"Life" ist mal wieder der traurige Beweis, dass ein Großteil des US-TV Publikums offenbar mit einem ganz bestimmten Serienformat überfordert ist. Nämlich einem Serienformat, das nicht nur in jeder Folge eine eigene Story erzählt, sondern auch einen Hintergrundhandlungsbogen entfaltet, der sich über die ganze Serie hin zieht.
Bei "Lost" ging das gut, die Serie konnte zuende gebracht werden, bei "Life" war völlig unverdient nach 2 Staffeln Feierabend.
Dabei ist der Aufhänger der Serie definitiv ein sehr guter. Polizist Charlie Crews wanderte wegen Mordes hinter Gitter. Erst Jahre später konnte bewiesen werden, dass er unschuldig ist, er erhielt 50 Mio. Dollar Schadenersatz. Obwohl das ausreichen würde, sich zur Ruhe zu setzen, kehrt Crews in den Polizeidienst zurück. Aus besonderem Grund, Neben den aktuellen Fällen um Mörder, Vergewaltiger und sonstige Verbrecher, die er mit seiner Partnerin Dani zu klären hat, versucht Crews nebenbei auch zu klären, wer ihn seiner Zeit hinter Gitter brachte.
Interessant ist das Ganze auch, weil weder Crews, noch Dani gelackte Charaktere sind. Trotz Unschuldsbeweis, gibts viele, die Crews anfeinden, weiter glauben, dass er ein Mörder ist. Das wird in interessanten Szenen gezeigt, wenn Reporter Kollegen, Ex-Kollegen und auch Freunde von Crews interviewt werden. Und Dani, die gerade erst Drogen- und Alkoholprobleme überstanden hat, dient anfangs als Mittel von Vorgesetzten, Crews so schnell wie möglich aus dem Polizeidienst zu entfernen, eben weil sie zunächst als schwaches Glied erscheint. Doch natürlich, da erzählt man nicht zuviel, rauft sie sich mit Crews zusammen.
Was bei "Life", obwohl etwa zur selben Zeit entstanden, auffällt ist, dass die Serie ein paar Paralleln zu "The Mentalist" hat. Hier wie dort wurde der Hauptfigur das Leben von einem Mörder versaut. In beiden Serien verfolgt die Hauptfigur immer wieder Hinweise auf diesen Mörder, um ihm irgendwann habhaft zu werden. Crews hat dafür einen eigenen Raum, auf dessen Wänden er seine Spuren grafisch festhält. Identisch ist auch, dass es in beiden Serien die weiblichen Hauptpersonen nicht immer leicht haben, mit dem einen oder anderen Spleen ihrer männlichen Partner.
Damian Lewis hat aber definitv mehr Ecken und Kanten, als Simon Baker in "The Mentalist". Und obwohl ich beide Serien mag, ist mir als Mann Lewis markige kantige Art lieber und überzeugender, als der etwas zu sehr auf Sonnyboy und mit seiner Vergangenheit zu unbekümmert umgehende und aber wohl für Frauen wieder interessantere Simon Baker.
Auch bei "Life" gehen jedoch Humor und ernsthafte Züge gekonnt Hand in Hand im richtigen Mix und sorgen für super viel Unterhaltungswert. So hat Crews z.b. alle technischen Neuerungen im Handy und Computerbereich der vergangenen Jahre durch seine Gefängniszeit verpasst, was zu der einen oder anderen lustigen Situation führt.
Die Morde sind bisweilen bizarr und auch wenn Crews und Dani ihren Mörder stets kriegen, tritt der Fall bisweilen auch mal etwas hinter den diversen Problemen, die Crews und Dani haben zurück, ohne das es störend wirkt, denn dazu sind die Figuren zu gut entwickelt und die Darsteller zu gut gewählt.
Und auch wenn der Hintergrundstorybogen letztlich unvollendet bleibt, ist "Life" eine exzellente TV-Serie, deren Anschaffung und immer wieder Ansehen sich absolut lohnt.