Flitzpiepe steht für Helmut, einen Mann, der die Frauen nicht sucht, weil die Frauen einen eh finden. Das könnte ein kluger oder auch ein fauler Mann sein. Helmut ist beides. Er denkt kaum über sich nach und paßt ideal in unsere Zeit, die von solchen Männern um die dreißig herum überflutet zu sein scheint - Flitzpiepen eben. Es steht aber auch für Britta, die verdammt gut aussieht und solche Typen mag. Oder Tina, die spröde und kantig ist, aber auch sie mag Männer, die einfach nur da sind und nicht viel mehr verlangen.
Nick Hornby hat das Thema in High Fidelity aufgegriffen, dann kam Sven Regner mit Herr Lehmann und schließlich Frank Goosen mit seinem Roman liegen lernen. Alle drei Bücher sind verfilmt, in allen dreien spielen orientierungslose Männer die Hauptrolle. Sie taumeln von einer Frau zur anderen und haben keine Ahnung, was sie eigentlich wirklich wollen. Dabei erscheinen die Frauen wie Randfiguren, dienen aber der Charakterisierung dieser Männer. Sie sind eigentlich die wahren Helden oder anders gesagt, sie sind die Leinwand, ohne die es kein Bild geben würde.
Der Roman liegen lernen hat eine angenehme Leichtigkeit, hinterläßt aber kaum Spuren im Kopf. Hendrik Handloegtens Verfilmung bietet da mehr. Sie geht tiefer und läßt einen an einem brütenden Sommertag einen dieser raren Regenschauer spüren - der in diesem Fall zwar nur 94 Minuten anhält, nach dem aber die ganze Stadt anders riecht.
Handloegten ist einer von den Regisseuren, auf deren neuen Film man wartet und wartet und sich fragt, was tun diese Leute, wenn sie keine Filme machen. Sie schreiben an Drehbüchern mit, ist die Antwort. Bei Goodbye Lenin und Die Liebe in Gedanken hatte Handloegten seine Finger im Spiel. Und nach seinem wunderbaren Erstling Paul is dead kommt mit liegen lernen nach drei Jahren sein neuer Film in die Kinos.
Viele Momente darin sind auf das Wesentliche reduziert, die Kunst des Weglassens wird gefeiert und die Dialoge sind so sparsam, daß man den Schauspielern oft zurufen möchte: Sagt mehr! Das alles bringt Tempo und null Langeweile - nach einer Viertelstunde vertraut man dem Regisseur, daß er einen überall hinführen kann.
Im Gegensatz zu Goosens Roman, wirkt der Hauptcharakter im Film viel sympathischer. Er hat durch Fabian Busch neue Züge bekommen, man kann seine Irrfahrt nachvollziehen und verzeiht ihm die Fehler.
Und Flitzpiepen hin oder her, es laufen viele Typen herum, die sich in Helmut wiedererkennen werden; und es laufen auch viele Frauen herum, die mit solchen Flitzpiepen auskommen müssen. Auf daß die Männer von den Frauen lernen, auf daß die Frauen ihrer nicht müde werden.