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Limited Inc
 
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Limited Inc [Gebundene Ausgabe]

Jacques Derrida , Dagmar Travner , Peter Engelmann , Werner Rappl
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Jacques Derrida
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Limited Inc. führt die Geschichte einer langen Debatte vor Augen. Derridas Text Signatur, Ereignis, Kontext stieß auf heftige Kritik seitens des amerikanischen Linguisten John Searle. Mit Limited Inc. antwortet Jacques Derrida darauf. Diese Auseinandersetzung war sowohl im philosophischen als auch im literaturwissenschaftlichen Umfeld von großer internationaler Bedeutung. Es geht in dieser Debatte um Fragen der Interpretation und der Tradition der Sprechakttheorie, um die Mißverständnisse zwischen dem sogenannten kontinentalen und anglo-sächsischen Denken, um die „Rezeption“ von „Dekonstruktion“ in den USA, um die Beziehungen zwischen Geschriebenem und Gesprochenem, die Unterscheidung von fiktiver und nicht-fiktiver Sprache und um die Unbestimmtheit (Unbestimmbarkeit) in der Textinterpretation. Limited Inc. wurde erstmals bereits 1993 angekündigt, aber erst jetzt, nach einem Übersetzerwechsel, ist dieses für das Verständnis der Philosophie Derridas so wichtige Buch auch auf deutsch erschienen.

Über den Autor

Jacques Derrida (1930-2004) lehrte Philosophie in Paris und den USA.

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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von noolog
Format:Gebundene Ausgabe
Limited Inc. ist Zeuge und Beteiligter einer Debatte, die beim Lesen fast schon fiktiv erscheint - so lehrreich und spannend sind ihre Gedanken- und Argumentationsfolgen. Derrida selbst hat sie als „improbable" bezeichnet - tatsächlich geschieht auch etwas Unwahrscheinliches: Der amerikanische Sprachphilosoph John R. Searle und der französische Denker Jacques Derrida gerieten über eine spürbare Abneigung gegenüber den Theoriebildungen des jeweils anderen hinaus in eine Debatte über Sprache, Texte und Verstehen, deren Diskursivität beide Seiten zu Präzisierungen und Klarstellungen zwang, die man in ihren sonstigen Texten oft vermisst. Einsam verfasste Texte haben ihre Eitelkeiten, in dieser Debatte dagegen müssen sich beide verständlich machen, ihre Begriffe definieren und sich rechtfertigen. Folgt man den Linien und Sprüngen der Argumentation aufmerksam, zeichnet sich nicht nur ein Bild des Zustandes der wohl wesentlichsten Denkansätze (kontinentaleuropäisch-französisch vs. anglo-amerikanisch) unserer Zeit zu Sprache und Bedeutung im Allgemeinen, sondern auch ein spannendes psychologisches Diagramm von Denken, Argumentieren und Rechtfertigen auf hohem Niveau.

Worum geht es? Derrida und Searle geht es um die gleichen Fragen: Wie verstehen wir die Bedeutung eines Satzes? In welchem Zusammenhang stehen Sprecherintention und Bedeutung? Das heisst auch - und hier gehen die Annahmen weit auseinander: Der Sprecher codiert eine Aussage, die der Hörende decodiert - Was bedeuten diese Codierungen für die Stabilität der Bedeutungen? Liegt in der Wiederholbarkeit der Zeichen eine Garantie für ihre Identität oder vielmehr der Grund für das permanente Flottieren der Bedeutungen? Welche Auswirkungen hat der Kontext auf diese Probleme? Letztlich drehen sich daher viele Fragen um die Spannungen zwischen vereinzeltem, immer konkretem Ich (Aussagender) und dem überindividuellem Code Sprache, in dem allein sich der Aussagende dabei artikuliert. Die Debatte selbst und die offensichtlichen Probleme die Searle als Eminenz der Analytischen Philosophie mit der Sprache Derridas hat, aber auch die Bedenken, die Derrida gegenüber den Formalia der Texte Searles äussert (und sich über viele Seiten dahinziehen), zeigen wie wesentlich die diskutierten Fragen sind. Dabei treten in ihrem Diskurs aber auch Menschen hervor, die streiten, die sich selbst erst einmal im Recht wähnen und auf Kritik polemisch reagieren.

Um die Katze aus dem Sack zu lassen: Es ist ein Buch von Jacques Derrida, und auch wenn manche Einwände Searles zusammenfassend eingefügt wurden und das Buch durch ein kritisches Interview mit Derrida abgerundet wird - Searle kommt nicht gut weg. Derrida beweist viel Humor in seinem Befremden gegenüber diesem amerikanischen Denker und der Art, wie dieser ihn zusammenfasst. Hier schaut der Derrida-Freund diesem über die Schulter.

Eingeleitet wird der Band durch den grundlegenden Text "Signatur Kontext Ereignis" in einer Neuübersetzung, mit dem die Debatte ihren Ausgang nahm, und der mit der Auseinandersetzung der Sprechakttheorie Austins in ein paar sprachphilosophische Annahmen Derridas gut einleitet. Im Anschluss daran ist die Zusammenfassung einer Reaktion (und Kritik) Searles an diesen Thesen abgedruckt, der Zeit seines Lebens die Sprechakttheorie seines Lehrers Austin überarbeitet hat; danach folgt der eigentliche Schwerpunkt des Buches, "Limited Inc. a b c . . .", in dem Derrida mit Rücksicht auf Einwände Searles mit zunehmender Schärfe in der Zurückweisung der Searle'schen Kritik die Konturen seiner Annahmen zeichnet. Im Nachwort findet sich das erwähnte - immerhin 70 Seiten lange - brieflich geführte Interview Gerald Graffs mit Jacques Derrida, das erneut problematische Stellen aus der Debatte aufgreift.

Wer sich für (letztlich sehr praktische) Fragen zur Hermeneutik und Sprachtheorie nach Saussure, Gadamer und Sartre (Idiot der Familie) interessiert, und auch den Stil Derridas kennt und an ihm nicht verzweifelt, wird hier erstaunlich klare Darstellungen und Argumente für die parasitären und disseminativen Einwände Derridas gegen die Stabilität der Bedeutungen, die Gleichheit des Zeichens in der Iteration, die Reinheit und Eindeutigkeit von Aussagen finden. Für einen erstmaligen Kontakt mit Derrida oder den verhandelten Themen ist das Buch wohl weniger geeignet. Für einen sehr guten (allerdings auch Derrida-freundlichen) Überblick über die Argumente und die Entwicklung der Debatte fand ich das entsprechende Kapitel in Manfred Franks "Das Sagbare und das Unsagbare" sehr brauchbar.

Noch ein paar Bemerkungen zur Ausgabe: Das Buch ist knallrot gebunden, die Übersetzungen sind uptodate und zweifelhafte Stellen werden durch Einfügung der französischen Begriffe ergänzt, englischsprachige Abschnitte sind jeweils mit Übersetzungen versehen. Allerdings lässt sich nerviges Blättern wieder einmal nicht vermeiden: die Anmerkungen finden sich am Ende des Buches.

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Den Autor vom Podest holen! 1. November 2011
Von Fleischer, Christoph TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Das eine ist, dass es sich bei Derrida um einen Philosophen handelt, der also in diesem Fall Gedanken aus der Disziplin der Sprachwissenschaft (Linguistik nach De Saussure, 1859-1913, Genf) für die Philosophie fruchtbar macht, sie damit aber auch verändert und in den Diskurs der Philosophie verschiebt. Zusätzlich werden gerade in dieser romanischen Sprachwelt erstaunlicherweise die Arbeiten Friedrich Nietzsches und Martin Heideggers neu entdeckt. Grundlegend ist die Phänomenologie Edmund Husserls, von der sich Jacques Derrida zum Teil distanziert, im Gegensatz zum Werk Emanuel Levinas', der sich als Husserl-Schüler versteht. Levinas und Derrida teilen den gemeinsamen biografischen Bezug zur jüdischen Religion, und der Begriff des "Anderen", der für Levinas grundlegend war, scheint bei Derrida im Begriff der "différance" aufzutauchen. In diesem Zusammenhang weist Derrida direkt oder implizit auf das Verborgene, Unausgesprochene, Unbewusste hin, dass in einem Text immer mitschwingt.
Das andere, was m. E. zu beachten ist, ist die Tatsache, dass durch Derrida -mehr als durch Husserl- der Diskurs der Philosophie selbst in seinen Grundfunktionen verschoben wird. Der philosophische Diskurs allgemein handelt ja von und mit Begriffen, soweit dürfte, so denke ich Derrida noch zugestimmt haben. Die Grundfunktion des Umgangs mit Begriffen aus der Metaphysik (das ist die "Erste Philosophie", also eine Art Fundamentalwissenschaft nach Aristoteles) ist die Definition. Eine Definition ordnet den Umgang mit einem Begriff, stellt einen Kontext her und beschreibt dessen Funktion. Eine Definition arbeitet(e) allgemein mit den Grundprinzipien der Hierarchie und der Unterscheidung, die sich ergänzen. Das Gedankengebäude der traditionellen Philosophie ist als eine Hierarchie gedacht, aus deren Prioritäten zugleich Aus- und Abgrenzungen folgen. Diese Art von Grundfunktionen der Definition steht Derrida nicht zur Verfügung. Er zeigt in seinem Buch Limited Inc. in der Auseinandersetzung mit dem Sprechakttheoretiker John R. Searle, dass die daraus entstehenden Unterscheidungen zwischen wahr und falsch, innen und außen, gut und böse usw. entweder nicht funktionieren, oder was noch schlimmer ist, anderweitig und eventuell nicht sachgerecht funktionalisiert werden können. Von diesen philosophischen Grundüberlegungen her scheint es mir sinnvoll, von der Frage auszugehen: Was hat bei Derrida die Rolle der Definition übernommen? Und auf diesem Weg erscheint mir die Hypothese konsequent: Der Begriff "Dekonstruktion" ersetzt die traditionelle Funktion der Definition. Und damit wäre auch die allgemeine Schwierigkeit der Aufgabe erklärt, Dekonstruktion zu definieren, da dieses Verfahren der Methode der Definition selbst entgegen läuft. Man beachte auch eine Parallelität in der Begriffsbildung von "De-Finition" und "De-Konstruktion", die eine Entgegensetzung nahe legt und eine Unterscheidung ermöglicht.

In Limited Inc. ist diese Erkenntnis aber etwas schwierig herauszuarbeiten, weil Derrida sich mit der Sprachakttheorie befasst und sich somit in der Sprachwelt der Linguistik befindet, um andererseits immer wieder Brücken zur Philosophie und zu seinem Denken zu bauen. Ich meine aber beobachtet zu haben, dass sich das Thema durch die Entgegnung Searles auf Derridas Aufsatz "Signatur Ereignis Kontext" zur Frage des "Autors" bzw. der "Intentionalität" verschoben hat, da es die Grundaussage Searles zu sein scheint, die Intentionalität in der Sprache an die erste Stelle zu setzen und alle Sprachvollzüge demgegenüber abzuwerten oder zu unterschieden, die nicht zu dieser Definition passen. Folglich wird im Vollzug dieses Ansatzes von Searle der Grundgedanke der Definition vorausgesetzt, und zwar in Beantwortung der Frage, was an die erste Stelle gehört und was davon wie unterschieden werden muss, wovon sich Derrida deutlich abgrenzt.
Der Gegenbegriff zur Intentionalität ist bei Derrida bewusst die Iterabilität, die Wiederholbarkeit. Damit ist auch der Begriff des Autors aufgenommen, wird aber zum Teil relativiert. Ein Autor ist bei Derrida zumindest als Person nicht so wichtig, da er selbst mit unterschiedlichen Stimmen spricht und sehr oft einfach auch nur zitiert und iteriert.
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3 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Anmerkung 3. November 2001
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Nur eine Anmerkung:

Herr Prof. Derrida ist nicht Professor an der Ecole Normale Supérieure, sondern war Directeur d'études an der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales und ist mittlerweile emeritiert!

(Markus Kratz)

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