Toril Brekke, geboren 1949, ist eine der bekanntesten Autorinnen Norwegens und seit 1992 Vorsitzende des norwegischen PEN-Clubs. Seit mehr als zwanzig Jahren schreibt sie Romane und Erzählungen sowie Kinder- und Jugendbücher. "Linas Kinder" ist ihr sechster Roman, ein großer Erfolg, der in Norwegen für den Brage, den höchstdotierten Literaturpreis, vorgeschlagen wurde.
Ich bin eher zufällig auf diese Autorin gestossen und war von ihrem Schreibstil sofort begeistert.
Der Roman spielt in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts und erzählt die Geschichte von Anton Syrin, dem Kind armer norwegischer Bauern (insofern ist der deutsche Titel "Linas Kinder" einigermassen irreführend). Anton ist das "Ergebnis eines Fehltritts seiner Mutter" und wächst als ungeliebtes Kind in der kinderreichen und bettelarmen Familie auf. Er wird mit 14 Jahren als Hütejunge auf einen größeren Hof "verpachtet" und verdient sich mit seinem Akkordeon regelmässig ein Zubrot. Stets auf der Suche nach einer halbwegs anständig bezahlten Arbeit führt ihn sein Weg zu den "Steinhauern" an der norwegischen Küste (s. auch der Titel der norweg. Originalausgabe "Granitt")bei denen er sich zu einem angesehenen Steinmetz hocharbeitet. Er ist deutlich älter als seine "Kindfrau Lina". Linas Großmutter, eine weise Frau, hat bei Linas Geburt geweissagt, diese werde dereinst einen Spielmann heiraten. Als Lina dann Anton begegnet, weiß sie sofort: der oder keiner.
Anton hat 10 Kinder mit Lina, aber auch drei uneheliche, von denen er allerdings nicht weiß. Die Lebenswege all dieser Kinder und ihrer Nachkommen, die sehr unterschiedliche Schicksale erfahren, kreuzen sich im Verlauf der Geschichte immer wieder - ein dichtes Gewebe von Lebensmustern, das die Autorin in prächtigen Farben ausleuchtet und zu einem bewegenden, liebevoll gezeichneten Epos verknüpft.