Bisher kannte man von der Historikerin Carolly Erickson nur Biografien und Sachbücher über die Zeit der Renaissance in England, Frankreich oder Österreich. Nun hat sie mit der Lilie von Versailles" ihren ersten historischen Roman veröffentlicht. Er handelt von dem Tagebuch der französischen Königin Marie Antoinette und erzählt deren Leben in Ich-Form. Nicht alle Begebenheiten sind belegt, sondern durch fiktive Personen sogar verändert. Darauf wird auch im Nachwort hingewiesen.
1769 durfte die 13-jährige Maria Antonia noch unbeschwerte Tage in Österreich am kaiserlichen Hof ihrer Mutter Maria Theresia verleben. Mit 15 Jahren heiratet sie den späteren König Louis XVI. Es ist ein politisches Arrangement. Vier Jahre später ist Marie Antoinette Königin von Frankreich. Sie liebt schöne Kleider und Prunk. Wohl auch um ihre Einsamkeit zu verdrängen, gibt sie rauschende Feste und veranlasst Renovierungen in den Gemächern. Zudem vertreibt sie sich die Zeit mit anderen Männern. In diesem Roman spielt dabei Axel Fersen, Diplomat und Graf aus Schweden, eine wichtige Rolle. Als die Revolution ausbricht, unternimmt er mit ihr einen Fluchtversuch, der aber scheitert. Bekanntlich endet das Leben der Königin tragisch am 16. Oktober 1793.
Marie Antoinette wird in diesem Roman sehr positiv, fürsorglich, aber auch naiv dargestellt. Die Königin bekommt menschliche Züge mit all ihren Sorgen um ihre Kinder, Ehemann und Bediensteten. Zum Teil liegt das sicher auch daran, dass die in anderen Biografien als unglücklich beschriebene Ehe hier nur undeutlich geschildert wird. Das Königspaar scheint eher voneinander gelangweilt zu sein. Dennoch geben sie sich immer wieder Halt. Da der Roman von vornherein als fiktiver, historischer Roman angekündigt wird, sollen diese Veränderungen aber nicht weiter stören. Der Schreibstil ist flüssig und bietet denen gute Unterhaltung, die einfach in eine nette Erzählung vom französischen Hof im 18. Jahrhundert eintauchen wollen.