Ich habe das Buch im Abstand von drei Jahren zweimal gelesen. Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern mit gleichem thematischen Hintergrund ist es insbesondere sehr praxisbezogen - mit einer Fülle vieler detailreicher Tips, die einem helfen, sich aus dem Sumpf der Angstsymptome zu ziehen. Man erfährt beim lesen, dass der Autor mit seiner Partnerschaft und letztendlich mit seinem Therapeuten Glück gehabt hat. Etwas befremdlich von daher die stark kommerzielle Ausrichtung und der Alleinstellungsanspruch der "Linden Methode". Man wünschte sich ein selbstloseres Engagement und weniger Personenkult eines ehemaligen Leidenden.
Das Werk steht vom Preis her in keinem Verhältnis zu vielen anderen thematisch verwandten Büchern. Ausserdem wird auf der Webseite des Autors von der Wissenschaftlichkeit und von einer unglaublichen Erfolgsquote der "Methode" berichtet, ohne einen harten Nachweis zu bringen - doch gerade dies macht eine wissenschaftliche Herangehensweise aus. Man fragt sich bisweilen, wie es dem Autor möglich ist, zu behaupten, 103 965 Patienten geheilt zu haben (heutiger Stand). Die exakt benannte Zahl lässt vermuten, dass sie lediglich der Käuferzahl entspricht. Ich persönlich kenne mindestens zwei Käufer, die dem Autor keinerlei Feedback gegeben haben. Eine typische stellvertretende Aussage des Autors auf seiner deutschsprachigen Website: "Das sind keine leeren Verkaufs-Argumentationen, meine Technik basiert auf streng, wissenschaftlichen Begebenheiten, die in tausenden von Fällen eingesetzt und eingehenden wissenschaftlich bewiesen wurden, durch Organisationen wie das NIMH."
Auf der amerikanischen Website des Autors bekommt man den Bericht der NIMH im Wortlaut zu lesen. Hier werden als wirksame Methoden die Verhaltenstherapie und die kognitive Verhaltenstherapie benannt - nicht die "Linden Methode" - wie der Autor zu suggerieren sucht. Ähnlich verhält es sich mit einer Veröffentlichung in der britischen "Science". Der Autor bedient sich verschiedener wissenschaftlich anerkannter Prinzipien wie z.B. der kognitiven Verhaltenstherapie und gibt die Wissenschaftlichkeit als seine aus, ohne jedoch den Zusammenhang zu erläutern. Das Elemente der kognitive Verhaltenstherapie zum Einsatz kommen habe ich nirgends gelesen. Wir alle lernen von bereits gemachten Erfahrungen. Die Penetranz, mit der der Autor die Wurzeln verschweigt und das vermittelte Wissen als seine Methode ausgibt, wirkt auf mich unseriös.
Die Informationspolitik um diese Methode ist haaresträubend. Man erfährt im Vorfeld nicht das geringste zum Inhalt des Buches. Auf der Website gibt es zahlreiche Erfahrungsberichte - man erinnert sich an simple Methoden der Werbung - wer kann schon die Athenzität dieser Berichte nachprüfen. Zum Teil versucht der Autor in diversen Foren die potentielle Kundschaft mit rechtlich zweifelhaften Methoden daran zu hindern, inhaltlich zum Werk Stellung zu nehmen und bedroht gerechtfertigte kritische Äusserungen mit rechtlichen Schritten wegen Geschäftsschädigung. Wie schon bemerkt, stellt jedoch ein kritischer Diskurs eine Voraussetzung jeder Wissenschaftlichkeit dar. Rein rechtlich betrachtet gilt in Deutschland ein Zitatrecht und das Recht auf Privatkopie - beides versucht der Autor mit zweifelhaften "Lizenzbedingungen" auszuhebeln, was insbesondere vor dem Hintergrund der ängstlichen Klientel verwerflich erscheint. Man kauft letztendlich die Katze im Sack - allerdings mit einer versprochenen "Geld zurück"-Garantie innerhalb eines Jahres. Prüfbar ist diese Aussage im Vorfeld nicht.
Letztendlich überrascht das Buch, wenn man es dann vor sich hat, mit einem authentischen, bodenständigen und realitätsnahen Schreibstil. Der Autor vermag zahlreiche bekannte und unbekannte Sachverhalte mit einfacher Sprache zu vermitteln. Dem Author gelang es insbesondere, die Selbstheilungskräfte von mir zu aktivieren. Das Lesen macht Mut und man meint, für jede noch so spezielle Spielart der Angststörung hilfreiche Anleitungen zu finden.
Die geheimnisvollen Säulen rufen beim ersten überfliegen Skepsis hervor. Ich meinte zuerst eine raffinierte Methode der "Klientenbindung" im Sinne einer sektenhaften Logik auszumachen. Z.B. soll man alles andere gelesene vergessen und ausschliesslich die Methode des Autors anwenden oder aber man soll sich aus Angstforen zurückziehen - womit man sich auch kritischen Einflüssen entziehen würde, jedoch schafft es der Autor mit logisch erscheinender Argumentation die Sinnhaftigkeit zu untermauern. Der Autor scheint ausserdem verantwortungsbewusst zu einem Leben ohne Medikamente zu raten und rät ausdrücklich, dies mit der Hilfe eines Arztes anzugehen.
Aufgrund der generellen positiven Ausstrahlung des eigentlichen Werkes und der bemerkenswert praktischen Hilfe möchte ich, trotz der kritischen Preisgestaltung und der zwielichtig anmutenden Vermarktung 4 Sterne vergeben. Ich denke, dass es sehr gut geeignet ist, Angsthasen zu motivieren und Wege aus der scheinbaren Sackgasse auch ohne Medikation herauszuführen.