Erinnern Sie sich noch an den Sommer 2009? Da war Deutschland im Abwrack-Wahn. Wer sein altes, mindestens neun Jahre altes Auto verschrottete, kassierte vom Staat beim Kauf eines Neu- oder Jahreswagens 2.500 Euro. Dieses Angebot nahmen viele Menschen wahr - selbst wenn der alte Wagen noch einwandfrei funktionierte. Und so mancher Wagen, für den der Besitzer bei einem Verkauf weitaus mehr als jene 2.500 Euro bekommen hätte, wanderte in die Schrottpresse. Was war da los in den Oberstübchen der Deutschen?
Die Hirnforschung antwortet: Die Abwrackprämie funktionierte wie ein Rabattversprechen, das Belohnungssystem im Gehirn wurde aktiviert. Bei vielen Menschen fiel dann die Entscheidung, tatsächlich einen Neuwagen kaufen - zu müssen.
Das ist ein Beispiel für die Bedeutung, die die Hirnforschung für das Marketing und den Bereich Verkauf/Vertrieb hat. Eine Bedeutung, die sich auch in Büchern niederschlägt, die Titel wie "Brain View" oder "Think Limbic" haben. In Helmut Seßlers Buch "Limbic Sales" geht es um die Bedeutung der Emotionen für den Verkaufserfolg.
Ich kenne den Autor und seine Arbeit und bin der Ausgangsthese seines Buches früh begegnet: Jeder Mensch tickt anders, und damit auch jeder Kunde. Wer das Emotions- und Wahrnehmungssystem des Geschäftspartners einschätzen kann, schwingt sich mit ihm auf einer Wellenlänge ein. Und kann ihm den Nutzen und die Vorteile seiner Produkte und Dienstleistungen "mundgerecht" darbieten.
Helmut Seßler argumentiert in seinem Buch auf der Höhe der Hirnforschung. Seine Beispiele - wie sie das Verkäufer- und Kundenleben jeden Tag schreibt - belegen, was der Hirnscanner bildhaft darstellt: Der Mensch entscheidet nicht rational, sondern emotional. Es gilt, sich vom Rationalitätsmythos zu verabschieden. Die Emotionen spielen in dem Theaterstück der menschlichen Kaufentscheidungen die Oscar-verdächtige Hauptrolle. Wichtige Nebenrollen übernehmen die Werte und Motive.
Schritt für Schritt zeigt Seßler, wie Spitzenverkäufe durch die konsequente Emotionalisierung des Einkaufsprozesses möglich sind. Seine Übungen erleichtern den Transfer in die tägliche Verkaufsarbeit. Im Mittelpunkt: die verschiedenen Gesprächsphasen vom vertrauensvollen Beziehungsaufbau bis zum Abschluss.
Der Leser erfährt während der Lektüre, wie er seine Kunden besser einschätzt und ein individuelles emotionales Limbic-Persönlichkeitsprofil entwirft. Und er lernt sich selbst besser kennen. Und das ist auch notwendig: Immerhin sind am Einkaufsprozess mindestens zwei emotionale Wesen beteiligt.
Mein Fazit: Den allein selig machenden Buy-Button findet auch dieses Buch nicht. Aber: Limbic Sales revolutioniert traditionelles Verkaufen, weil der Autor die Bedeutung der Emotionen für den Verkaufserfolg in praktische und umsetzbare Tipps für den besseren Zugang zum Kunden transformiert.