Obwohl ich mir persönlich einen anderen Ausgang des dreiteiligen Dramas um Prinz Arin und Fürst Valthior gewünscht hätte, bin ich nicht der Ansicht, dass der Schluss allein deshalb einen Punktabzug erfahren soll.
Bei einer Bewertung geht es nicht vorrangig um subjektive Vorlieben - obwohl diese natürlich immer Einfluss haben, sondern um eine möglichst objektive Beurteilung. Eingedenk dessen gibt es an dem von der deutschen Manka und ihrer Mitautorin gewählten Ende absolut nichts auszusetzten. Es passt zum Stil des Mangas, ist in sich stimmig und führt dazu, dass sich letztlich der Kreis der Ereignisse schliesst. Mehr kann und darf man von einem Schluss nicht erwarten - so sehr man sich selbst auch etwas anderes erhofft.
Die Spannungskurve steigt im letzten Band noch einmal ordentlich an, und zeichnerisch steigert Martina Peters sich nochmals gegenüber den Vorbänden, was sich insbesondere bei der Panelaufteilung und den Perspektiven positiv bemerkbar macht. Mir hat bereits das Artwork im ersten Band gefallen, doch war es anfangs noch arg statisch und ließ einen gewissen kreativen Schwung missen, so als hätte die Mangaka sich erst langsam an ihr Potenzial herangezeichnet. Bei einem professionellen Manga ist es verständlich, dass ein Zeichner eine gewisse Scheu davor hat, zeichnerisch aus sich herauszugehen, denn Kreativität birgt halt immer auch das Risiko, dass eine Zeichnung misslingt, etwas, das man angesichts von Abgabeterminen eher zu vermeiden versucht.
Doch von Band zu Band ist die Mangaka mit wachsender Sicherheit erkennbar risikofreudiger geworden und beschert uns damit ein überaus gelungenes Artwork. Positiv anzumerken ist hier zudem der sehr individuelle Zeichenstil. Nicht jeder wird die wenig shojomäßige, kräftige und teilweise eher kantige Strichführung mögen, aber mir gefällt das klare Artwork, bei dem Männer nicht wie kleine Mädchen aussehen, außerdem mag ich es, wenn eine Mangaka einen eigenen, unverwechselbaren Stil hat, anstatt einfach nur austauschbar gefällig zu sein.
In Sachen Yaoi hält der letzte Band den ziemlich Ball flach, was in Anbetracht des Storyverlaufs, der sich bereits im Vorband abzeichnete, allerdings zu erwarten war. Umso erfreulicher fand ich den Fanservice in Form einer kleinen Rückblende, der ganz offensichtlich eingebaut wurde, damit die geneigte Leserin wenigstens ein bisl was zum Gucken hat, auch wenn die Szenen wie gehabt eher dezent waren.
Wer nicht hartnäckig darauf besteht, dass ein Manga aus Japan kommen muss, offen für Neues ist, und sich gern einmal auf etwas anderes in Sachen Story und Artwork einlässt, dem kann ich die dreibändige Serie Lilientod wärmstens empfehlen.