Lifted Off The Ground - vom Boden abheben; einen passenderen Titel hätte Chely Wright für dieses Album wahrscheinlich nicht finden können.
Es ist so verdammt ehrlich, bewegend und wundervoll, dass es mir schwer fällt die richtigen Worte zu finden, die meine Gefühle während des Hörens beschreiben.
Ms. Wright hat gemeinsam mit dem Produzenten Rodney Crowell mehr als drei Jahre an diesem Album gearbeitet und heraus gekommen ist mit Sicherheit das persönlichste ihrer bisherigen Karriere. Jeder Song ist selbst geschrieben, jeder Song erzählt einen Teil ihrer eigenen bewegenden Geschichte, jeder Song zaubert mit Worten.
Während einige Tracks sehr country-lastig sind, wie z.B. "That Train" und "Notes To The Coroner", bewegen sich wieder andere im Pop-Bereich, was dem Album eine sehr runde Note gibt.
Man sucht hier wirklich vergeblich nach einem schlechten Song, doch einige haben sich ganz besonders tief in mein Herz geschlichen.
Das Album öffnet mit "Broken", einem wunderschönen Song, der einen sofort in seinen Bann zieht. "So here we are, just you and me, the sum of all our injuries" bringt es so ziemlich auf den Punkt. Denn egal ob es sich um eine neue Freundschaft oder eine neue Beziehung handelt - wir bringen immer die Verletzungen aus den bisherigen Erfahrungen mit und lernen dabei eine Mauer zu bauen, um weitere Verletzungen zu meiden. Aber gerade hinter diese Mauer muss man gelangen bzw. Eintritt gewähren, um sich vollständig aufeinander einlassen zu können.
"Notes to the coroner" ist oberflächlich betrachtet ein up-beat Country-Song. Doch während die Worte auf einen wirken, wird man sich der Verzweiflung bewusst, die in diesem Song steckt. Denn es sind die Gedanken einer Selbstmordgefährdeten, die sich da so nett verpackt breit machen. Sie überlegt, wie das wohl ist, wenn man aufgefunden wird und wer einen findet und ob sie sich nach dem Grund fragen... "I lost too much love and then I fell apart, official cause of my death".
Für "Like Me" fehlen mir die richtigen Worte. Und manchmal sollte man wundervolle Dinge einfach nicht erklären müssen oder können. "There's no doubt they will love you but it's yet to be seen. Will anyone ever know you like me?" - definitiv mein Lieblingssong des gesamten Albums!
Sehr knapp dahinter auf meinem persönlichen zweiten Platz befindet sich "Damn liar" - ein ziemlich wütender Song. Wut auf sich selbst, Wut auf andere und irgendwie alles zusammen. Und immer wieder ertappe ich mich beim Mitsingen: "Don't you find it all confusing'? Keeping up with all the tales you tell?".
Mein Fazit: Für mich das überraschendste Album des Jahres! Mein musikalischen Vorlieben spielen sich in der Regel nicht im Country-Bereich ab. Aber die Offenheit, der Schmerz und die Ehrlichkeit, die hier heraus treten, haben mir den Atem verschlagen.
Unbedingte Empfehlung! Diese Frau hat einen Chance in jedem CD-Player verdient.
Wer sich mehr für Chely Wright interessiert und die Hintergründe für dieses Album besser verstehen möchte, dem kann ich uneingeschränkt auch ihre Biographie
Like Me: Confessions of a Heartland Country Singer empfehlen.