Kaum ist die Lektüre begonnen, so ist man schnell wieder mitten in den Abenteuern des nun bald sechzehnjährigen Martin Schlosser, durch dessen Leben sich wie ein roter Faden - das verrät der Titel - die Suche nach der großen Liebe zieht.Würde man allerdings einen klassischen Roman über die Liebesnöte eines Teenagers erwarten, so hätte man die Rechnung ohne den Satiriker Gerhard Henschel gemacht. Aber zunächst der Reihe nach.
Meppen in den Jahren 1978 bis 1980: Martin Schlosser hat sich mittlerweile mehr schlecht als recht mit seinem Dasein in dieser emsländischen Stadt arrangiert, in der er mit seinen Eltern, seinem älteren Bruder Volker und seiner jüngeren Schwester Wiebke lebt. Die älteste Schwester Renate studiert derweil in Bonn. Martin Schlosser hat es wirklich nicht leicht - mit Wiebke ist eine friedliche Koexistenz nicht möglich, Volker geht seinen eigenen Weg und die Ehe seiner Eltern ist alles andere als intakt (wer die 'Die Liebenden' gelesen hat, weiß um die Tragik dieser Familiengeschichte).
Aber Martin lässt sich nicht unterkriegen, auch nicht durch den Mathe- oder Biologieunterricht, sondern er engagiert sich in der Schülerzeitung und erzielt gute Noten in Englisch und Deutsch. Und dann wären da noch die Mitschülerinnen, in die sich Martin verliebt und schließlich...bitte selbst lesen!
Zudem betätigt er sich wieder als Chronist wichtiger Geschehnisse - sei es etwa die Fußballweltmeisterschaft 1978 oder der Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan.
Nicht zu vergessen sind auch die unterhaltsamen Briefe von Michael Gerlach - dem Freund aus Kindheitstagen in Vallendar. Zu dieser Kleinstadt mit dem Ortsteil Mallendarer Berg und dem Wambachtal sowie dem in der Nähe liegenden Koblenz mit dem Stadtteil Hochheimer Höhe und seinem Wäldchen sehnt er sich so sehr zurück, dass die dortigen Fremdenverkehrsämter vielleicht Gerhard Henschel noch eines Tages für sich vereinnahmen. Diese Befürchtung ist allerdings unnötig, denn schließlich verrät sein Schreibstil, dass der Autor auch für die 'Titanic' schreibt - wenn er auch beim 'Liebesroman' die Satire stets in einem unterschiedlichen Ausmaß verwendet: Wenn ihm bestimmte Erlebnisse, etwa der Streit zwischen seinen Eltern oder Enttäuschungen in der Schule erheblich zusetzen, bleibt er erstaunlich konziliant. Mithin ließe sich in seinem Sinne folgern, dass Satire die Kompensation von Enttäuschungen ist, getreu dem Motto: Die Jugendzeit ist alles andere als eine schöne Zeit - aber ertrag diese mit Haltung, das heißt mit Humor! Zur Hochform läuft er immer dann auf, wenn er selbst zur Zielscheibe von Spott wird: Wenn er etwa beschreibt, wie sich Schülerzeitungsredakteure bei ihren Sitzungen in Rage reden, fühlt man sich unvermeidlich an die 'Volksfront von Judäa' aus dem Film 'Das Leben des Brian' erinnert.
Bei seinem Versuch, gemeinsam mit einem Schulkameraden in die Rolle investigativer Journalisten zu schlüpfen und in einem Interview den damaligen Bundestagsabgeordneten Rudolf Seiters in den Enge zu treiben, wird er erstmalig mit dem Phänomen verbaler Nebelbomben konfrontiert - besser hätte es auch Loriot nicht darstellen können.
Zu guter Letzt stellt sich die wieder die Frage: War es das etwa? Bitte nicht!