Der erste Teil dieser Rezension befasst sich mit der Technik und der Ausstattung der (Steelbox) Blu-ray. Nähere Informationen und Erläuterungen zum Inhalt des Films finden sich darunter. Dort werden thematische Intensionen, stilistische Besonderheiten, Symbolik, Bezüge zum Genre und Beispiele bissigen Humors angesprochen.
1. TECHNIK & AUSSTATTUNG
Es wird niemanden überraschen, dass ein Ausnahmefilm wie "Once Upon A Time In The West" in zahlreichen Versionen auf den Markt kam. Bemerkenswert war hier die von Anfang an respektable Qualität. Bereits die erste italienische PAL-Version "C'era una volta il West", der "Directors Cut" von 2:51 h, bot das Original-Format 2,35:1 und eine für DVD ordentliche Bitrate von 5,74 Mbps. Der italienische Ton kam in DD 5.1. Die späteren DVD-Versionen steigerten die Bildqualität durch bessere Schärfe und neutralere Farben. Alle folgenden Versionen waren mit 2:38 h etwas kürzer - lange Szenen wie das Spiel mit der Fliege wurden einfach ein wenig geschnitten. In der Anfangs-Sequenz gibt es in der italienischen Version eine Szene, in der Leone's Töchter Rafaella and Francesca bei der Station zu sehen sind. In verschiedenen Langversionen legt Harmonica nach dem Schusswechsel wegen einer Verletzung seinen Arm in eine Schlinge. In einer weiteren Extra-Einstellung zeigt Frank der Kamera auch die Leichen im Salonwagen - und Mister Morton robbt länger zum "Pazifik".
Die Paramount Home Entertainment Blu-ray liefert sowohl die US-Kinoversion mit 2:45 h als auch die restaurierte Version mit 2:46 h auf einer 50 GB Scheibe. Die Video-Bitrate beträgt hier 24,9 Mbps. Der englische Ton wurde überarbeitet und in DTS-HD kodiert. Zudem werden deutsche, französische und spanische Spuren in DD 2.0 (Mono) angeboten. Untertitel sind in Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Dänisch, Niederländisch, Norwegisch, Schwedisch und Finnisch verfügbar.
Die Extras der BD unterscheiden sich kaum von der letzten DVD-Ausgabe:
- Audio-Kommentare [1]
- Eine Oper der Gewalt (An Opera of Violence, SD, 29 min)
- Der Lohn der Stunde (The Wages of Sin, SD, 20 min)
- Die Verbindung mit dem Tod (Something to Do with Death, SD, 18 min)
- Eisenbahn: die Revolutionierung des Westens (Railroad: Revolutionising the West, SD, 6 min)
- Die Drehorte: damals und heute (Locations Then & Now, SD, 4 min)
- Production-Gallery [2] (SD, 5 min)
- Original Kino-Trailer (HD, ca. 3 min)
Wer auch mal einen "modernen" Trailer des Films sehen möchte, kann dies über ein "hidden feature":
- Im Hauptmenu "Extras" wählen. Dann ist "Kommentare ..." unterlegt.
- Mit dem Cursor nach links: Oben rechts erscheint ein Hufeisen.
- Auf der Fernbedienung "Enter" drücken.
Beim HD-Transfer wurde nicht übertrieben geschönt. Man kann z.B. das Original-Korn erkennen - aber in feinerer Struktur. Dafür hatte man unter Verwendung der Original Kamera-Bauteile eigens neue Zwischennegative und Zwischenpositive erstellt. Die Tiefenauflösung in dunklen Passagen wurde verbessert, auch indem man auf die Kontrast-Überhöhung der letzten DVD verzichtete. Hauttöne erscheinen wärmer. Insgesamt scheint die Blu-ray gegenüber der DVD eine Spur mehr Blau zu betonen. Die typischen Nahaufnahmen sind beeindruckend. Totalen liefern eine sehr viel bessere Auflösung und Detailwiedergabe in der Bewegung. Ohne Zweifel: Bei diesem Film kommt die Qualität der Blu-ray durchaus zur Geltung, natürlich nur in den vom Original vorgegebenen Grenzen.
Der Film lebt von seinen markanten Geräuscheffekten, die nicht nur in der DTS-HD Master 5.1 - Version Freude machen. Denn auch der deutsche Ton fällt eigentlich erstaunlich wenig ab. Die Bässe bringen nicht gerade den Boden zum Wackeln, aber der Sound kann - abgesehen vom Klang der Musik - doch beeindrucken und lädt dazu ein, bei gehobenen Pegeln zuzuhören.
Dennoch scheint eine Warnung angebracht: Die obigen Wertungen fallen dem Werk entsprechend aus. Man darf keine moderne Bild- und Tonqualität erwarten. Der Ton ist nicht nur durch die Monophonie eingeschränkt, sondern liefert auch nicht die Prägnanz und Härte der Details oder die Klarheit und Auflösung der Musik, die schon lästig gequetscht und plärrig klingt. Der Klirrfaktor tobt in Forte-Passagen bei etlichen Prozenten herum. "Spiel mir das Lied vom Tod" war, technisch gesehen, auch nicht "state of the art" seiner Zeit: Es gab seit Jahren 70 mm Film, es gab 6-Kanal-Dolby-Magnet-Ton und es gab stabile Stative, bei denen die Berge am Horizont nicht so wackeln - man schaue sich nur mal Doktor Schiwago an! Dennoch zeigt der Film dem Heimkino die Grenzen auf: Auch wenn man ihn wie ich auf einer 4 m Leinwand gesehen hat, muss man zugeben, dass ihm ein großes Kinobild einfach noch einmal deutlich besser steht.
Der "limitierten" Steelbox liegt kein Booklet bei, aber ein Poster von ca. 45 x 58 cm² in schwarz-weißem Hochglanzdruck (siehe hochgeladenes Foto). Der transparente FSK-Aufkleber ließ sich nach etwa 10 s heißem Anblasen mit einem Fön rückstandslos von der Box entfernen. Der Aufkleber, der mit beiden Film-Versionen wirbt, befindet sich auf der Einschweißfolie.
2. INHALT & INTERPRETATIONEN
Der 1968 vorgestellte 3-Stunden-Monumentalfilm war in Deutschland besonders erfolgreich - vielleicht wegen des im Original überhaupt nicht vorkommenden Satzes "Spiel mir das Lied vom Tod", der bekanntlich ja auch zum deutschen Titel von "C'era una volta il West" avancierte - ganz sicher aber wegen der charakteristischen Music Ennio Morricones.
Der international Titel: "Once Upon a Time in the West" deutet an, dass man die Handlung als ein Märchen - besser vielleicht: eine Legende - verstehen kann. Der Film spielt in einer Zeit des Umbruchs, in der die Ära der raubeinigen Individuen, die einst den amerikanischen Westen erobert und besiedelt haben, von der Ära des Kapitals abgelöst wird.
IM FOLGENDEN WERDEN DIE DER HANDLUNG UNTERLIEGENDEN MOTIVE DARGESTELLT
Der Witwer Brett McBain (Frank Wolff, 40) hofft aus gutem Grund, dass sich für ihn und seine Kinder der amerikanischen Traum erfüllen könnte. Er konnte sich ein Landstück in einer Wüste sichern, auf welchem weit und breit die einzige Wasserquelle sprudelte. Zwar schützte er vor, eine Farm errichten zu wollen; tatsächlich aber hatte er erkannt, dass die Bahnlinie zum Pazifik zwangsläufig durch diese Wüste laufen musste - und damals fuhren die Loks bekanntlich mit Wasser.
Mit der Hoffnung auf Reichtums hatte McBain auch gleich die attraktivste Frau gewonnen, die in den Saloons von New Orleans zu finden war: Jill McBain (Claudia Cardinale, 30) sollte nachkommen, sobald McBain und seine Kinder die nötigsten Vorbereitungen getroffen hätten.
Doch das Kapital sucht den billigsten Weg. Der an Knochentuberkulose schwer erkrankte Bahn-Baron Mr. Morton (Gabriele Ferzetti, 43) hofft, noch zu erleben, wie die Gleise am Pazifik ankommen - was ihn dabei aufhält, wird mit Gewalt beseitigt. Der kaltblütige Frank (Henry Fonda, 63) erledigt die Drecksarbeit. Doch das Gemetzel an McBain und seinem Anhang löst das Problem nicht - nun gehört das begehrte Wassergrundstück mit dem poetischen Namen "Sweetwater" Jill McBain, der junge Witwe.
Mit Frank vollenden zwei weitere gefährliche Kämpfer das Dreieck der Gewalt: Cheyenne will es denjenigen heimzahlen, die versuchen, das Gemetzel an McBain seiner Bande anzuhängen. Und "Harmonica" (Charles Bronson, 47) ist auf der Suche nach dem Mann, der seinen Bruder gehängt hatte.
Im Mittelpunkt der Kräfte steht die starke und schöne Jill zwischen Frank, Cheyenne und Harmonica. Dabei beschränkt sich das Interesse der Revolverhelden keineswegs auf Jill McBains Grundstück. Sie hingegen begreift, welche Vision sich für ihren verstorbenen Mann in "Sweetwater" verborgen hatte.
ENDE DER ANGABEN ZUM INHALT
Die philosophische Botschaft des Films ist die Ablösung der Ära individueller, personenbezogener Handlungen durch kapitalgesteuerte Mächte, in welchen der Einzelne bedeutungslos und austauschbar wird. Es spielt keine Rolle, ob Morton oder ein Nachfolger agiert, die Gleise erreichen so oder so den Pazifik. Ebenso ist nicht von Bedeutung, ob McBain oder seine Erbin den begehrten Grund in der Wüste besitzt. Insofern markiert "Spiel mir das Lied vom Tod" bildhaft und mahnend einen Wendepunkt in der Geschichte der Zivilisation. Gleichzeitig steht die Figur Jills aber auch für ein frühes Beispiel gelebter Emanzipation.
Doch der Film transportiert selbstverständlich nicht nur diese Hintergrund-Ebenen. Eine Menge Leute kamen aus dem Kino, fanden es toll und hatten keine Idee, worum es überhaupt gegangen ist. Doch je häufiger man den Film sieht, desto mehr entdeckt man - "Spiel mir das Lied vom Tod" ist einer dieser Filme, die einfach mit jedem Anschauen immer besser werden.
Nicht nur Cineasten dürften sich für die vielen liebe- und humorvollen Referenzen an große Western von "High Noon" bis "Johnny Guitar" interessieren.
In vielen stilistischen Details zeigt sich die Perfektion des Teams, beispielsweise in den raffinierten, mit Soundeffekten wie beispielsweise einem Schuss verbundenen Schnitten, welche den Zuschauer irritierend einen Moment im Unklaren lassen, ob der Ton zur abgelaufenen oder zur folgenden Szene gehört.
Auch an Symbolik mangelt es nicht.
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