Die Lieblingsblumen meiner Freundin, waren Lilien. Ich hätte ihr diese teils aufregende teils aufwühlende, teils heitere teils traurige Lektüre empfohlen, besser gesagt ich hätte es ihr gegeben mit den Worten: Das wirst Du sicher gerne lesen. Leider ist sie vor einer Weile verstorben. Also widme ich ihr diese Bewertung und schreibe in Gedanken an Gabi diese Zeilen.
Die Geschichte handelt von Undine. 37 Jahre alt. Sie arbeitet als Dramaturgin in einem kleinen Theater. Nach etlichen verkorksten Beziehungen und einem kleinen Unfall, der eine Art Wende in ihrem Leben bedeutete, fängt sie an e-Mails an Robbie Williams zu schreiben. Als sie nämlich merkt, dass sie ziemlich alleine ist in ihrem Leben - niemand da, den es überhaupt interessieren würde, wenn es sie nicht mehr gäbe-, wendet sie sich an eine erfundene E-Mail-Adresse von der sie auch keine Antworten erwartet. Nicht, dass sie ein waschechter Fan des Pop-Stars wäre, doch seit diesem Swing-Konzert in der Royal Albert Hall, begann ihre Faszination für den undurchschaubaren Star - mit den traurigen Augen. Sie schreibt also in einer Art Tagebuch von den Höhen und Tiefen ihres Alltags und analysiert und verarbeitet somit für sich, in diesen Mails ihre gescheiterten Beziehungen.
Eigentlich ist die Handlung im ersten Drittel nicht wirklich spannend, doch die Sache mit ihren semi-professionellen psychologischen Analysen - die hat was. Erlebnisse, die viele von uns hatten, mit denen man sich als Leserin, oft schmunzelnd, identifizieren kann.
Irgendwann lernt Undine dann diesen Christian kennen. Ein interessanter, feinfühliger Mann. In den vielen Gesprächen lernen sie sich als Art Seelenverwandte, mit vielen gemeinsamen Interessen, kennen und verlieben sich. Das ist der wirklich spannende Teil des Buches. Da kribbelt's im Bauch. Ich kann Dir sagen! Da legst Du das Buch nicht mehr aus der Hand... und dann... gibt's auch sehr bald schon wieder eine Wende die mich beim Lesen traf wie ein Schlag in den Magen. - Haach, große Gefühlsachterbahn mit einigen klugen Analysen und wenn man ein wenig belesen(er) ist, sind eine Menge Anspielungen auf literarische Figuren enthalten, die zum Schmunzeln verleiten.
Dennoch muss man anmerken, dass es sich um keinen E-Mail Dialog handelt, auch wenn eines Tages eine Antwort von dem zunächst virtuellen Adressaten in ihrem Mail-Postfach landet. Daraufhin überschlagen sich die Ereignisse und Undines Leben nimmt eine neue Wende. Zumindest für eine Weile, weil dann - soviel darf ich Dir verraten - wird's gegen Ende sehr abstrakt.
Ich hätte gerne gewusst, wie Du das Ende und Undines Erzählung auffasst. Mich selber hat der Kunstgriff eher verwirrt und etwas ratlos zurückgelassen, muss ich gestehen. Aber so ist das im Leben. Lilien blühen leider auch nicht ewig, und dass das Leben manchmal böse Überraschungen für uns bereit hält, das weiß keiner besser als Du. Du hättest das Buch mit einem lachenden und einem weinenden Auge gelesen. Ich bin mir sicher. Vielleicht hast Du mir ja ohnehin über die Schulter geschaut, als ich im Garten auf der Liege lag und die Sonne und dieses Buch genossen habe... Vielleicht hättest Du das Buch in der Buchhandlung auch ohne mein Zutun gekauft, weil Dir der Umschlag mit den Lilien auch so gut gefallen hätte, wie mir.
Perhaps, perhaps, perhaps...
In Erinnerung an alle Lieben, die zu früh von uns gegangen sind.
PS. Man kann ein Buch auch nachträglich noch unerträglich finden.
Danke für Ihre Bemühungen mir das Lesen auch im Nachhinein noch so richtig vergällt zu haben, Frau "Velden" + (virtueller) Fanclub.
Ich rate jedem ab, dieses Buch zu lesen. Ich habe meine Gründe dafür und kann sie vor meinem Gewissen verterten - ohne einen Funken schlechtes Gewisen.
Wo ich die neuesten Intrigen bei Ian MacEwans SOLAR gelesen habe, ging mir in mehrfacher Hinsicht ein Licht auf. Ich hätte ja wetten sollen, dass der im Buch nicht genannte Autor, der immer so nervig mit _____ (Unterstrichen) angedeutet wurde, IanMacEwan sein sollte. - Nun ist es klar.