LEC (6.3.1909-7.5.1966) ist sehr bitter; und Satire ist das, was Lec empfindet, schon fast nicht mehr zu nennen: er hat den Jordan überschritten - oder ist es schon eine Art Hades? Auf der anderen Seite des Flusses auf jeden Fall wartet das Land des Zynismus. Jonathan Swift war nicht gar so ätzend, Ambrose Bierce mutet uns allerdings einen noch viel weiter reichenden Skeptizismus zu - einen, der fast schon jegliche konsens-fähigkeit verspielt hat; LEC schrieb immerhin jahrelang mit großem Leserzuspruch in der wichtigsten Warschauer Zeitung. Ein Morgenstern'scher Humor, eine gewisse abgehobene Leichtigkeit gelingt dem armen Lec leider niemals, dafür war er wohl auch zu politisch-kämpferisch. Ob unser Kurt Tucholsky (Sprache ist eine Waffe, haltet sie scharf) ihm seelenverwandt zu nennen wäre? Hauptsächlich aus der Umgebung des sehr unterdrückerischen Ostblocks in der Zeit des "Kalten Krieges", eingefroren hinterm "Eisernen Vorhang", ist LECs stellenweise bohrende Wut wohl zu erklären! Sein gegen das aufkommende Nazi-Regime anschreibende journalistischer deutsch-sprachiger Vorläufer Tucholsky lebte wohl wahrlich auch nicht in angenehmen Zeiten - ebensowenig wie ein anderer Großer dieses Genres, Karl Kraus. Fest steht: LEC ist unverzichtbarer Bestandteil der europäischen Literaturgeschichte. Mit Sätzen wie "Ist das Denken eine gesellschaftliche Funktion oder eine des Hirns?" versuchte LEC eine Bresche für den Individualismus zu schlagen in einer perfekt kommunistisch durch-organisierten Welt. Im spöttisch vorgetragenen "Wie kann man nur ein professioneller Satiriker sein, entrüsten sich die professionellen Enthusiasten..." könnte man auch in der gegenwärtigen Lage (einem drohenden Krieg zwischen Irak und USA) eine Art Kompass finden - nach leichtem Satz-Umbau: "Wie kann man nur ein unbelehrbarer Kriegsgegner sein, entrüsten sich die unbelehrbaren Fahnenträger..." - Es ist sympathisch, dass Heiner Geißler sich für die Herausgabe dieses Büchleins stark gemacht hat ...