Eine bunte Mischung bieten die drei Liederjane mit dieser Platte, von Volksweisen aus Olims Zeiten über Lieder der 48er zum zwar ebenfalls aus dem Vormärz stammenden, doch mit aktuellem Bezug versehenem "Dr. Severing". Eine thematische Auswahl wurde wohl nicht getroffen: derb anzüglich kommt das freizügige Lied von "Bauer und Kalb" daher, düster-schmerzlich das Lied vom sensenschwingenden Gevatter Tod, frohgemut das "Auswandererlied", berlinerisch schnoddrig das Stempellied aus Hanns Eislers Feder. Sonderlich gefällt mir der trefflich intonierte Fallerslebensche Politsarkasmus in des braven "Michels Abendlied", das a capella vorgetragen wird: mit einleitenden scheinheilig pathetischen Choralklängen, dann abwechselnd dröhnend kraftvoll und duckmäuserischverhalten.
Die Instrumentierung der andern Lieder kann sich aber auch hören lassen: schmerzlich klirrt die Drehleier, burlesk näselt die Schalmei, melodiös schrummeln Harmonikas und Bandoneon. Fast ist's nicht zu glauben, daß das dichte Tongewebe bis auf einen Gast-Kontrabaß allein von den dreien von Liederjan fabriziert wurde.
Eine gelungene Scheibe, von der sich andere Volksmusikanten noch eine ebensolche abschneiden können.