Alan Moores («Watchman», «V wie Vendetta», «From Hell») literarische Quintett muss im zweiten, im Original von 2000 bis 2003 erschienenen und nun neu auf Deutsch aufgelegten Abenteuer der titelgebenden «Liga der aussergewöhnlichen Gentlemen» das britische Empire gegen Ausserirdische verteidigen. Nicht dass es schon schlimm genug wäre, sich gegen dreifüssige Marsianer mit Mikrowellenwaffen behaupten zu müssen, auch die Liga selbst wird von einem Verräter unterwandert.
Der Plot, eine Adaption des Science-Fiction-Klassikers «Krieg der Welten» von H. G. Wells (1898), scheint zuerst nicht vielversprechend. Die fiktive Autorschaft hält sich jedoch nur bedingt ans Original und entwickelt die fünf viktorianischen Romanfiguren Allan Quatermain, Käpt'n Nemo, Mina Murray, Dr. Jekyll/ Mr. Hyde und Griffin, den Unsichtbaren, jedoch so, dass die Story interessant und unterhaltsam bleibt. Die «jugendlichen Leser» werden mit mehreren unerwarteten, zum Teil originellen, aber manchmal auch hart an der Grenze des guten Geschmacks liegenden Wendungen überrascht.
Kevin O'Neills («Marshal Law») kantiger Figurenstil und die klar strukturieren Panelraster werden auch im zweiten Band beibehalten. Zwei schöne Bildmontagen zu Beginn der ersten beiden Kapitel deuten an, was den sequenziellen Abenteuerroman auch später so fesselnd macht: Moore und O'Neill schicken den Leser sowohl zeichnerisch als auch dramaturgisch auf Entdeckungsreise und verwöhnen ihn mit vielen kleinen Überraschungen, die zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen.
Hervorzuheben an der Paniniausgabe sind neben der edlen Aufmachung auch die vielen Extras. Hochwertiges Papier, Faltcover, Titelbilder der englischen Originalausgaben, ein über fünfzigseitiger «Almanch für Reiselustige» in Prosa - mit Aufzeichnungen aus Miss Murrays Tagebuch -, Rätselseiten und «züchtige» Bastellbögen machen das Werk neben dem eigentlichen Inhalt lesenswert. (Comic-Check)