Wenn Dietrich Fischer-Dieskau das Lied "Mondnacht" aus dem Liederzyklus op. 39 singt, ist die Lyrik pur.
Ob es einem gefällt, ist bei Stimmen ja immer so eine Sache. Stimmen berühren einen oder auch nicht. Jenseits der Diskussion, ob der Sänger, die Sängerin ihre Instrument beherrscht, ist der Rest höchst subjektiv. Die Art, wie jemand singt, bringt in einem etwas zum Klingen oder man hört innerlich etwas anderes und findet dann den Sänger, die Sängerin weniger überzeugend.
Fischer-Dieskau ist sicher der Sänger, der die grösste Erfahrung mit dem Liedgesang hat. Er wurde weltweit damit gefeiert, ja das Lied mit ihm identifiziert.
Schumann hat er oftmals aufgenommen.Die hier vorliegenden Aufnahmen sind in seiner mittleren Zeit, ab 1960 entstanden. Mit Jörg Demus hatte Fischer Dieskau einen ausgesprochenen Schumann-Kenner an seiner Seite.
Als überholt kann man diese Interpretation nicht wirklich bezeichnen. Wunderlich hat nicht anders gesungen, nur weniger kunstvoll. Nimmt man den Vergleich mit Gerhaher vor, eine jüngeren Sänger, der heutezutage diese Zyklus einspielt, fällt zuerst einmal auf, dass ihm nicht so viele Differenzierungen zur Verfügung stehen wie Fischer-Dieskau.
Der Rest ist Geschmackssache.
Ich bin mit Fischer-Dieskau aufgewachsen. Er hat meinen Zugang zu dieser Kunst geprägt. Da ist es dann nicht verwunderlich, dass ich seine Interpretationen besonders schätze.
Der Abzug bezieht sich NICHT auf die Künstler, sondern auf die Editionspraxis, die maximal unübersichtlich ist. Immer wieder werden Aufnahmen unterschiedlich zusammengekoppelt.Wenn man diese Aufnahme erwirbt, hat man die Dichterliebe mit drauf, die in verschiedenen anderen Kopplungen existiert. Das ist ärgerlich. DESWEGEN der Abzug.