In den 1980er Jahren gehörten DOKKEN in der Besetzung DON DOKKEN (Gesang), GEORGE LYNCH (Gitarre), JEFF PILSON (Bass/Gesang) und MICK BROWN (Schlagzeug/Gesang) zu dem Besten was die so genannte Hair-Metal-Szene (mit anderen Bands wie POSION, RATT und MÖTLEY CRÜE) zu bieten hatte. Wobei diese Zuordnung ein wenig irreführend ist, waren doch DOKKEN immer etwas härter und musikalisch innovativer als die anderen LA-Bands ihrer Zeit. Dazu trugen neben den durchgängig tollen Songs vor allem die superbe Gitarrenarbeit von GEORGE LYNCH und die hervorragenden Satz-Gesänge bei. Aber persönliche Probleme führten dazu, dass sich die Original-Besetzung 1989 ein erstes Mal und nach einer missglückten Reunion Mitte der 90er Jahre endgültig trennte.
Danach brachte Bandgründer und Namensgeber DON DOKKEN zusammen mit Schlagzeuger MICK BROWN mit immer wechselnden Line-Ups drei gute (HELL TO PAY und LONG WAY HOME) bis sehr gute (ERASE THE SLATE) Alben heraus. Dabei entfernten sich DOKKEN aber immer wieder mal von dem Sound, der sie in den 80ern erfolgreich gemacht hatte. Mit ihrem neuesten Werk kehren DOKKEN nun in der anscheinend stabilen Besetzung DON DOKKEN, MICK BROWN sowie den "Neuen": Gitarrist JON LEVIN und Bassist BARRY SPARKS (die schon seit HELL TO PAY dabei sind) zu ihren musikalischen und sound-technischen Wurzeln zurück - und das ist auch gut so.
Schon der Opener STANDING ON THE OUTSIDE bietet eine Reminiszenz an die guten alten Zeiten", klingt er doch ein wenig nach IT'S NOT LOVE von UNDER LOCK AND KEY (von 1985). Das kündigt auch der Albumtitel schon indirekt an, denn für dieses Album damals schrieben DOKKEN bereits ein Stück mit dem Titel LIGHTNING STRIKES AGAIN. Der erste Höreindruck wird auch von den meisten der anderen 12 Stücke des Albums bestätigt. Sie kommen dem DOKKEN-Fan der frühen Jahre auf eine positive Art und Weise vertraut vor, ohne aber wie eine bloße Kopie früherer Glanzzeiten zu wirken.
Zu dem hervorragenden Gesamteindruck trägt vor allem die sehr gute Gitarrenarbeit von JON LEVIN bei. Er kann zwar Gitarren-Gott GEORGE LYNCH nicht vergessen machen. Aber wer könnte das schon? Daran haben sich zuvor schon WINGER-Mann REB BEACH und EUROPE-Saitenhexer JOHN NORUM versucht. Aber es hat den Anschein, dass die Chemie zwischen LEVIN und DOKKEN stimmt. Schließlich entstanden 10 der 13 Stücke in ihrer Co-Produktion. Auch beim Gitarren-Sound haben sich DOKKEN (mal abgesehen vom modern angehauchten Kracher DISEASE) wieder an ihrer Hochphase orientiert. Schon damals hatten DOKKEN den besten Sound aller Bands, was nicht an den finanziellen Mitteln lag (die waren bei anderen Bands größer) sondern an der musikalischen Perfektion der Musiker.
Vom ersten Moment an merkt man LIGHTNING STRIKES AGAIN an, dass sich Band wieder sehr bewusst auf die alten Stärken konzentrieren will. Die Songs sind knackig auf den Punkt, es wird wieder mehr gerockt und dabei das Tempo deutlich angezogen, lediglich die Satz-Gesänge kommen nicht mehr ganz so perfekt wie noch zu früheren Glanzzeiten, damals hatte man mit JEFF PILSON aber auch noch einen Co-Sänger der Extraklasse dabei. Auch sind die Hooklines nicht immer so gut wie früher, aber das sind alles Kleinigkeiten, die nichts an dem hervorragenden Gesamt-Eindruck ändern, den LIGHTNING STRIKES AGAIN hinterlässt. Ein wenig unverständlich bleibt dabei, warum ein Hammer-Song wie SUNSET SUPERSTAR (keine Ähnlichkeit mit dem DIO-Song SUNSET SUPERMAN) nur als Bonus-Stück auf der Limited Edition zu finden ist. Für Fans lohnt sich also im Prinzip nur die LTD.ED. - aber die lohnt sich total - DOKKEN sind BACK FOR THE ATTACK.