Neben den zahlreichen Liedern für männliche Singstimme schrieb Franz Schubert auch etliche Lieder für weiblichen Gesang bzw. Lieder, die eindeutig nicht von einem Mann gesungen werden sollten.
Gundula Janowitz hat fast alle dieser Lieder zusammen mit Irwin Gage aufgenommen, wobei sie einige Lieder, die traditionellerweise von Männern gesungen werden, wie z. B. "Du bist die Ruh'", hinzufügte. Auf dieser Doppel CD befindet sich der erste Teil dieser sehr ersprießlichen Zusammenarbeit; der andere befindet sich hier: http://www.amazon.de/Lieder-Vol-2-Gundula-Janowitz/dp/B000025JX5/ref=pd_rhf_p_t_1
Janowitz' Stimme versetzt den geneigten Hörer in Staunen. Kannten sie die meisten von uns doch bisher fast bloß von großen vokalen Orchesterwerken, denen sie Ausdruck, Raum und Kraft verlieh, so schafft sie mit dem fabelhaften Pianisten Irwin Gage derart Intimes, Feinfühliges und tief Emotionales. Einige Passagen sind zum Weinen schön gesungen. Aus jedem Lied - und sei es auch noch so banal - holt sie das Maximum heraus und singt dabei fast immer verständlich.
Insbesondere Janowitz' Interpretation der Lieder "Suleika I", "Die Männer sind méchant", "Im Freien" und "Der Hirt auf dem Felsen" bewegen zutief. Und wer glaubt, dass das schon alles gewesen ist, der höre sich erst noch die zwei absoluten Highlights dieser Einspielung an: "Du bist die Ruh'" ist eines von Friedrich Rückerts schönsten Gedichten und eines von Schuberts schönsten Liedern. Bis jetzt dachte ich immer, die Einspielung Dietrich Fischer Dieskaus sei die beste, aber Janowitz hat mich eines Besseren belehrt. "Ellens Gesang III - Ave Maria" zählt ebenfalls zu Schuberts besten und bekanntesten Liedern. Eine derartige Ausdruckskraft, Klangschönheit und - ich möchte fast sagen - Religiostität, wie Janowitz sie erzeugt, ist mir selten untergekommen.
Fazit: Eine lohnenswerte und mehr als zufrieden stellende Anschaffung ohne Makel und Reue! Schade, dass diese Lieder und ihre Interpretation so selten gehört und gespielt werden.