Ich mag das Buch sehr, da es sowohl spannend, unterhaltsam als auch informativ ist. Rachel Smolker beschreibt ihre Beobachtungen mit wild lebenden Delfinen. Etwa 20 Jahre lang erforschte sie eine Gruppe Großer Tümmler in West-Australien, in Monkey Mia, wo sich auch die berühmte Shark Bay befindet.
Das Buch wurde zwar bereits 2001 herausgegeben, hat aber 2005 neue Aktualität bekommen. Ein deutscher Forscherkollege von Rachel Smolker - Dr. Michael Krützen - hat nämlich im Juni 2005 veröffentlicht, dass die Delfine der Shark Bay für die Futtersuche ein Werkzeug benützen. Dabei handelt es sich um Schwämme, die sich vor allem weibliche Delfine wie eine Art Handschuh über die Schnauze stülpen, um sich damit vor gefährlichen Drachenköpfen, Stachelrochen und Steinfischen zu schützen.
Diese Beobachtungen machte Rachel Smolker bereits schon lange vorher und berichtet darüber auch ausführlich in ihrem Buch. Aber sie hat noch vieles mehr über das Leben der Delfine herausgefunden. So erzählt sie von erstaunlichen Ergebnissen hinsichtlich des Sozialverhaltens und hoch entwickelten Kommunikationssystems der Delfine. Vor allem von deren Intelligenz (bzw. Lernspezialisierung) ist sie fasziniert. Dabei geht sie allerdings nicht der Frage nach, wie intelligent die Delfine sind, sondern auf welche Weise sie intelligent sind. Denn der Maßstab, den ein Forscher an die menschliche Intelligenz legt, kann bei Meeressäugetieren selbstverständlich nicht greifen.
Rachel Smolker beschreibt die Delfine nicht als Gattung, sondern behandelt jedes einzelne Wesen als Individuum. So begegnet der Leser u.a. Holeyfin - der Stammesmutter von Monkey Mia. Sie ist durch ein erbsengroßes Loch in der Mitte der Rückenflosse zu identifizieren. Für Holeyfins Charakter ist maßgebend, dass sie hartnäckig nach Futterfischen Ausschau hält, die von Besuchern dargereicht werden. Fin ist ein kleiner Wirbelwind, der sich ungern berühren lässt und recht launisch ist. Bibis funkelnde Augen verraten, dass es sich hier um einen eher aggressiven und unberechenbaren Delfin handelt.
Um alle Delfine der Monkey-Mia-Gruppe kennen zu lernen, sollte man es sich nicht entgehen lassen, von Rachel Smolker auf eine Reise in die Welt der Delfine mitgenommen zu werden und das Buch selbst lesen. Stellen wie „Die Haut war seidenweich, leicht gummiartig, und für ein Geschöpf, das im Meer lebt und einem Fisch ähnelt, erstaunlich warm", lassen einen fast annehmen, sich in unmittelbarer Nähe des liebenswerten Meeres-Geschöpfs zu befinden.