Als ich die ersten Seiten des Buches las, wusste ich, dass ich einen weiteren Schriftsteller "entdeckt" habe, von dem ich alle Bücher lesen muss. Das ist nicht oft der Fall, ein Glücksfall eben.
Das Buch besticht durch Entschleunigung und Verzicht auf Überflüssiges. Hanns Josef Ortheil braucht keine langatmigen Beschreibungen seiner Protagonisten, er lässt sie handeln und dadurch gewinnen sie an Körper, Geist und Seele, und im Leser entstehen Bilder.
Abgespeckt, Reinheit, Klarkeit, Geradlinigkeit, Transparenz, Freiheit, Loslösen.... das sind die Begriffe, die ich mit dem Buch in Verbindung bringe.
Spannend geschrieben bis zur letzten Seite erfährt der Leser wie sich Jana und Johannes wortlos annähern und sich ebenso wortlos als Seelenverwandte erkennen.
In der heutigen Zeit des Kommunikationswahns, bei dem mit vielen Worten nichts ausgesagt wird, ein Fingerzeig, dass sich verwandte Seelen auch ohne den üblichen Hype erkennen. Und im Leser nagt die Frage: Wird in der Liebe zu viel geschwallt?
Genial geschrieben, wie auch die anderen Bücher des Autors, die ich dann in chronologisch absteigender Folge gelesen habe.
Bei der Lektüre von "die Erfindung des Lebens" ist mir dann klar geworden, woher der Autor seine Tiefe bezieht und wie sich seine frühesten Erfahrungen wie ein roter Faden durch seine Bücher ziehen. Faszinierend.
Und ein Glück für uns Leser, dass er uns an seinem Erlebnis- und Wortschatz teilhaben lässt.