...kann sich manchmal ein Leben ändern, kann ein Ereignis eine Kette von Geschehnissen auslösen, die zu einem unvermeidlichen fatalen Ende führen.
Eine solch dunkle Geschichte erzählt uns Ian McEwan gekonnt einfühlsam und durchweg spannungsgeladen in seinem Roman "Liebeswahn".
Ein schöner Sommertag lädt ein glückliches Ehepaar, Clarissa und Joe, zu einem Picknick im Grünen ein, als, nicht weit von den beiden entfernt, ein Fesselballon abzustürzt. Mehrere Menschen, so auch Joe, eilen aus allen Himmelsrichtungen herbei um dem Ballon-Piloten, dessen kleiner Enkel sich noch im Korb befindet, zu helfen, das Gefährt am Boden zu halten und zu sichern. Doch der Hilfeversuch scheitert - mit fatalen Folgen: ein Mensch verunglückt tödlich. In dieser Situation lernt Joe einen der anderen Helfer kennen, Jed Parry, ein Mann, der fortan Joes Leben in ein Desaster stürzen wird. Jed ist nämlich davon überzeugt Joe zu lieben und von Joe geliebt zu werden.
Der Liebeswahn, das Clérambault-Syndrom, lassen Jed in Joes Leben eingreifen in einer Form, die wir heute "Stalking" nennen: Permanente Telefonanrufe, ständige Präsens, das Auftauchen an den unmöglichsten Orten, das Beaobachten aus der Ferne, Nachrichten auf dem Anrufbeantworter und in Form von Briefen - erst vorsichtig zurückhaltend, dann immer bedrohlicher werdend - lebensbedrohlich. Die Polizei ist machtlos, denn es passiert ja nichts "Schlimmes", doch der so von einem Stalker verfolgte Mensch, gerät in einen Strudel des Chaos. So auch Joe, dessen Leben sich radikal verändert und dessen Ehe an den Ereignissen zerbricht.
Ian McEwan erzählt mit einem feinen Gespür, auf sprachlich höchstem Niveau. Er lässt den Leser mit dem bedrohlichen Gefühl zurück, dass jedem von uns so etwas passieren könnte, dass ein "Jed Parry" hinter jeder Ecke lauern könnte, um unser Leben zu verändern. Dieser Roman ist eine echte Empfehlung im Genre des Psychothrillers.