Fräulein Else ist nach Lieutenant Gustl Arthur Schnitzlers zweiter innerer Monolog. Doch Schnitzler beschränkt sich dabei aber nicht auf bloße Gedanken und eine Schilderung aus der Sicht seiner Protagonistin, sondern er gewährt dem Leser weit tiefere Einblicke in die Psyche seiner tragischen Heldin. Im Gegensatz zu Lieutenant Gustl ist Fräulein Else jedoch einige Jahre später entstanden und besticht dabei durch einen noch feineren Stil. Was diesen Monolog jedoch so einzigartig macht ist die Wirkung die er entfaltet, nämlich dass der Titel Programm ist, man liest nicht bloß von der Protagonistin, man liest durch sie. Es ist als wäre man vollkommen in die Protagonistin hineinversetzt.
Die Handlung beginnt beim Fräulein Else, einem ungefähr 19jährigen Mädchen aus gutem Hause, dem es zunächst an nichts fehlt. Der zunächst sorgenlose Urlaub wird gestört als Else ein Telegramm aus Wien erhält, in welchem ihre Mutter sie bittet, einen alten Freund der Familie um finanziellen Beistand zu bitten. Elses Vater, ein brillanter Rechtsanwalt, hat sich wieder einmal an der Börse verspekuliert, doch diesmal nicht mit eigenem Geld, sondern mit Mündelgeldern. Um das sorgenlose Leben der Familie um einige weitere Monate zu verlängern, bis der Herr Vater sich wieder eine solche Eskapade leistet, muss Else nun den befreundeten Herrn von Dorsday um Geld anbetteln. Verweigert ihr Dorsday diese Geldaushilfe, so droht dem Vater ein längerer Aufenthalt im Gefängnis. Aus Angst die Familie könnte daran zerbrechen gibt Else dem Wunsch der Mutter nach und versucht Herrn von Dorsday zu bezirzen, doch obwohl dieser sich einverstanden erklärt der Familie das Geld zu leihen, so knüpft diesen Wunsch doch an eine Bedingung und diese gleicht für Else einem unmoralischen Angebot. Entgegen aller Zweifel und Skrupel nimmt sie dieses Angebot dennoch an. Kurz darauf erfährt sie aber aus einem weiteren Telegramm dass sich die Summe erhöht hat. Nun nagt nicht bloß die Gewissheit sich verkaufen zu müssen an ihr, sondern auch Verzweiflung und Bedauern bezüglich ihrer ungewissen Zukunft...
Anstatt das dramatische Ende von Fräulein Else zu verraten rate ich hier jedem das Buch doch selbst zu lesen und in die faszinierende Welt des Fräulein Else einzutauchen.
Fazit: Ein faszinierendes Buch, das sich als Inbegriff des inneren Monologs präsentiert.