Mit Lightroom-3-Praxis ist Marc Altmann ein Lehrbuch gelungen, das durchaus als Referenz für zukünftige Lehrwerke über Lightroom gelten darf. Altmann schafft es mühelos, annähernd jedes Detail dieser großartigen Software verständlich zu beschreiben, zu erklären und, das Wichtigste, in nachvollziehbare Arbeitsschritte einzubinden.
Der Autor tastet sich dabei methodisch gut durch Lightroom vorwärts, von der Benutzeroberfläche über die einzelnen Module bis zum Export in externe Programm. Ein (relativ kurzes) Kapitel über die Sicherung von Bildern und die Archivierung rundet das Buch ab.
Während sich andere Werke oft in der Beschreibung der Funktionen verlieren und den Praxisbezug vergessen, fügt Altmann an jeder wichtigen Stelle Kapitel ein, die den Bezug zur eigenen Arbeitsweise herstellen - allein die Bibliothek, der Dreh- und Angelpunkt der Bildverwaltung, wird um ausführliche, aber nicht ausschweifende Erklärungen zu zentralen und immer wieder nachgefragten Themen ergänzt:
+ Was sind Kataloge, Ordner, Sammlungen? Was verwende ich wofür?
+ Wie war das gleich wieder mit dem Import (Habe ich dann die Bilder doppelt auf der Platte)?
+ Warum soll ich keine Ordner im Explorer mehr brauchen? Wie finde ich dann meine Bilder wieder?
Die Stärke, mit der Altmann die Praxis hier einfließen lässt, verliert er leider in den folgenden Kapiteln zum Entwickeln-Modul etwas. Das kann durchaus systembedingt sein: Lightroom ist in Version 3 auf diesem Gebiet sehr mächtig geworden, und den Spagat zwischen umfassender Beschreibung und verständlicher, praxisbezogener Erklärung zu schaffen, gelingt auch ihm nicht ganz - und das ist auch die einzige Schwäche eines solchen Buches: für manche Funktionen braucht man jemanden, der einem die Wirkung der Tonwertregler, der Gradiationskurve, des Korrekturpinsels etc. an passenden Fotos zeigt und die Wirkung von Radius und Detailregler beim Schärfen nochmal in anderen Worten erklären kann, wenn die des Buches nicht verständlich genug sind.
Bei einem Praxiseinsatz im Rahmen eines Kurses, den ich im Januar gehalten habe, hat sich das Buch bewährt:
Als kursbegleitende Lektüre ist es hervorragend, es vertieft die angesprochenen Themen und klärt Fragen, die meistens aus Zeitgründen nur oberflächlich behandelt werden können. Und für Fortgeschrittene enthält es zusätzliche Informationen, z.B. zum Erstellen eigener Objektivprofile.
Eine gute Idee war es, die Tastaturkürzel von Lightroom, die für die gerade beschriebenen Funktionen hilfreich sind, am Ende der Seite hervorgehoben anzugeben. Eine Zusammenfassung als Beilage wäre das "Zuckerl"; im Kurs war das Sammeln und Niederschreiben der Kürzel fast schon Sport.
Fazit:
Der Anfänger, der sich in ein komplett neues Programm einarbeiten will, benötigt eine gute Selbstdisziplin, um das Buch nutzen zu können. Ich rate zu einem begleitenden Einführungskurs.
Für den Fortgeschrittenen stellt das Buch eine gute Referenz dar - die beste, die ich bis jetzt gefunden habe.