24 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Vom Erwachsenwerden..., 14. Februar 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Liegen lernen (Gebundene Ausgabe)
Ich habe das Buch gegen 19:00 Uhr abends angefangen zu lesen. Obwohl ich ein Schnelleser bin, habe ich nicht damit gerechnet und auch nicht vorgehabt, das Buch an einem Abend durchzulesen. Aber obwohl ich es zwischendurch weggelegt und das Licht ausgemacht habe,konnte ich nicht schlafen, weil mir soviele Gedanken durch den Kopf gingen. Ob mir diese Gedanken durch den Kopf gingen, weil ich das Buch gelesen habe, kann ich gar nicht so genau sagen. Tatsache ist, dass ich das Buch einfach zu Ende lesen musste.
Ich glaube, das Stärkste an diesem Buch sind die klare Sprache und das Aufkommen von Erinnerungen bei jedem, der in der gleichen Zeit wie Jürgen Goosen gross geworden ist. Dieser Effekt zieht einen vordergründig in das Buch hinein, sei es durch die im Hirn angespielten Musiktitel oder die Schilderung der zeittypischen Feten und Besäufnisse, der Musik, die man hören musste und der Musik, die man auf keinen Fall hören durfte.
Das eigentlich interessante ist aber die psychologische Komponente. Helmut hat sich 33 Jahre lang durchs Leben tragen lassen, ständig verfolgt von Situationen wie an der Supermarktkasse, wo man sich plötzlich für eine der vielen Süssigkeiten entscheiden muss. Und plötzlich wird ihm die Pistole auf die Brust gesetzt. Seine Freundin verlangt von ihm, sich jetzt ganz für ihn zu entscheiden, will ein Kind von ihm, also: ihm die Schlinge um den Hals legen.
Das ist die Ausgangssituation des Buches und in einer Retrospektive beginnt von der ersten Seite an eine Beschreibung seines "Leidensweges" früherer Beziehungen. Dieser Plot erinnert dabei sicher nicht völlig zufällig an "High Fidelity", vor allem als Helmut seine Verflossenen quer durch Deutschland in einer Tages- und Nachttour besucht, aber "High Fidelity" ist amerikanischer, das Setting von "Liegen Lernen" ist deutsch wie es deutscher nicht sein kann.
Dabei fällt auf, dass Helmut eigentlich nie den aktiven Part dargestellt hat. Von allen seinen Freundinnen ist er eigentlich "entdeckt" worden, die Ausnahme ist Gisela, die aber mit einem ganzen Zaun gewunken hat, so dass für ihn das Risiko einer Abfuhr praktisch nicht existent war.
Helmut ist mit völlig verschiedenen Frauentypen zusammen, muss lernen, dass man die grosse Liebe - und wenn sie mit 15 passiert, was tragisch ist - nie wirklich vergisst und man sich am Ende irgendwann doch mal für etwas entscheiden muss.
Das Schmerzliche an einer solchen Entscheidung ist nachvollziehbar (nie wieder eine andere Frau). So ist seine Entscheidung für Tina auch kein reines Happy-End, sondern entwickelt sich vielmehr aus dem Gefühl, endlich nicht mehr heimatlos zu sein.
Das ist alles sehr gefühlvoll, ohne dick aufzutragen, geschrieben. Aber man ahnt, dass die Selbstzweifel von Helmut nicht für immer beseitigt werden sein werden und wird neugierig, was wohl mit Helmut passiert, wenn er als Familienvater mit vierzig dann irgendwann mal in die Midlife-Crisis kommt...
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Lehmanns Zwilling, 3. Juli 2007
Frank Goosens "liegen lernen" handelt von Helmuts Leben zwischen 1982 und 1998. Zuerst ist er Gymnasiast, dann Student und schliesslich Assistent an der Uni. Sein Leben wird vor allem an Beziehungen zu Frauen gespiegelt, und da sind einige. Fast schon klassisch ist das Schlusskapitel, in dem der Protagonist nochmals die ehemaligen Freundinnen aufsuchen muss, um sich über sein gegenwärtiges Leben und seine eigene Rolle klar und sicher zu werden, die Frage nach der grossen Liebe im Leben.
Das Buch ist sehr nostalgisch und für mich als Kind der Achtziger kommen da viele Erinnerungen an die eigene Vergangenheit hinauf. Die Geschichte ist allerdings allgemeingültig und funktioniert unabhängig von zeitlichen Kontext, denn es geht um die existenzielle Frage nach dem Sinn des Lebens. Blendend sind auch die Schilderungen des kleinbürgerlichen Milieus. Insgesamt ist "liegen lernen" sehr unterhaltsam und witzig geschrieben und vergleichbar mit Sven Regeners "Herr Lehmann".
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Unterhaltsam, aber doch ein bisschen seicht, 11. August 2006
Ein Buch, das sicher für Kurzweil, Abwechslung und ein paar nette Stunden sorgt, mehr aber auch nicht. Durchaus mit leichter Feder geschrieben, unterhaltsam und streckenweise mit einigen treffenden Rückblicken auf das Pubertieren und Erwachsenwerden in den 80ern, aber irgendwie doch auch ein bisschen seicht und einfach und irgendwie und irgendwo schon mal gelesen. Insgesamt: Wenn man für den Sommerurlaub gar nichts mehr zu lesen hat: bei Freunden ausleihen ja, kaufen eher nein.
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