Aus der Amazon.de-Redaktion
Viel Aufhebens wurde von der Reife des letzten Supergrass-Albums gemacht; so viel, dass man erwarten durfte, dass ihr viertes Werk
Life On Other Planets ihre Sommer-Pop-Wurzeln nun endgültig ausreißen würde. Dies ist -- Gott sei Dank! -- nicht der Fall. Angefangen von dem Opener "Za" wird klar, dass sie sich strikt weigern, erwachsen zu werden. Mit ihrem unbeschwerten Piano, ihren klagenden Begleitgesängen und den Rock'n'Roll-Gitarren aus den 70er-Jahren wirkt alles auf so natürliche Weise voller Überschwang, dass man einfach akzeptieren muss, dass sich bei Supergrass ein jugendlicher Wohlfühlfaktor in den Genen niedergelassen hat.
Und dies ist keineswegs nur eine Eintagsfliege. "Seen The Light" kehrt zu dem sorglosen Elan von "Alright" zurück, allerdings mit zusätzlichem Vogelgezwitschere, dem Blöken von Schafen und Elvis-Darbietungen. "Brecon Beacons" hingegen ist ein rasanter Ska-Rock, dessen Erzählung uns mit trockenem Humor vor Hexen aus Wales warnt. Diese vergnügliche Stimmung setzt sich quer durch die verzerrte Hektik und die rauen Gesänge von "Never Done Nothing Like That Before" fort und ist in dem T-Rex-Rock "Funniest Thing" und den komischen elektronischen Effekten von "LA Song" ebenfalls zu finden.
Und dann ganz am Ende werden sie auf einmal doch noch erwachsen, als ob sie beweisen wollten, dass sie es könnten, wenn sie es nur wollten. Das vorletzte Stück "Prophet 15" ist wie eine ausgereifte Kreuzung zwischen Pink Floyds "Wish You Were Here" und dem "Hello" von Beloved, während "Run" zum Abschluss das Floyd-Thema mit seinen ozeanischen Becken, groß angelegten, langsamen Solopassagen und der Science-Fiction-Atmosphäre fortsetzt. Es ist hervorragendes Material. Lebendig und vielseitig. Das Altern wird sie anscheinend nicht umwerfen. --Dominic Wills
Wen kümmern eigentlich die 80er? Zurzeit immens viele Leute, aber nicht die Britrocker von Supergrass. Vielleicht hängen sie dem Zeitgeist hinterher, vielleicht nehmen sie ihn auch vorweg und leiten schon den nächsten Retrotrend ein. Wenn ja, dann sind die 70er wieder dran. Plötzlich hören wir nämlich gewisse Elvis-Bezüge, der Song "Seen the Light" klingt, als hätte Marc Bolan mit Bowie gegluckt, und wenn mal bei "Run" nicht Freddy Mercury postum seine Hände im Spiel hatte ... Alle vier waren Mitte der 70er Verkörperungen des Glamours (im Bösen wie im Guten), und die Supergrass-CD "Life on other Planets" ist deshalb ein psychedelisches Neo-Glampop-Album geworden. Kaum eine andere Band bastelt sich ihre Identität so komplett aus dem Zitatenschatz des Pop zusammen; kaum eine spielt aber auch so gekonnt damit. Wild geschlagene Akustikgitarren werden vom Fiepen antiquarischer Synthies übertönt, und die Drums holpern ekstatisch zu Pseudo-Hits von Pseudo-Gestern. Eine Patchwork-Platte. Okay so - schließlich ist die Postmoderne ja noch nicht vorbei. (mw)
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