Ich hatte "Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten" gelesen und begann erwartungsvoll mit "Lila". Leider empfand ich dieses Buch jedoch als einen solchen Absturz, dass ich nicht über Seite 72 hinausgekommen bin.
Es mag teilweise daran liegen, dass "Lila" in der Vergangenheitsform gehalten ist. Aber ich fürchte, es liegt hauptsächlich daran, dass diese Geschichte ganz einfach schlecht geschrieben ist, nämlich trocken, hölzern und über die Maßen langweilig.
Mein persönlicher Knackpunkt war darüber hinaus auch noch, dass Pirsig zwei seiner Figuren Rigel und Capella nennt. Dies sind Sternnamen. Rigel ist ein Stern im Sternbild Orion, Capella im Sternbild Auriga (Fuhrmann). Für den Autor oder für andere Leser mag das kein Problem sein, aber ich kann eine Geschichte nicht ernst nehmen, in der Leute vorkommen, die Richard Rigel und Bill Capella heißen. Ich fragte mich beim Lesen dauernd, wer wohl noch kommt: Stephen Sirius? Rosemary Wega? Rebecca Beteigeuze?
Der Inhalt bis Seite 72:
Phaidros ist mit dem Segelboot auf den nordamerikanischen Gewässern unterwegs. Zu Beginn des Buches erwacht er neben Lila, die schlafend bei ihm in der Koje liegt. Im Rückblick erfahren wir, dass er sich von früher an sie erinnert (sie sich aber offenbar nicht an ihn). Am Vorabend hat er sie in der Hafenkneipe getroffen, in die er mit den Herren Rigel und Capella gegangen war. Unter dem Einfluss mehrerer Biere sind sie sich näher gekommen, und am Ende hat Lila Phaidros auf sein Boot begleitet und auch gleich ihren Koffer mitgebracht. Nun liegt sie also in der Koje und schläft, und währenddessen führt Phaidros uns seinen größten Schatz vor: eine Zettelsammlung mit vielen tausend Zetteln zum Thema Anthropologie. Es geht um die These, dass die amerikanische Kultur, bis hinein in die Verfassung, auf den Werten der Indianer fußt.
Und während Lila in der Koje immer noch schläft und schläft und schläft, liest uns Phaidros einen Zettel aus seiner Sammlung vor. Und noch einen. Und noch einen. Und noch einen. Und während ich mich fragte, wann Lila endlich aufwacht, muss ich wohl selbst eingeschlafen sein.
Fazit:
Leider ist dieses Buch so langweilig geschrieben, dass ich mich trotz anfänglichen guten Willens nicht imstande sah, den möglicherweise interessanten Ideen des Autors bis zum Ende zu folgen. Pirsig hat ganz sicher seine Qualitäten, aber ich fürchte, als Romanschriftsteller ist er keine Koryphäe. Mehr als zwei Sterne (nennen wir sie doch Rigel und Capella) gebe ich dem Buch nicht.