Tonio K. verdient wohl die meisten seiner Brötchen damit, Songs für andere Künstler zu verfassen. Charlie Sexton, Steve Jones, T-Bone Burnett und What If haben Songs des Ausnahmesongwiters auf ihre Platten genommen. Ein ganz großer Hit sprang jedoch noch nicht heraus. Auch solo blieb dem Amerikaner bisher der Durchbruch versagt. Dabei ist gerade die 1978 erschienene "Life in the Foodchain" ein echtes kleines Meisterwerk.
Musikalisch handelt es sich bei Tonios Solodebüt um straighten amerikanischen Gitarrenrock, der durch Earl Slicks wilde Gitarrenarbeit (ex- Bowie) und die unbändige gesungene Wut Tonios des öfteren ins Punkige abdriftet. Die brillianten Texte triefen vor Zynismus über die Lage der Nation und verlorene Liebe. Der zentrale Song ist "Funky Western Civilisation", der fröhlich drauflosstampfend alles zerstört, was in Amerika heilig ist. Wer glaubt, dass die Welt insgesamt ganz okay ist, sollte woanders nach Unterhaltung suchen. Tonio nimmt sich nur eine kurze Wutpause im schwarzhumorigen "How come...", das von der hoffnungslosen Liebe zu einer Vampirin handelt. Meine Anspieltipps sind der Titelsong, die Ballade "Better late than never" und das wahnwitzige "H.A.T.R.E.D." Aber ich mag die ganze Platte sehr. Nur das überlange apokalyptische "Ballad of the Nights..." hätte meiner Ansicht nach kürzer ausfallen dürfen. Außerdem könnten zwei, drei Songs mehr drauf sein. Deshalb gibts auch nicht die Höchstnote. Eine 2 on 1- CD mit "Foodchain" und "Amerika" zum Budget- Preis, das wäre geil gewesen. Aber so ist die Welt nun mal nicht...
Fazit: Super CD für Zyniker. Die andere Seite... vielleicht vergleichbar mit vertonten Gary Larson- Comics?
P.S. Von Tonio K. gibts noch mehr: "Amerika" klingt beinahe so gut wie "Foodchain", "Romeo Unchained" und "Notes..." sind eher eigenartige Ausflüge in Achtziger- Poprock, aber mit hervorragenden Texten. Die neueren "Ole" und "Yugoslavia" sind nicht ganz so hektisch und negativ wie "Foodchain", aber auch exzellent. "16 Tons of Monkeys" ist ein starkes Livealbum, "Rodent Weekend" eine Sammlung unveröffentlichter Songs von 1977 bis 1987. Ich hab' alle!