Eigentlich handelt der vorliegende Roman nicht explizit vom Dicksein oder Abnehmen. Zwar geht es um Anne, die gegen ihren Körper vorgeht, ihn hasst und abwechselnd zu- und abnimmt, aber es könnte auch um Martin gehen, der Drogen nimmt oder um Klaus, der zum Alkoholiker wird. Das eigentliche Thema ist die Kindheit und Jugend, das Erwachsenwerden und all die vielen Katastrophen, die einem auf diesem Weg passieren können.
Es geht um die Wunden, die einem Eltern, Verwandte und Freunde zufügen, oft ohne sich dessen bewusst zu sein. Es geht um Eltern, die Anne den heiß ersehnten Hund nicht schenken, dem Bruder kurz darauf aber schon. Es geht um den Vater, der seine pubertierende Tochter mit einem Wann-hört-das-endlich-auf von sich stößt, gerade, als sie ihn sehr bräuchte; er setzt noch eins drauf und wirft ihr einen Ödipuskomplex vor. Es geht um Verwandte, die sich über Essgewohnheiten Annes amüsieren oder darüber, dass sie bald so groß ist, um aus der Dachrinne schlappen zu können. Es geht um (vermeintliche) Freunde, die ihr sagen, sie hätte einen dicken Arsch oder dass sich, wenn sie lacht, ihr Gesicht in eine einzige Grimasse verwandelt.
Wie schreibt Carlos Ruiz Zafon in "Der Schatten des Windes" so treffend: Die Worte, die das Herz eines Kindes vergiften, sei es aus Gemeinheit oder Ignoranz, bleiben im Gedächtnis haften und verbrennen einem über kurz oder lang die Seele.
Ein erschreckend brutaler Roman. Duve - alle Achtung!