David Gray sagte mal in einem Interview, dass er am liebsten jedes jahr eine Platte rausbringen würde. Nun, diesen Worten läßt der alte Waliser nicht eben Taten folgen. Scheinbar unendliche Jahre sind seit seinem Durchbruch mit "White Ladder" vergangen, und zwischen dem sowohl bei kritikern als auch Fans hochgelobten Millionenseller und der neuen Veröffentlichung lag gerade mal ein Album. "A New Day At Midnight" hatte tolle Momente und einige großartige Songs, konnte aber dem hohen Erwartungsdruck nach WL nicht standhalten. Nun also das neueste Werk - und um es vorweg zu nehmen: "Life in Slow Motion" ist das wahrscheinlich beste DG-Album aller Zeiten. Produktionstechnisch wird hier geklotzt, nicht gekleckert, und diese Abwendung vom Wohnzimmer-Sound, der vorallem die letzten beiden Platten hier und da dominierte, ist wie eine Neuerfindung. Bereits im Opener stellen sich die Haare auf den Armen auf, wenn ein orchstrales Intro "Alibi" einleitet. Was für eine Art, ein Album zu beginnen! Grays Stimme klingt frischer denn je, selbst bei so fragilen Parts wie den ersten Takten des Eröffnungsstückes. Dem melancholischen Beginn folgt ein fröhliches Intermezzo in Form der Single "The One I Love", übrigens dem ersten Song von Gray, den man seit der WL-Phase mal wieder ab und an im Radio hört. "Lately" ist klassisches DG-Material und begeistert ebenfalls. So könnte diese Rezension weiter machen und jeden einzelnen Track in den Himmel loben, denn eigentlich ist jeder der 10 Songs eine Perle. Höchstens das abschließende "Disappearing World" erwischt mich nicht ganz so wie der Rest, aber das geht schon in Ordnung. Denn wer könnte diesem Album irgend etwas schlechtes nachsagen, wenn es mit einer Reihe von Songs für die ewigkeit aufwarten kann? Man höre nur das brilliante "Ain't no love" und vor allem den Titeltrack: "Slow Motion" ist textlich simpelst, packt einen aber da, wo es genau richtig ist: Mitten im Herzen. Und wenn im finale grandioso die Bläser noch einen wahnsinns-Schlußakkord setzen, hüpft eben dieses Herz vor Freude auf und ab und verlangt nur eines: Nochmal! Nochmal! Ich höre die Platte seit Stunden rauf und runter und kann wirklich nicht genug kriegen. Insofern gehört das Leben in Zeitlupe schon jetzt zu meinen persönlichen Top-Favoriten auf das Album des Jahres. Ganz großes (Kopf)Kino, Mr. Gray. Danke dafür!