Ich kann die kontroverse Diskussion um dieses Album sehr gut nachvollziehen: Wie auch bei "Von dieser Welt" dringt die textliche und klangliche Verwandschaft zu den vorausgegangenen Produktionen aus jeder Pore, und wer gerne einmal wieder überrascht werden würde, wer erhofft, daß Hoffmann sich für seine treuen Fans mal "etwas Neues" einfallen lässt, wird hier keine Befriedigung finden. Vielleicht hat Klaus Hoffmann hier tatsächlich den Endpunkt -und meines Erachtens den Höhepunkt- seiner lyrisch-orchestralen Phase erreicht: Noch feiner, noch sensibler, noch stiller geht es wohl nicht mehr; mit einer beeindruckenden Konsequenz und Entspanntheit hat er hier selbst mein Lieblingsalbum "Melancholia" an Stimmigkeit und Geschlossenheit übertroffen, auf eine (alibihafte) Auflockerung durch flottere, humorbetontere Titel (die ich aufgrund ihrer statischen Verhaftung am lateinamerikanischen Idiom bei früheren Alben meist weitergezappt hatte) wird hier fast vollständig verzichtet: Hoffmann kommt hier ganz mit leisen Gesten aus - und erreicht dabei Tiefen, die ich ihm (nach "Von dieser Welt") nicht mehr zugetraut hätte. Zunächst das Gefühl von Vertrautheit: Klänge, Worte, Bilder, die man schonmal gehört zu haben scheint, die einen aber doch neugierig machen durch individuelle Nuancen, unerwartete harmonische Wendungen, Melodien, die ganz einfach sind, und gerade dadurch dem eigenen Empfinden nicht besser abgehorcht werden könnten... Und obwohl ich ständig neue und interessante Musik kennenlerne/ höre/ kaufe, hat Er es mal wieder im besonderen Maße geschafft, mich zu berühren - und mich dazu zu verführen, immer weiter und immer wieder zu hören, bis auch diesem Album gegenüber das besondere Gefühl von Verbundenheit entstanden ist, das ich aus der Beziehung zu früheren Hoffmann-Alben kenne: Wenn man sich auf die Ruhe von "spirit" einzulassen vermag, kann man im Detail beglückende Erfahrungen machen.- Aber: ich glaube nicht, daß es in diser Richtung noch weiteren Spielraum gibt: Vielleicht sollte Hoffmann danach tatsächlich einen neuen Weg einschlagen, eine Überraschung wagen, wie Herr van Veen, der zwischen mehreren klavierbetonten Alben mit einem Zigeunerjazztrio produzierte oder Herr Wecker, der nach afrikanischer Heiterkeit suchte. Experimente müssen ja nicht immer gelingen, aber sie hindern die Fans zumindest am Einschlafen...