Aber fragt mich nur nicht, wie? ( Heine, Buch der Lieder)
Heines Weltruhm begründet sich primär auf dem " Buch der Lieder", mit dem er eine internationale Wirkung seiner Natur- und Liebeslyrik erzielte. Die Haupthemen der Liebenslyrik- Liebesverrat und Verschmähung, Hindernis und Hemmnis in der Liebe, Polarität und ewiger und ephemerer Liebe - erzielen in der Konzentration auf Persönlichkeit eine Aussage von überindividueller Bedeutung.
In der Unerreichbarkeit einer harmonischen Übereinstimmung von Ich und Umwelt zeigt der desillusionierende Charakter von Heines Liebeslyrik, einer im Grunde lieblosen Liebesdichtung, auf den Mangel an realisierter Humanität. Heine macht die Geliebte für eine Missstimmung verantwortlich, die eigentlich andere, tiefere in der Zeit wurzelnde Gründe hat. Faktisch spricht Heine von " unstillbarer Sehnsucht", keineswegs nur wenn er unglücklich liebt, sondern auch, wenn er glücklich liebt. Die auf das eigene leidende Ich bezogene Liebesthematik wird zum Ausdruck des Zwiespalts, eines Risses, der ganz offensichtlich nicht nur durch das eigene Herz geht.
Hier eine Gedicht aus dem Buch der Lieder:
Mir träumte einst von wildem Liebesglühn,
Von hübschen Locken, Myrten und Resede,
Von süßen Lippen und von bittrer Rede,
Von düstrer Lieder düstern Melodien.
Verblichen und verweht sind längst die Träume,
Verweht ist gar mein liebstes Traumgebild!
Geblieben ist mir nur, was glutenwild
Ich einst gegossen hab in weiche Reime.
Du bliebst, verwaistes Lied! Verweh jetzt auch,
Und such das Traumbild, das mir längst entschwunden,
Und grüß es mir, wenn du es aufgefunden --
Dem luftgen Schatten send ich luftgen Hauch.
"Das Buch der Lieder" von Heine schätze ich sehr. Habe zu einer anderen Ausgabe seiner Verse Das Buch der Lieder bereits eine Rezension verfasst, aber mit anderem Inhalt.