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Liebestod auf Long Island
 
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Liebestod auf Long Island [Taschenbuch]

Gilbert Adair
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch
  • Verlag: Rowohlt Tb. (2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499228793
  • ISBN-13: 978-3499228797
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12,4 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.090.432 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Scheintot in Hampstead

Gilbert Adairs Roman «Liebestod auf Long Island»

«Liebestod auf Long Island»? Das weckt Echos und Erwartungen. Die Geschichte, die hier erzählt wird, ist die eines Schriftstellers im mittleren Alter, der sich in einen jungen Mann verliebt, welchen er per Zufall sieht, eine Liebe, die ihn zur Verzweiflung treibt.

Wer so mit literarischen Geistern tanzen will, muss schon seine Schritte beherrschen, sonst verschluckt ihn die Geisterwelt; mehr noch, wer so aufspielt, von dem wird erwartet, dass er dem alten Tanz neue Wendungen entlocken kann.

Feinkost-Literat

Der Protagonist der Novelle, Giles de'Ath, dessen Initialen ihn nicht nur mit dem Autor der Novelle, sondern auch mit seinem fiktiven Kollegen Gustav von Aschenbach verbinden und dessen Name auch als «Death» gelesen werden kann, ist ein Schriftsteller in London, ein sehr guter Schriftsteller augenscheinlich, der es sich nicht verkneifen kann, den Leser wissen zu lassen, dass seine Romane in einer Reihe von «Modern Classics» erschienen und in Frankreich mit Blanchot verglichen worden seien. De'Ath lebt ein einsam manieriertes Literatenleben in jenem literarischsten aller Londoner Stadtbezirke, Hampstead – dort, wo jene, die auf dem europäischen Kontinent Intellektuelle wären und die hier Autoren sind, in idyllischen und doch diskreten Häusern aus dem achtzehnten Jahrhundert literarische Abendessen zelebrieren. Er hat den unoriginellsten aller persönlichen Hintergründe in der oberen Mittelschicht: eine Ausbildung in Cambridge, gefolgt von einem Leben als freier Schriftsteller.

Zu Beginn des Buches ist der Protagonist auf seinem Nachmittagsspaziergang. Alles um ihn herum ist, ganz nach Thomas Mann, erstorbenes Material, nur darauf wartend, vom schöpferischen Genius verknüpft zu werden. Die Welt wird fein tranchiert wie eine gebratene Forelle. Auch dem Autor selbst ist das unmittelbare Leben abhanden gekommen: «Ich stiess den Zigarettenrauch durch die Nase aus, wobei ich den Kopf wie üblich in einer ungemein verfeinerten Parodie auf das Atmen oder Schnauben eines Pferdes in den Nacken warf.»

Wie viele ungemein verfeinerte Parodien des Atmens darf ein Autor seinen Lesern antun? Auch Adair sieht ein, dass das Thema seine Grenzen hat, er überrascht seinen Helden mit einem Regenschauer, der diesen in einem Kino in Deckung gehen lässt. Aus lauter Verlegenheit beschliesst er, einen Film anzusehen, einen literarischen natürlich, eine Verfilmung von E. M. Foster. Er gerät aber in den falschen Saal, in einen amerikanischen Teenager-Streifen, erspäht, nachdem er sich gebührend über den niederen IQ von Film und Zuschauern ausgelassen hat, einen jugendlichen Nebendarsteller, einen «Jüngling von schätzungsweise fünfzehn oder sechzehn Jahren mit recht kurz geschnittenen blonden Haaren, blauen Augen mit langen, dichten Wimpern . . . und zwei makellos weissen, wenn auch leicht schiefen Schneidezähnen», und das Unglück nimmt seinen Lauf. Gilbert ist seltsam berührt. Gilbert geht noch einmal in den Film. Gilbert kauft Teen-Magazine. Gilbert ist besessen. Gilbert masturbiert über Photos. Gilbert . . . nein, genug.

Wer so weit auf den Stelzen der Prosa mitgestakst ist, ohne herunterzufallen, der bekommt zur Belohnung eine Reise nach Amerika; mit Gilbert und zu dessen Idol. Ein wirklicher Trost ist das aber auch nicht, denn hier stösst Gilberts verfeinertes Sensorium auf die Drolligkeiten des American way of life, eine ideale Gelegenheit für weitere geistreiche Betrachtungen.

Wozu die Liebesmüh?

Das zentrale Versagen dieser Erzählung ist weder ihre Eitelkeit und ihr posierender Snobismus (den man immerhin für ironisch halten könnte) noch die Art, wie sie vor dem literarischen Spiegel, den sie sich aufgestellt hat, selbstzufrieden tänzelt – denn ein Tanz mit der Figur und Motivik Manns ist das Ganze eben doch nicht. Das eigentliche Problem ist viel elementarer: der Mangel der emotionalen Notwendigkeit dieser Katastrophe, denn es wird nicht klargemacht, warum dieser vulgäre amerikanische Teenager denn einen so kolossal selbstverliebten Schriftsteller, in dessen Konstitution kaum ein Bruch spürbar ist, dermassen aus der Balance bringen sollte.

Was hier mit dem Vokabular von «Tod in Venedig» verschränkt wird – oder werden sollte –, ist die englische Faszination von Aristokraten mit jungen Männern aus «dem Volke», mit der Romantik der unverdorbenen Lebensenergie, der ungetrübten Sexualität der Jugend, die in der englischen Literatur ad nauseam behandelt worden ist. Das Einbringen dieser Middle-class -Homoerotik und die Figur des Helden selbst sind signifikante Abweichungen von der literarischen Vorlage, denn Manns Gustav von Aschenbach passt letztlich nicht in seinen literarischen Kokon, er ist der Dichter «all der Moralisten der Leistung, die, schmächtig von Wuchs und spröde von Mitteln, durch Willensverzückung und kluge Verwaltung sich wenigstens eine Zeitlang die Wirkung der Grösse abgewinnen». Seine Schmächtigkeit und Sprödheit formen seine Achillesferse, seine zum Lebensprogramm gewordene Willensverzückung findet in dem Knaben Tadzio das ideale Objekt der Sehnsucht, einmal jung und vollkommen zu sein, eine Sehnsucht, die für den Künstler und den Mann Aschenbach letztlich ruinös sein muss. Die Ambivalenz dieses Motivs ist bei Adair nicht nur verfremdet, sondern auch unrettbar verflacht.

Es mag erstaunlich genug sein, dass G. A. (Gilbert Adair) seinen G. A. (Giles de'Ath) mit Thomas Manns G. A. (Gustav von Aschenbach) und sich selbst demzufolge mit Mann gleichsetzt, am Ende aber tut er uns damit einen Gefallen. Während wir Giles gerne dem wohlverdienten literarischen Tod anheimfallen lassen, der bereits in seinem Familiennamen enthalten ist, nehmen wir «Tod in Venedig» vielleicht wieder einmal zur Hand und erwecken Gustav von Aschenbach zu neuem Leben.

Philipp Blom -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Der Schriftsteller Giles de'Ath sieht zufällig in einem Trivialfilm einen jungen Darsteller, der ihn völlig gefangen nimmt. Giles, von einer teenagerhaften Schwärmerei ergriffen, steigert sich so in die Sache hinein, dass er den Entschluss fasst, nach Amerika zu reisen - zu seinem Idol ..."Eine höchst unterhaltsame Variante von Thomas Manns 'Tod in Venedig'." (Süddeutsche Zeitung) Der Roman wurde mit John Hurt und Jason Priestley verfilmt.

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Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Gilbert Adairs kompositorisches und stilistisches Bravourstück

Für den sich in den besten Jahren befindenden Schriftsteller Giles De' Ath gibt es in der modernen Literatur nichts Beschämenderes als den neohellenistischen Ephebenkult - die homosexuelle Neigung zu jungen Männern -, in dem gereifte Herren schlafende Jünglinge gierig betrachten und abgeschmackte Vergleiche anstellen. Und doch ist es gerade ein Jüngling, der seine Neugier außergewöhnlich reizt. Der Ich-Erzähler Giles reflektiert mit gutem Grund auf die Selbstentblößungen und für ihn deplaziert anmutenden Darstellungen der Vorlieben von Dichtern wie Wilde, Gide oder auch Thomas Mann. Gerade weil sich Giles dessen bewußt ist, aber die für ihn abschreckenden Beispiele ignoriert, zeigt, daß er gegen das in ihm aufkommende Gefühl nichts tun kann. In Gilbert Adairs Roman „Liebestod auf Long Island" ist es der Zufall, der den Protagonisten Giles in ein Kino führt. Von einem Regenguß überrascht, wollte dieser sich eigentlich in eine Aufführung von „Zimmer mit Aussicht" flüchten, landet statt dessen in einem Film für Teenager: „Hotpants College II". Und dort sieht er den jungen Schauspieler Ronnie Bostock, der ihn augenblicklich in seinen Bann zieht. „Ich hatte kein einziges Mal, nicht einmal im fieberhaft brünstigen Internat, in das man mich als eingeschüchterten Zehnjährigen gesteckt hatte, ein Erlebnis gehabt, das sich im entferntesten als homosexuell bezeichnen ließe." Das ist die ratlose und ein wenig hilflose Rechtfertigung Giles', der nach der unilateralen Begegnung mit dem Jüngling aus seinem gewohnten Leben gerissen wird. War der Auslöser des Ereignisses aus dem Zufall geboren, ahnt Giles, daß das Resultat kein Zufall ist. Denn die Pflanze der gleichgeschlechtlichen Liebe kann nur wachsen, wenn der Boden dafür - trotz aller Beteuerungen - vorhanden ist. Und eben dies verunsichert ihn zutiefst. „Liebestod auf Long Island" ist eine moderne Variation von Thomas Manns Novelle „Tod in Venedig" und Giles der Typus Gustav Aschenbach versetzt in die Spätmoderne. Der Witwer lebt abgeschirmt in einem guten Londoner Stadtteil. Er war in seinem Leben keine zehn Mal im Kino und weiß nicht, wer Jack Nickolson ist. Er schreibt Bücher, die sich „kein Pendler als ideales Lesefutter für eine monotone Bahnfahrt" aussuchen würde, verabscheut den Literaturberieb und die Massenmedien so tief, daß er noch nie ein Interview gegeben hat. Adairs Motive sind gemäß der Vorlage diejenigen Thomas Manns: die Problematik des Künstlers, Kulturkritisches (Kunst als Ware) und nicht zuletzt die Beziehung zu einem blonden, blauäugigen Jüngling. Adair weiß dem Thema achtzig Jahre später Neues und Kluges abzugewinnen, er erzählt so wie man eine moderne Variante nur erzählen kann: mit Witz und in einem ironischem Tonfall. Doch man würde der Geschichte Adairs nicht gerecht, sähe man ihre Qualität bloß in der gekonnten Variation des Prätextes. Es kommt ein weiteres Element hinzu, daß über die Vorlage noch hinausgeht. Es ist nicht mehr nur das Berauschen an dem Anblick des Epheben oder das Verzehren, das Giles umtreibt, sondern bedeutend mehr: eine Obsession.

Der alternde Schriftsteller, dessen vier Romane sein Verlag in der Reihe „Modern Classics" herausgibt, wird von dem schönen Jüngling Ronnie aus seiner bürgerlichen Ordnung geworfen. Die Ironie und Spannung der Geschichte ergibt sich aus der Konfrontation der beiden Welten: Auf der einen Seite Giles, der eher weltfremde Intellektuelle, die Gepflogenheiten der heutigen Zeit mißbilligend und die Vergnügungen der Masse verachtend. Auf der anderen Seite der junge amerikanische Schauspieler, die reine Oberfläche, das Kunstprodukt mit nur einer hervorstechenden Eigenschaft: seinem klassischen Aussehen. Da Giles alles über Ronnie wissen will, muß er sich in dessen Welt begeben. Eine „Spalte der Existenz" tut sich bei Giles auf. Eine Spalte, die sich im Laufe der Geschichte zu einem Sankt-Andreas-Graben ausweiten wird. Die Zeichen der Veränderung in Giles' Existenz weiß Adair an Details und in lockerem Tonfall anschaulich zu machen: Als der Literat sich zwei Filme des Schauspielers ansehen will, muß er sich zuvor erst noch einen Fernseher und einen Videorecorder kaufen: „Schließlich sorgte man auch hier für Abhilfe und stellte die beiden nabelschnurartig verbundenen Geräte in meinem Arbeitszimmer auf, nachdem aus den betreffenden Bücherregalen eilends eine Balzac-Gesamtausgabe entfernt worden war."

Wie ein Teenager trägt Giles alles zusammen, was er über Ronnie erfahren kann. Vor keiner Lächerlichkeit schreckt er zurück. Es ist mehr komisch als tragisch, wenn er, der britische Intellektuelle, ein Mann des Geistes, Fotos aus Teenager-Magazinen schneidet, sie in ein Sammelalbum klebt und den nächsten Ausgaben entgegenfiebert. Giles erinnert dabei jedoch mehr noch als an Gustav von Aschenbach an eine andere, große Figur der Weltliteratur: Humbert Humbert, den Helden aus „Lolita". Auch wenn sich ihre Objekte der Begierde unterscheiden, haben die beiden Männer eines gemeinsam: die Obsession, die List des Besessenen und die Verstohlenheit des Begehrens, die aus der Gefahr der Entdeckung resultiert. Der kühle Analytiker Giles, das Profane der anderen Welt wissend und verachtend, wirft jeden Vorsatz und immer mehr jede Vorsicht, die ihm angesichts der gesellschaftlichen Beurteilung seiner Gefühle geboten erscheint, über Bord. Die letzte Stufe, ein Zusammentreffen mit Ronnie auf Long Island, das zugleich das Finale der Geschichte bedeutet, ist daher eine logische Konsequenz. Adair erzählt dies mit einer Neigung zum preziösen Stil, der sich aber nie in sprachlicher Selbstverliebtheit verliert, sondern dem Thema - die Literaturgeschichte dabei immer im Kopf - angemessen ist. Trotz des ironischen Grundtons, in dem die Geschichte geschrieben ist - und darin liegt ein großer Wert des Buches - behält Giles seine Würde. Er leidet nicht unter seiner Obsession - er nimmt sie hin, er bekennt sich zu ihr, ist sie doch eine großartige neue Erfahrung. Er weiß, daß er sich lächerlich macht, daß selbst die Fotos von Ronnie in den Teenager-Magazinen der reine Kitsch, die pure Heuchelei und nur die oberflächliche Befriedigung für die Träume Pubertierender sind. Doch er empfindet sie als wunderbar. Giles, der Mann aus einer anderen Sphäre, wächst auch an diesem Ereignis. Er verliert, wie es Nabokov ausdrückte, „die banale Angst vor dem Banalen" - aber nicht seine Selbstachtung.

ALEXANDER SIMON

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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ganz nett 30. Mai 2005
Von powerflo
Format:Taschenbuch
Keine Frage, dieser Autor kann schreiben, ist stilistisch phasenweise brilliant und der Ausgangs-Plot (englischer Schriftsteller und Hardcore-Intellektueller verfällt einem amerikanischen Teen-Schauspieler) ist durchaus amüsant.
Gilbert Adair hat jedoch schon sehr viel überzeugendere Titel geschrieben ("Blindband", "Der Schlüssel zum Turm"!), da die Story hier auf Dauer nicht "abendfüllend" ist und das Buch insgesamt wie eine ganz nette Stilübung wirkt. Nur für Insider.
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