahrhunderts beigetragen, aber wie sieht es heute aus? Bekannt ist die Schilderung von Walter Jens geworden, den beeindruckte, wie ein Tübinger Lehrer das Horst-Wessel-Lied nach Philologenmanier regelrecht zerpflückte; bekannt wurden zur (Un)sprache des Nationalsozialismus Sternberger, Storz und Süskinds "Wörterbuch des Unmenschen"; neuerdings gibt es zahllose linguistische Untersuchungen, etwa von K. Ehlich zur "Sprache im Faschismus", aber wohl keines dieser Werke geht einem so nahe, spricht einen so sehr an wie Klemperers "LTI", das die eigentliche Essenz aus dessen Tagebüchern darstellt. Das Buch ist so klar gegliedert, so verständig geschrieben, so sehr im Alltag belegt und begründet, dass einem eigentlich auf jeder Seite ein Licht über den Nationalsozialismus aufgeht. Philologie kann möglicherweise doch etwas bewirken!
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27 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Nazisprache und Gegenwart, 19. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: LTI ( Lingua Tertii Imperii). Notizbuch eines Philologen (Taschenbuch)
Was man aus Viktor Klemperers hervorragendem Buch vor allem lernen kann, ist, dass sehr viele Begriffe der Nazibarbaren bis in unsere gegenwärtige Gesellschaft erhalten geblieben sind und sich viele Menschen nicht darüber im Klaren sind, woher das eigentlich stammt. Die zweite Lektion, die man lernen kann, ist, dass die gleichen Mechanismen heute immmer noch gebraucht werden, um gegen Menschen zu hetzen; die gegenwärtige Diskussion um "Arbeitsunwillige" und dergleichen mehr, lässt ahnen, wie tief verwurzelt die faschistoide Denkweise und der demagogische Sprachgebrauch in Deutschland sind.
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