Nach langer Zeit legt die dienstälteste Punk-Rock-Band in Original-Besetzung (gegründet 1975, nach Umbenennungen seit 1977 unter dem bekannten Namen aktiv) mal wieder ein vollwertiges Studio-Album mit neuem Material vor. Obgleich auf die beiden genialen Alben "Songs of Praise" (1981) und "Sound of Music" (1982), sowie dem noch recht akzeptablen "Smart Alex"-Album (1985) nur paar wenige und mehr oder minder grauenhafte Studio-Veröffentlichungen sowie jede Menge Weiterverwertungen der genialen Songs der Anfangsphase folgten, war ich sehr gespannt, denn on stage sind die Mannen um Sänger Monkey noch immer ein absolutes Highlight. Daher entschied ich mich auch für die Limited Edition mit Bonus-DVD. Diese enthält Ausschnitte aus zwei Konzerten der Band, die im Mai 2009 in Bielefeld aufgezeichnet wurden. Sound und Bild sind absolut klasse, und das gilt auch für die hervorragende Songauswahl. Insgesamt finden sich auf der DVD 11 Stücke von denen vor allem die ganz alten Reisser "Joker in the Pack", "Tango", "Let's Go", "Chinese Takeaway" und die Punk-Hymne schlechthin - "Viva la Revolution" - zu überzeugen wissen. Auch eigentlich schwächere Songs wie "Troubadour" oder "Life Goes On" sind deutlich besser als in den entsprechenden Studio-Aufnahmen. Man merkt den Jungs die Spielfreude an und Monkey hat ganz offensichtlich einen herausragenden Tag erwischt. Allein dieses Bonus-Material vermag "Life Goes On" vor dem Komplettabsturz retten, denn das Studio-Material weiß nur höchst selten zu überzeugen. Dabei gibt es mit dem folkbeeinflussten (wohl zuvor noch schnell Pogues gehört, wie?) "Mr. Hard" und das an Sweet erinnernde, aber langweilige "We Ain't Got To Say" nur zwei wirkliche Totalausfälle auf der Scheibe, doch auch das restliche Material reißt einen nur selten vom Hocker. Viel zu oft hört man uninspirierten Trallala-Pop-Punk mit Lalala-Chorus - "Spank Me Baby", "Life Goes On" -, der irgendwie nett daher kommt, aber "nett" ist ja bekanntlich der kleine Bruder von "Sch...". "Ready Deaky Boys & Girls" ist als Mitsing-Nummer gedacht, doch irgendwie geht auch hiervon keine Energie auf den Zuhörer über. Mit "I'm Not Scared Of You" liefert die Band einen stark Sixties-Rock'n Roll angehauchten Song, der ganz okay ist. Mit "The Whole Worlds Gone Mad" findet sich aber auch ein starker, ziemlich flotter Song mit einem interessanten, an Peter and the Test Tube Babies erinnernden Gitarren-Riff. Das wäre ein Anspiel-Tip (ich hasse die Doppel-P Schreibweise!)Auch interessant ist das absolut außergewöhnliche, experimentelle "Gangster" - eine reine Pop-Nummer, die aber wirklich spannend und recht eingängig ist. Dann wären da noch mit "Full Circle" und "Tune In, Turn Out, Drop Out" zwei flotte Nummern, die sich durchaus auf den ersten beiden Alben der Band hätten finden können, dort freilich zu den schwächeren Songs gehört hätten. Kurzum, im positivsten Fall läßt sich "Life Goes On" als durchwachsen bezeichnen. Leider überwiegt die Langeweile.Neueinsteigern, die sich für die Musik der Band interessieren, rate ich auf jeden Fall vom Kauf ab und empfehle eher "Songs of Praise", "Sound of Music" (gibt es auch in einer preiswerten Edition zusammen mit "Smart Alex") oder "The Complete Singles Collection". Fazit: Zwei Punkte für ein schwaches Album, aber einen dicken Bonuspunkt für den tollen Live-Mitschnitt.