Ja, es stimmt, dass diese Staffel von Liebling Kreuzberg nicht die Qualitäten der Staffel 1, 2, 3 und 5 hat. Die einzelnen Geschichten ziehen sich über mehrere Folgen hin, die schrulligen Nebenfiguren nerven zum Teil sehr und das Potenzial was durch die Verlegung der Handlung nach Berlin-Mitte vorhanden gewesen wäre, wird zum grossen Teil nicht genutzt. Allerdings muss man auch sagen, dass die 4. Staffel ein zufälliges Portrait der Nachwendezeit geworden ist. Chaotische Zustände im Leben der handelnden Personen, Alteigentümer, Vorurteile zwischen Ost und West, und das alles vor den Kulissen eines so nicht mehr existierenden (vor sich verwitternden) Berlins. Auch kann man die krampfhaften Versuche des Fernsehens, ehemals bekannte Ost-Schauspieler im Westen bekannt zu machen, studieren. Insofern sollte man diese Liebling-Staffel vielleicht nicht an den anderen messen, sondern sie als Kind ihrer Zeit sehen. Ohne Frage hätte man mehr daraus machen können, aber man hatte vermutlich weder die richten Personen (z.B. keinen Jurek Becker) noch den Mut.