Vorweggeschickt: Ich bin ein BD-Fan und verschlinge die Bücher üblicherweise; lebe, liebe und leide mit den Brüdern. Und die jetzt folgende, eher negative Rezension liegt nicht an dem Buch an sich, das wie immer bei J. R. Ward gut geschrieben und spannend ist (obwohl es da diesmal auch Abstriche gibt), sondern an dem Vogel, den der Verlag abgeschossen hat.
Über die hirnrissigen Titel wundere ich mich ja schon lange nicht mehr, aber bisher waren wenigstens die Klappentexte angemessen. Doch diesmal? Nach der Lektüre des KT zu diesem Teil und dem Vorschautext zum nächsten, war meine Reaktion: "Wow, es findet sich ein Weg, Wellsie zurückzuholen - YES!" Das war das, was ich erwartet habe zu lesen, und auch das, worauf ich mich gefreut habe. Doch weit gefehlt! Stattdessen zeichnet sich nun ab, dass Tohr und No'One zusammenkommen. Nicht, dass ich es den beiden nicht gönnen würde. Im Gegenteil! Aber es ist einfach nicht das, was die Verlagstexte suggerieren, und deshalb ist es für mich in gewisser Weise enttäuschend.
Ich bin neugierig, wie das in dem im Februar rauskommenden 2. Teil gelöst wird. Der Werbetext dazu sagt ja, dass Wellsie nicht im Schleier ist sondern in einem Zwischenbereich, und Tohr versucht, sie da rauszuholen, um wieder mit ihr vereint zu sein. Wenn dem tatsächlich so ist, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder er schafft es - Toll! Oder eben nicht, was seiner Psyche sicher nicht zuträglich ist. In beiden Fällen kuckt No'One mit dem Ofenrohr ins Gebirge. Wenn er es schafft, ist Wellsie wieder da und No'One die Gelackmeierte (was Tohr nicht ähnlich sehen würde), wenn er es nicht schafft, muss sie sich ständig die Frage stellen, ob sie für ihn nur ein billiger Ersatz ist. Die dritte Option wäre, dass es die Möglichkeit gäbe, Wellsie zurückzuholen, Tohr dieses Vorhaben aber nicht durchführt - aus welchen Gründen auch immer. Das wiederum würde aber weder zu seiner Liebe für Wellsie passen, die ja noch nicht soooo lange tot ist, noch zu der Tatsache, dass ein gebundener Vampir nichts ist ohne seine Shellan. Und Tohrs Shellan ist nunmal nicht No'One sondern Wellsie, an die er sowas von gebunden ist (hey, der Mann wollte sterben, weil sie nicht mehr da war!). Und das alles soll jetzt plötzlich nicht mehr gelten? Logiklücke ick hör dir trappsen! Nein nein, irgendwie gefällt mir das nicht ...
Wie gesagt, wären meine durch die KTs geweckten Erwartungen anders gewesen, würde das Urteil auch anders, nämlich deutlich positiver ausfallen, wobei mich dieses John/Xhex-Geiere nicht weniger auf die Palme gebracht hätte.
Oh Mann, ich war so froh, nach den Teilen 15 + 16 hinter diesen nervtötenden John Matthew endlich einen Haken machen zu können (mal ehrlich, der soll die Reinkarnation von Darius sein? Lächerlich!), und jetzt wird er schon wieder breitgetreten. Also, ich hätte das nicht gebraucht!
Apropos nicht gebraucht. In jedem Schreibratgeber steht zu lesen, man soll nur Dinge schreiben, die die Geschichte voranbringen und alles andere, weil überflüssig, weglassen. Das scheint allerdings nur für unbekannte Erstautoren zu gelten. Steht man erstmal auf einer Bestsellerliste, kann man es sich offensichtlich leisten, viel Gelaber um Nichts zu machen. Ist vom Verlag vielleicht sogar gewünscht. Je dicker das Buch, umso höher der VK. Aber muss das wirklich sein? Ich finde nein. Was will ich damit sagen? Ich vermisse die Gradlinigkeit und Knackigkeit der ersten sechs Teile (oder drei, wenn man von den Originalen ausgeht). Die beiden Wrath-Bücher waren zusammen nicht so dick, wie jetzt das erste Tohr-Buch. Und woran liegt das? Daran, dass es bei den ersten beiden Büchern eben hauptsächlich um Wrath und Beth ging, und nicht zigtausend Nebenbaustellen aufgemacht wurden. Bei den zwei Rhage-Bücher dasselbe und auch bei den Zsadist-Büchern (im Übrigen meine liebsten!) war das noch so. Und dann ging's los mit dem Abschweifen, das von Bruder zu Bruder umfangreicher wurde, und inzwischen ein Ausmaß angenommen hat, das für mich schon fast jenseits von Gut und Böse ist. Ich fang ja schon an, ganze Absätze nur noch zu überfliegen ...
J. R. Ward schreibt gut - spannend, witzig, mitreißend. Und, wie schon erwähnt, ich liebe die Brüder (nur das ist der 3. Stern). Aber allmählich wird der Bogen immer mehr überspannt, die sinnlosen oder unnötigen Absätze immer größer und die Logiklücken immer auffälliger, und das ist ein Trend, den ich einfach nicht gutheißen kann. Schade!