Alexandros Chakiris ist ein Meister der Metaphern. Das ist mir schon in seinem Buch TROJAS HARTE SPEERE aufgefallen und bestätigt sich erneut in seinem aktuellen Buch LIEBESSPIELE DER SAMURAI. Liest man einen Chakiris-Roman fühlt man sich auch tatsächlich hineinversetzt in die jeweilige Epoche, von der der Autor uns berichtet.
In LIEBESSPIELE DER SAMURAI nimmt sich Chakiris nicht nur kenntnisreich des Themas Samurai an, es gelingt ihm auch, die Sprache aus dem alten Japan früherer Jahrhunderte nachzuempfinden.
Bei LIEBESSPIELE DER SAMURAI handelt es sich um eine Anthologie von fünf homoerotischer Kurzgeschichten, die im späten Mittelalter Japans spielen (ungefähr 1559 bis 1651).
In 'Das Teehaus unter dem Kirschmond' verlieben sich ein Samurai und sein Schüler ineinander, 'Eine Lampe aus Papier' berichtet von der Erfüllung einer Jugendliebe, 'Herbstlaub' erzählt uns von der tragisch endenden Liebe zwischen einem Samurai und einem Sklaven, 'Im Garten der Schattenorchideen' finden zwei reifere Kabuki Darsteller zueinander und in 'Schneekristall und Holzschuh' werden zwei junge Kabuki Darsteller gewaltsam voneinander getrennt, was natürlich eine Tragödie nach sich zieht.
Kabuki und die herausragende Schönheit der Frauendarsteller zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch, was mir persönlich irgendwann doch ein wenig zu viel wurde. So vermittelte mir LIEBESSPIELE DER SAMURAI den Eindruck, als hätte es homosexuelle Liebe im mittelalterlichen Japan zwar gegeben, aber immer nur in einem Über-/Unterordnungsverhältnis und nur dann, wenn der eine Partner sich wie eine zarte Frau gibt und so gekleidet und geschminkt ist.
Was mir persönlich an dem Buch fehlt, aber das ist reine Geschmackssache, ist eine Geschichte, in der sich zwei gleichrangige und gleichstarke Krieger ineinander verlieben und eine Liebesnacht miteinander verbringen. Da würden die Funken sprühen. Die Story 'Eine Lampe aus Papier' zeigt Ansätze dazu, aber obwohl beide Partner Krieger sind, besteht doch ein starkes Gefälle zwischen ihnen.
LIEBESSPIELE DER SAMURAI ist homoerotische Literatur erster Klasse. Die Stories haben Tiefgang und erzählen von großer, leidenschaftlicher Liebe und tragischen Momenten. Die Liebesszenen werden mit einfühlsamen Metaphern umschrieben und passen sich nahtlos in das Gesamtkonzept ein.
Fünf Punkte sind zu wenig, um dieses Buch zu bewerten, doch mehr gibt es leider nicht.
(c) N. Banzi